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Willkommen in Barnstedt

Dorf engagiert sich für Flüchtlinge Willkommen in Barnstedt

Angesichts weltweiter Krisen und Kriege steigt die Zahl der Flüchtlinge - immer mehr kommen auch nach Niedersachsen. Während vielerorts der Unmut über die Neuankömmlinge wächst, heißt ein 600-Einwohner-Dorf bei Lüneburg „seine“ Asylbewerber herzlich willkommen.

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Hilfe als Selbstverständlichkeit: In Barnstedt sind die Asylbewerber mittendrin.

Quelle: HAZ

Lüneburg. In Barnstedt helfen die Einwohner auf vielerlei Weise und organisieren gerade ein Fest: die „Benefiz-Musikmeile“ am 7. September.

Im ehemaligen Gasthof Kruse mitten im Ort leben zurzeit 17 erwachsene Asylbewerber und acht Kinder. Sie kommen aus dem Sudan, Somalia, dem Libanon und der Elfenbeinküste. Als im November vergangenen Jahres die ersten zwölf Hilfesuchenden eintrafen, darunter eine alleinerziehende Mutter mit ihren fünf Kindern, sei „gleich eine Hilfswelle losgegangen“, erzählt Dorfbewohnerin Vera Geldmacher. Die Pädagogin gehört zum „Initiativkreis für Asylbewerber in Barnstedt“, der sich schnell gründete. Anfangs sei es vor allem darum gegangen, Sachspenden zu koordinieren, erinnert sich die 59-Jährige. „Der eine Junge hatte auf einmal fünf Fußbälle“, sagt sie. „Und die Gemeindesachbearbeiterin war überfordert, weil so viele hilfsbereite Menschen sich direkt an sie wandten.“

Um die neuen Bewohner zu integrieren, veranstaltete der Initiativkreis ein deutsch-sudanesisches Essen. Die 86 Jahre alte Wirtin Helga Grote stellte dafür Räume in ihrem Gasthof zur Verfügung. Später half sie mit Fremdenzimmern aus, als sich zwei Frauen mit ihren Kindern für einige Tage nach Ärger mit einem Mitbewohner aus der Unterkunft zurückziehen wollten. „Dass man Menschen hilft, die in Not sind, ist für uns im Dorf selbstverständlich“, sagt sie. Auch bei der an fünf Orten im Dorf geplanten Musikmeile stellt Grote ihre Gaststätte für eine Bühne zur Verfügung.

Eine andere Bühne wird bei Mitorganisator Jens Thomsen im Garten aufgebaut. 14 Gruppen und Einzelinterpreten würden auftreten, um Spenden unter anderem für Dolmetscher und Rechtshilfe zusammenzutrommeln, kündigt er an: bunt gemischt von Jagdhornbläsern über Jazz, Chanson und Rock bis Punk. Die Feuerwehr engagiere sich mit einem Grillstand, die Juniorchefin der Bäckerei spende Kuchen und verkaufe ihn selbst.

Die große Hilfsbereitschaft in Barnstedt führt Koordinatorin Geldmacher unter anderem darauf zurück, dass in dem zwölf Kilometer südlich von Lüneburg gelegenen Ort einerseits viele Lehrer und Sozialarbeiter wohnen, zum anderen viele Ältere, die nach dem Krieg selbst als Flüchtlinge kamen. Wobei es nicht nur um Sachspenden, sondern auch um andere Formen von Hilfe geht: Deutschunterricht etwa, Begleitung bei Einkäufen, Behördengängen und Arztbesuchen.

„Die haben sehr viel für uns gemacht“, sagt der 21-jährige Benji aus der Elfenbeinküste, der schon recht gut Deutsch spricht. Besonders schätzt er, dass alle Flüchtlinge von den Dorfbewohnern Fahrräder bekamen, weil es in Barnstedt keinen Laden gibt und Busse nur selten fahren. „Hier ist nix los“, sagt Benji. „Aber die Leute sind nett.“

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