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Ehemalige Heimkinder fordern Entschädigung

„Einst gedemütigt, heute abgespeist“ Ehemalige Heimkinder fordern Entschädigung

Sie waren Kinder, als sie in Heimen der Kirche geschlagen, ausgebeutet, missbraucht wurden. Inzwischen sind die Frauen und Männer, die am Dienstag in Hannover demonstrierten, im Rentenalter. Sie fordern Entschädigung für das, was ihnen angetan wurde – und zwar das Zehnfache davon, was ihnen bislang ausbezahlt wurde.

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„Erschütternde Geschichten“: Frühere Heimkinder vor dem Landeskirchenamt.

Quelle: Nancy Heusel

Hannover. „Ehemalige Heimkinder fordern gerechte Entschädigung - keine Almosen“ steht auf einem Transparent, das sie bei sich tragen.

Der Protest richtet sich gegen das Kirchenamt der hannoverschen Landeskirche, vier Stunden lang harrt das gute Dutzend Senioren dort aus. „Unsere 500 Mitglieder stehen hinter uns“, sagt Heidi Dettinger. Die 68-Jährige aus Neustadt am Rübenberge ist die Bundesvorsitzende des Vereins Ehemaliger Heimkinder. Ungefähr das Zehnfache der für das erwiesene Unrecht gezahlten Summen müssten aus Sicht des Vereins fließen.

Die Landeskirche hat, wie auch die katholische Kirche, ihre Schuld vor sechs Jahren anerkannt und zusätzlich die Zustände in ihren diakonischen Heimen in der Zeit zwischen 1949 und 1975 umfassend dokumentiert - dahinter stehen Tausende Einzelschicksale. „Wir wurden gedemütigt und ausgebeutet, jetzt werden wir abgespeist“, sagt ein 73-Jähriger aus Hannover bei der Demonstration. Im Alter von 16 bis 18 Jahren habe er im berüchtigten evangelischen Heim für angeblich schwer erziehbare Jugendliche in Freistatt (Kreis Diepholz) ohne Entgelt Torf stechen müssen, durfte nicht zur Schule gehen, sei sexuell missbraucht und geschlagen worden. „Ich habe zugesehen, wie sie einen Freund von mir totgeschlagen haben“, erzählt der Hannoveraner. „Das läuft dir dein Leben lang nach.“

Walter Hans, der vom Jugendamt Holzminden nach Freistatt geschickt worden war und dort als junger Torfstecher bei einem Unfall alle Zähne verlor, hat eine Rechnung mitgebracht: 27 500 Euro habe er aus den Töpfen des Bundesfonds Heimerziehung und von der Landeskirche, hier speziell als Schmerzensgeld für Opfer sexueller Gewalt, bekommen, 280 000 hätten es seiner Ansicht nach sein müssen. Sein Rücken sei kaputt, die Seele auch. Er habe nicht lange am Stück arbeiten können, lebe in Armut, berichtet der 68-Jährige.

„Die Geschichten sind erschütternd“, sagt Johannes Neukirch, Sprecher der Landeskirche, der lange zugehört hat. „Das kann man nicht mit Geld aufwiegen.“ Diakoniesprecher Sven Quittkat ergänzt, dass der Fonds Heimerziehung deutlich aufgestockt worden sei. „Dort versteht man die Zahlung aber nicht als Entschädigung, sondern als Unterstützung für das jetzige Leben, in Anerkennung des Leids.“ Die Antragsfrist für den Fonds ist 2014 abgelaufen. Opfer sexuellen Missbrauchs aber können sich weiterhin an die Kommission bei der Landeskirche wenden.

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