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Eine neue Schule - gegen alle Widerstände

Die gute Nachricht 2016 – Teil 4 Eine neue Schule - gegen alle Widerstände

Was ist die beste Nachricht des Jahres? Da hat sicher jeder seine eigene Meinung. Sechs Leser erzählen ihre persönliche Geschichte: Heute wird geschildert, wie engagierte Eltern es geschafft haben, dass in der Schule im kleinen Ort Zurow wieder unterrichtet wird.

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Im ersten Jahr mit Waldorf-Pädagogik am Start: Lehrer Michiel Roelofs mit Karl (li.) und Alwin beim Malunterricht. Foto: Dietmar Lilienthal

Quelle: Dietmar Lilienthal

Zurow. In der letzten Stunde vor dem Mittagessen wird gemalt. Gelb sei eine warme Farbe, Blau eine kalte, erklärt Lehrer Michiel Roelofs. Die elf Jungen und Mädchen, die vor ihm an kleinen Tischen sitzen, bilden die gemeinsame Klasse 1 und 2 der Dorfschule Wismarer Land. Drei Tafeln gibt es in dem Klassenzimmer, Kinderzeichnungen mit bunten Tieren hängen an der Wand. Die zweite Lehrerin, Nadine Kahmann, verteilt Pinsel, schraubt Wassergläser auf und legt einem etwas zappeligen Jungen, der nicht aufpasst, den Arm auf die Schulter.

Dass es in Zurow gegenüber der Kirche überhaupt wieder eine Dorfschule gibt, hat der Ort einigen besonders engagierten Eltern zu verdanken. Die 1300 Einwohner der Mecklenburger Gemeinde in der Nähe von Wismar hatten sich schon damit abgefunden, dass die kombinierte Grund-, Haupt- und Realschule vor ein paar Jahren geschlossen worden war. Vor acht Jahren hatten Eltern erstmals die Idee, eine eigene Schule zu gründen, erzählt Martin Kunz, Lehrer, Direktor und Vater eines Schülers. Vor zwei Jahren dann nahmen zehn Eltern die Sache in die Hand. Niemals hätten sie gedacht, dass es so schwierig werden könnte.


Mit bürokratischen Tricks hätten die Behörden versucht, das Projekt scheitern zu lassen, erzählt Kunz. „Das Schweriner Bildungsministerium will keine Waldorf-Schulen“, glaubt er. Doch zunächst lief es reibungslos. Mit viel Einsatz erhielten die Eltern die Baugenehmigung, auch die Finanzierung stand schnell. Die Eltern gründeten eine Genossenschaft, zahlten Anteile ein. Eine gemeinnützige Bank stellte einen Kredit bereit, Förderer steuerten ebenfalls Darlehen bei. Genug für 40 000 Euro für den ersten Bauabschnitt und genug, um eine Grundlage zu schaffen für die ersten drei Jahre, in denen das Land keine Personalkosten-Zuschüsse zahlt. Jedes Wochenende arbeiteten die Gründer auf der Baustelle. Alles schien auf dem richtigen Weg.

Bis zu jenem Tag im April. Schriftlich lehnte das Kultusministerium den Antrag auf Gründung einer freien Waldorf-Schule mit den Klassen 1-8 in Zurow ab. „Absurd“, sei die Begründung gewesen, sagt Martin Kunz. Unter anderem das bauliche Konzept und der Haushaltsplan seien bemängelt worden. Immer wieder habe das Ministerium neue Unterlagen angefordert. Nur noch fünf Monate blieben bis zur geplanten Eröffnung. Statt aufzugeben, kämpften die Eltern weiter, legten Widerspruch ein, reichten wieder unzählige Dokumente und Stellungnahmen nach. Währenddessen lief der Umbau weiter, einem ungewissen Ziel entgegen. Im Juli, die Sommerferien hatten schon begonnen, kam endlich die große Erleichterung: Schwerin genehmigte die Schule.

Für die nächste Doppelklasse, die im September 2017 eingeschult wird, gibt es bereits mehr Anmeldungen als Plätze. 80 Schüler sollen es eines Tages insgesamt sein, das Schulgeld beträgt 130 Euro monatlich. Alle Eltern seien willkommen, sagt Direktor Kunz, auch wenn sie das Schulgeld nicht aufbrächten. Dafür gebe es Mittel und Wege. Das Verhältnis zu den anderen Dorfbewohnern sei gut. „Anfangs wurden wir ein bisschen beäugt“, sagt Mitgründer Jan Dobbelmann, Holzgestalter und Vater eines achtjährigen Jungen. Das habe sich gelegt. Nun seien alle froh, dass es wieder eine Schule im Dorf gibt.

Von Gerald Kleine Wördemann

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