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00:17 28.01.2016
Diebstahl, Einbruch, Internetkriminalität: Das Vertrauen in die Polizei müsse noch weiter steigen, mahnt Innenminister Pistorius. Quelle: Fotolia
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Hannover

In der zweiten Dunkelfeldstudie, die im Februar und März 2015 durchgeführt wurde, haben mehr als doppelt so viele Frauen (14,3 Prozent) wie Männer (5,9 Prozent) angegeben, sich alleine unterwegs unsicher zu fühlen. Das wirkt sich auf ihr Verhalten aus. „Viele Menschen nehmen durch ihre Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden, oder weil sie sogar schon Opfer wurden immense Einschränkungen in Kauf“, so Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius. Die Betroffenen würden abends und nachts öffentliche Verkehrsmittel meiden oder gar nicht mehr ausgehen. „Hier müssen wir ansetzen, unter anderem dadurch, dass das Vertrauen in die Arbeit der Polizei weiter steigt“, so Pistorius.

Zum zweiten Mal nach 2013 wurden in Niedersachsen Bürger befragt, ob sie im vorangegangenen Jahr Opfer einer Straftat geworden sind und wie sicher sie sich fühlen. Die Werte haben sich dabei nicht groß verschoben, sagt Uwe Kolmey, Präsident des Landeskriminalamts (LKA). Und die sind unterm Strich positiv: „In allen Bereichen haben wir eine gering ausgeprägte Angst vor Kriminalität.“

Ein Ergebnis, mit dem Niedersachsen sich auch international sehen lassen kann, sagt Hartmut Pfeiffer, im Ministerium der Verantwortliche für die Studie. Sowohl die Opferquoten als auch die Angst vor Kriminalität seien in kaum einem anderen Land niedriger.

Die Opfer

Insgesamt 29 Prozent der Befragten gaben an, 2014 Opfer einer Straftat geworden zu sein, zwei Drittel verneinen es dagegen. 41,8 Prozent der Befragten wurden Opfer mehrerer Delikte.

Diebstähle sind die häufigste Straftat (11,7 Prozent), gefolgt von computerbezogener Kriminalität wie etwa Internetbetrug (11,6 Prozent). Von schweren Delikten wie Raub, Körperverletzung und Sexualdelikten wird relativ wenig berichtet.

Männer aller Altersgruppen haben deutlich weniger Angst als Frauen, Opfer einer Straftat zu werden, sind aber in allen Opfergruppen häufiger vertreten – mit Ausnahme der sexuellen Übergriffe und Drohungen durch (Ex-)Partner.

Jüngere Menschen haben ein deutlich höheres Risiko, Opfer einer Straftat zu werden. So hat fast jeder zweite 16- bis 34-Jährige angegeben, davon im Laufe des Jahres 2014 betroffen gewesen zu sein. Dagegen hat das nur jeder zehnte Befragte über 80 Jahre angegeben. Ausnahme: Wohnungseinbruchdiebstähle. Hier sind ältere Menschen öfter betroffen als jüngere.

Die Anzeigen

Die Differenz zwischen Straftaten und Anzeigen zu ermitteln ist der Kern der Dunkelfeldstudie. Für die Studie wurden die Befragten gebeten, detailliert anzugeben, wie oft sie Opfer einer Straftat wurden und welche davon sie angezeigt haben.

Am häufigsten angezeigt werden Autodiebstähle: In 94 Prozent aller Fälle hat die Polizei davon erfahren. Auch Wohnungseinbrüche werden zu 79 Prozent gemeldet. Das dürfte auch mit Versicherungsfragen zu tun haben, denn je weniger wahrscheinlich ist, dass eine Versicherung den Schaden ersetzt, desto seltener machen sich Opfer die Mühe, die Straftat anzuzeigen. Am seltensten gemeldet werden sexuelle Übergriffe.

Straftaten werden unterschiedlich belastend empfunden. Diebstahl und Betrug erzeugen vor allem finanziellen Schaden, spielen aber bei den gesundheitlichen und emotionalen Folgen keine große Rolle. In diesen Kategorien wirken sexueller Missbrauch und Wohnungseinbrüche besonders belastend. Von den Befragten wurden zudem die emotionalen Schäden einer Körperverletzung höher eingestuft als die gesundheitlichen.

Die Polizei

Das Vertrauen in die Polizei und die Justiz hat seit der Befragung in der ersten Dunkelfeldstudie leicht abgenommen.

Jeder Vierte (24 Prozent) gab jetzt an, sich auf den Rechtsstaat nicht verlassen zu können. Außerdem erklärte jeder Fünfte (19,7 Prozent), dass es nichts bringe, sich an die Polizei zu wenden.

In Befragungen zur Arbeit der Polizei erklärten vier von zehn Opfern einer Straftat, dass sie nicht von den Ermittlern über den Fortgang der Dinge auf dem Laufenden gehalten worden sind. „Da müssen wir noch besser werden“, sagte Innenminister Boris Pistorius gestern kritisch.

Die Arbeit der Polizei werde zwar nach wie vor unter dem Strich positiv bewertet, sagte Pistorius, „aber das Vertrauen hat nachgelassen.“ Viele, die sich bei der ersten Dunkelfeldstudie noch unentschieden gezeigt hätten, seien jetzt in die Gruppe der Kritiker gewechselt. „Es macht mir Sorge, dass so viele Menschen sagen, dass der Rechtsstaat seinen Aufgaben nicht gewachsen ist“, so der Minister weiter.

Dazu könne die Politik das Ihre beitragen, indem sie darauf verzichte, Lösungsvorschläge anzubringen, die sich 24 Stunden später als untauglich erweisen würden, sagte Pistorius.ran

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