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21:57 03.07.2013
„Fischen war immer mein Ding“: Eckhard Panz hängt die Netze zum Trocknen auf George.
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Hohnstorf/Elbe

Eckhard Panz ist Arbeit gewohnt. Schlank und groß mit kräftigen Händen, blonden Haaren von der Sonne und rauer Haut vom Wind. So steht der Mann am Ufer der Elbe und wirft seine Netze zum Trocknen über die Leine. Nicht, weil sie vom Fischen nass sind, sondern von der Flut.

Der Berufsfischer an der Elbe ist einer der letzten seiner Art. 1940 gab es noch 40 in seinem Heimatort Hohnstorf ganz oben im Nordosten von Niedersachsen. Heute gibt es nur noch Eckhard Panz. Der nächste Berufskollege flussaufwärts arbeitet in Gorleben, flussabwärts in Hoopte kurz vor Hamburg. Panz zahlt Pacht von Elbkilometer 563 bis 588, und er hat einen Teich mit Karpfen, Hecht und Zander. Aale braucht er dort nicht mehr zu züchten, sagt er. „Die fressen die Kormorane weg.“

Mit sechs saß er zum ersten Mal im Fischerboot seines Großvaters, mit zehn fing er die ersten Elbe-Aale in eigenen Reusen. „Fischen war schon immer mein Ding.“ Auch das Ding seiner ganzen Familie: Bis ins Jahr 1700 lassen sich seine Vorfahren zurückverfolgen, alle lebten und arbeiteten sie an diesem Ort, an dem auch der 47-Jährige lebt und arbeitet. Es ist der Fischerzug in Hohnstorf, die Keimzelle des ganzen Dorfes.

Die Stelle, wo die Elbe vor Jahrhunderten Sand abgelagert hatte. Wo die Fischer sich niederließen, um mit ihren Gerätschaften nah am Arbeitsort zu sein. Wo es keinen Deich vor den Häusern gibt, sondern nur dahinter.

Seit 400 Jahren steht das Elternhaus von Eckhard Panz am Elbdeich 28, in diesem Jahr stand es zum ersten Mal unter Wasser. Weil der Pegelstand noch nie so hoch kam wie in diesem Juni.

Als der Garten ein Teich war und die Elbe im Fischereibetrieb bis zur Türzarge schwappte, da schaute der Sohn per Boot nach dem Rechten. Die Eltern hatte er in einer Ferienwohnung untergebracht - eine Nebeneinnahmequelle, weil die Fischerei allein es für eine vierköpfige Familie doch zu schwer macht.

„Da konnten die Fischer Kirschen probieren“, sagt der Fischer und lacht ein bisschen, um nicht den Mut zu verlieren. Wer von den kleinen Elbbewohnern nicht rechtzeitig zurück zum Strom geschwommen ist, hat im Garten allerdings nicht überlebt. Denn der ist wieder trocken.

Das Haus noch nicht, dort sorgen Trockner für Hitze, später sollen die Maler kommen, ein neuer Fußboden muss auch her. Im Moment kann der Fischer an dieser Baustelle nichts machen. Fischen kann er auch nicht, dafür steht das Wasser der Elbe noch immer zu hoch.

Seit 65 Jahren fährt Familie Panz mit ihrem Fisch zum Wochenmarkt in Uelzen. Seine Brotfische sind Aal und Zander, seit einiger Zeit verkauft er auch Wollhandkrabben, eingeschleppt aus Asien. Erst galt, sie als Schädlinge und Abfall, jetzt verdient er an ihnen. „Wir haben Kunden in dritter Generation“, erzählt der 47-Jährige. Er hofft, dass niemand denkt, er würde aufgeben nach der Flut. „Das kann ich nicht. Dazu habe ich viel zu viel teures Gerät.“ Und dafür ist die Familientradition zu alt.

Von Carolin George

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