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Der Norden Dschungelcamp-Lehrerin will nicht versetzt werden
Nachrichten Der Norden Dschungelcamp-Lehrerin will nicht versetzt werden
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00:16 14.02.2016
Von Gabriele Schulte
Ärger um Krankschreibung: Weil sie ihre Tochter Nathalie Volk (siehe Foto) nach Australien begleitet hat, soll Lehrerin Viktoria Volk nun von Soltau nach Rotenburg versetzt werden. Quelle: HAZ Montage
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Hannover

Am späten Nachmittag noch feilte ihr Anwalt an der dreiseitigen Stellungnahme, die er am Abend nach Lüneburg faxen wollte. „Frau Volk möchte am Gymnasium Soltau bleiben“, sagte er der HAZ. Den Vorschlag der Behörde, sich ins rund 40 Kilometer entfernte Rotenburg abordnen zu lassen, lehne die Mathe- und Physiklehrerin ab. Auch eine Kürzung der Bezüge für die Dauer ihrer Abwesenheit, wie sie von der Schulbehörde geprüft werde, akzeptiere sie nicht.

Die Diplom-Mathematikerin war Anfang Januar als Begleiterin ihrer 19-jährigen Tochter auf Einladung des Fernsehsenders RTL nach Australien geflogen. Von einem Hotel aus verfolgte sie, wie es dem Model im Dschungelcamp bis zum Ausscheiden nach knapp zwei Wochen erging. Den ganzen Januar über mussten zuhause in Soltau die Schüler, darunter Abiturienten im Leistungskurs, ohne ihre Lehrerin auskommen.

Zunächst hatte sich Viktoria Volk vergeblich um Sonderurlaub bemüht und sich kurz vor der Abreise dann krankschreiben lassen. Die betroffenen beiden Ärzte in Soltau und Nienburg entbindet sie nun gegenüber der Behörde von der Schweigepflicht. Zum Amtsarzt musste sie laut Anwalt bisher noch nicht.

Seit Anfang vergangener Woche unterrichtet Volk wieder am Gymnasium, wie Schulleiter Volker Wrigge am Donnerstag bestätigte. „Wir haben die Lage im Griff“, sagte der Direktor. Um Versäumtes insbesondere im Abiturientenjahrgang aufzuholen, werde derzeit eine zusätzliche Lehrkraft im Mathe- und Physikunterricht eingesetzt.

Die Landesschulbehörde bekräftigte, sie könne sich angesichts der schutzwürdigen Interessen der Betroffenen zu dem laufenden Verfahren nicht weiter äußern. Sprecherin Bianca Schöneich erläuterte, dass sich die Überprüfung der Lehrerin über Wochen hinziehen könne – so sei das in einem rechtsstaatlichen Verfahren. „Wir mussten zum Beispiel erst die Anhörungsfrist abwarten“, sagte die Sprecherin.

Das Abwarten der Schulbehörde nutzt Viktoria Volks Anwalt nun, um für den Verbleib seiner Mandantin am Gymnasium Soltau zu plädieren. „Wenn das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört wäre, hätte man sie nicht dorthin zurückkehren lassen“, meint er. Die Lehrerin werde zwar immer noch von Schülern auf die Australienreise angesprochen worden. Einige hätten Dschungelcamp-Videos ins Internet gestellt. „Aber es wird weniger“, meinte Hebestreit. Die Begründung der Schulbehörde, die Lehrerin „aus der Schusslinie“ nehmen zu wollen, gelte daher nicht mehr. Seine Mandantin, die vor mehr als 25 Jahren aus Moskau zum Studium nach Deutschland gekommen sei, lebe gern in Soltau, sie sei auch an der Berufsschule im Einsatz und gebe Russischunterricht. Eine Versetzung „wäre für sie eine Strafe.“

Volk habe nichts dagegen, dass ihr Name in Zeitungen steht, sagt Hebestreit. Bloß ihr Alter wolle sie nicht verraten.     

„Sie ist nicht tragbar“

Der Schulelternrat: des Gymnasiums Soltau hatte die Überprüfung der Australienreise mit einem Brief an die Landesschulbehörde ins Rollen gebracht. Elternratsvorsitzender Oliver Gossel sagte am Donnerstag der HAZ: „Keiner weiß, wie es weitergehen soll.“ Es gebe viele Stimmen, die sagen, dass die Lehrerin an der Schule nicht mehr tragbar sei – nicht zuletzt weil Lehrer eine Vorbildfunktion hätten.

„Die Schülerschaft geht erfreulicherweise mit der Unruhe sehr souverän um und lässt sich im täglichen Lerngeschäft nicht davon beeindrucken“, sagte Gossel. Die Elternvertretung habe nun einen Brief direkt ans Kultusministerium geschrieben: „Wir bitten darum, dass man sich dort für eine schnelle Lösung stark macht.“

gs     

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