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Der Norden Am Kopftuch scheiden sich die Geister
Nachrichten Der Norden Am Kopftuch scheiden sich die Geister
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00:17 15.10.2015
Von Michael B. Berger
Ein Stück Stoff als Provokation? Der Landesfrauenrat diskutiert engagiert über das Für und Wider des Kopftuchs.Foto: Ehlerding Quelle: EHLERDING
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Goslar

Die Muslima Nazli Bayrak trägt gerne Seidenschals - allerdings gewöhnlich nur um den Hals. „Ich bin eine selbstbestimmte muslimische Frau“, sagt die Migrantin und zieht sich ihren roten Schal plötzlich um den Kopf: „Bin ich jetzt eine fremdbestimmte muslimische Frau?“, fragt sie provokant in die Runde.

Wie schnell der Schal zum sprichwörtlichen roten Tuch werden kann, an dem sich die Geister scheiden, zeigte jetzt eine Diskussion des Landesfrauenrates in Goslar. Das kleine Stück Stoff ist für viele westlich geprägte Frauen immer noch eine Provokation, auch für Emigrantinnen, die etwa vor dem Mullah-Regime im Iran geflohen sind.

Das bewies die zuweilen hitzige, aber sehr engagierte Diskussion am Sonnabend. Dass das Bundesverfassungsgericht im März dieses Jahres das strikte Kopftuchverbot für Lehrerinnen an Schulen aufgehoben hat, wurde von etlichen Vertreterinnen von Frauenverbänden nicht nur positiv gesehen.

Dabei hatte die Religionswissenschaftlerin Ina Wunn, Professorin an der Leibniz-Universität Hannover, ein ebenso kurzweiliges wie beherztes Plädoyer für eine neue Sicht auf das Kopftuch gehalten. Wunn verhehlte dabei nicht, dass die Lage vieler Frauen in den arabischen Ländern „mehr als miserabel“ sei. Aber es gebe unter jungen Muslima ein Aufbegehren dagegen - und zwar im Zeichen des Kopftuches. Für ihre These, dass deutsche Feministinnen in der Regel traditionell religionsfeindlich seien und schon deshalb das Kopftuch ablehnten, erntete Wunn allerdings viel Widerspruch. Die Professorin führte die allgemeine Ablehnung des Kopftuches auch auf tief sitzende Ressentiments gegen Muslime in der Bevölkerung zurück.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Thela Wernstedt zeigte sich unglücklich mit dem jüngsten Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes, das das Kopftuchverbot für Lehrerinnen für unzulässig erklärt hatte. „Die Frage des Kopftuches ist eigentlich gar nicht ausdiskutiert, ich mache mir Sorgen um die Neutralität des Staates.“ Schließlich seien die Eltern verpflichtet, ihre Kinder in die Schule zu schicken, da dürften die Mädchen und Jungen aber auf keinen Fall missioniert werden. Die grüne Landtagsabgeordnete Elke Twesten widersprach. Es sei gut, dass das Kopftuchverbot aufgehoben worden sei, denn dies habe faktisch zu einem Berufsverbot für muslimische Lehrerinnen geführt.

Heidemarie Grobe von der Frauenorganisation Terre des Femmes erinnerte daran, dass das Kopftuch nach der iranischen Revolution „Frauen mit Reißzwecken angeheftet“ worden sei. Es bleibe ein Symbol der Unterdrückung. Dem widersprach Nazli Bayrak. Die Grüne Sybille Mathfeld-Kloth meinte, Religion sei immer eine zweischneidige Sache: „Sie ist Kitt und Sprengstoff zugleich.“ Wie offenbar auch die Kopftuchfrage.

Viele Teilnehmerinnen der Diskussion beklagten, dass in Niedersachsen die Frage, ob Lehrerinnen mit Kopftuch unterrichten dürften oder nicht, im Konfliktfall an die Schulen weitergereicht werde. Die hätten es dann schwer.

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