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Kein Unterricht - und trotzdem volle Bezüge

"Dschungelcamp"-Lehrerin Kein Unterricht - und trotzdem volle Bezüge

Die Lehrerin aus Soltau, die für Empörung sorgte, weil sie im Januar mit einer Krankschreibung zum RTL-Dschungelcamp nach Australien reiste, unterrichtet noch immer nicht wieder. Gegen sie läuft ein Disziplinarverfahren - und sie ist bei vollen Bezügen vom Unterricht freigestellt.

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Mit der Tochter in den Dschungel: Viktoria Volk (li.) war zu der Zeit krankgeschrieben.

Quelle: Privat

Hannover. Die Lehrerin aus Soltau, die sich krankschreiben ließ und ins RTL-Dschungelcamp nach Australien reiste, statt ihren Unterricht abzuhalten, geht ihrer Arbeit noch immer nicht wieder nach. An der Schule, an der sie arbeitete, soll sie nicht mehr unterrichten. Eine Abordnung an eine andere Schule durch die Landesschulbehörde hat es bislang nicht gegeben, wie ihr Anwalt Andreas Hebestreit auf Nachfrage der HAZ bestätigt.

Gegen seine Mandantin, die nach wie vor ihre vollen Bezüge erhält, läuft ein Disziplinarverfahren wegen ihres Dschungelcamp-Ausflugs. Es bewege sich dabei „aber rein gar nichts“, sagt Anwalt Hebestreit. Weder sei die Gymnasiallehrerin von einem Amtsarzt untersucht worden, noch habe die Schulbehörde von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sie an eine andere Schule abzuordnen. „Das wird zur Lachnummer“, meint Hebestreit. Die Landesschulbehörde dagegen spricht von einem „normalen rechtsstaatlichen Verfahren“.

Eltern schalteten Behörde ein

Im Januar hatte die Lehrerin Viktoria Volk ihre Tochter vier Wochen lang auf RTL-Kosten nach Australien begleitet, um sie bis zum Ausscheiden bei der Reality-Show „Ich bin ein Star - holt mich hier raus!“ zu unterstützen. Vergeblich hatte sich die Mathe- und Physiklehrerin am Gymnasium Soltau zunächst um einen Sonderurlaub dafür bemüht. Kurz vor Abflug schrieben dann zwei Ärzte sie mit bisher nicht bekannter Diagnose krank. Als Bilder im Internet die Lehrerin in Australien zeigten, schalteten Eltern in Soltau die Schulbehörde ein. Volk hatte unter anderem ihre Abiturleistungskurse allein gelassen. Auch an der Berufsschule, wo sie stundenweise im Einsatz war, tauchte sie nicht mehr auf. Der Elternrat des Gymnasiums sah den Schulfrieden gefährdet, stellte Volks Vorbildfunktion infrage und wirkte darauf hin, sie nach ihrer Rückkehr zum zweiten Halbjahr nicht mehr dort unterrichten zu lassen.

Inzwischen habe sich die Lage an dem Gymnasium durch neue Lehrkräfte entspannt, sagt Elternratsvorsitzender Oliver Gossel: „An der Schule ist alles gut.“ Doch als Steuerzahler frage auch er sich, warum Viktoria Volk nicht an eine andere Schule abgeordnet wurde. Als die Landesschulbehörde im Februar ein Disziplinarverfahren gegen die Lehrerin einleitete, war das im Gespräch. Volk lehnte das Ansinnen zwar ab, hätte sich aber selbst nach Ansicht ihres Hertener Anwalts rechtlich gegen eine Versetzung kaum wehren können. „Offensichtlich wird kein Wert darauf gelegt, die Kompetenzen von Frau Volk abzurufen“, meint Hebestreit.

„Bei der Polizei geht das schneller“

Auch die hannoversche Beamtenrechtsspezialistin Anja Möhring meint, die Behörde hätte Volk zum Unterricht andernorts verpflichten können. Der Anwältin kommt das Verfahren ebenfalls sehr langwierig vor. „Dass die Landesschulbehörde langsam ist, ist nicht ungewöhnlich“, berichtet sie aus Erfahrung mit anderen Disziplinarverfahren. „Bei der Polizei geht das schneller.“

Bei der Schulbehörde heißt es Monat um Monat: „Die Prüfung läuft noch.“ Es sei nicht unüblich, dass ein solches Verfahren so lange dauert, sagt Sprecherin Bianca Schöneich. Zu dem Einzelfall dürfe sich die Behörde nicht äußern. Die schriftliche Stellungnahme der Lehrerin zu ihrer Dschungelcamp-Reise ist dort am 11. Februar fristgerecht eingegangen. Darin hat Volk die Ärzte, die sie für dienstunfähig erklärten, von der Schweigepflicht entbunden. Über ihren Anwalt hatte sie zuvor erklärt, die Nähe zu ihrer Tochter in Australien sei ihrer Genesung zuträglich gewesen. Ob es sich um eine widerrechtliche Krankmeldung „mit Ansage“ handelte, ist zu klären. Als Strafe wird nach Angaben von Anwalt Hebestreit nicht etwa eine Entfernung aus dem Schuldienst geprüft, sondern nur eine Aussetzung der Bezüge für die Reisewochen im Januar. Aber nicht einmal zum Gespräch habe die Behörde die Lehrerin bisher geladen.

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