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Was ist Heimat?

Interview mit Heimatbund Was ist Heimat?

Kommt man aus der Region, aus Hannover oder aus Niedersachsen? Oder bezeichnet man womöglich Deutschland, wenn nicht sogar Europa als Zuhause? Heimat kann viele Formen annehmen und für jeden etwas anderes bedeuten. Ein Gespräch über Verbundenheit, Geschichten und Flucht.

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Foto: Stadt oder Land? Heimatgefühl wird durch vielfältige Kriterien bestimmt.

Quelle: Stratenschulte/Montage

Zur Person:

Hansjörg Küster, 1956 geboren, ist seit zwölf Jahren Vorsitzender des Heimatbundes. Er studierte Biologie an der Universität Stuttgart und ist seit 1998 Universitätsprofessor in Hannover, wo er das Institut für Geobotanik leitet. Die Grundlagen der Ökologie sowie die Vegetations- und Landschaftsgeschichte sind seine Forschungs- und Arbeitsgebiete.

Herr Professor Küster, der Heimatbund hält an diesem Sonnabend in Celle seinen Niedersachsentag ab. Was ist Heimat für Sie persönlich?
Heimat ist eine sehr wichtige Emotion, ein Verbundenheitsgefühl. Denn wir können unsere Heimat nicht nur mit dürren Zahlen beschreiben, sondern brauchen eine Emotion dazu. Ich persönliche habe verschiedene „Heimaten“, was eine große Lebensqualität ist. Denn ich bin Frankfurt geboren, in Stuttgart aufgewachsen, war lange in München, lebe seit fast 20 Jahren in Hannover und habe ein Haus im Schwarzwald. Aber auch Helgoland, wo ich sehr gerne hinfahre, ist eine meiner Heimaten.

Das heißt, Heimat ist nicht lokal beschränkt?
Sie ist nicht beschränkt auf einen lokalen Raum und sie hat keine Grenze. Heimat sind auch Gerüche, Geräusche, es ist die Farbe des Himmels, es sind Dinge, über die wir uns vielleicht gar nicht so bewusst werden, die aber dennoch eine Emotion erzeugen.

Wie würden Sie einem Zuwanderer oder Flüchtling aus Syrien Niedersachsen erklären, in wenigen Sätzen?
Niedersachsen als Ganzes?

Ja.
Ich würde mit dem Süden anfangen. Das ist eine Region mit sehr verschiedenen Gebirgen, davor ist eine große Sandfläche, die stammt aus der Eiszeit. Und am Rand davon sind angeschwemmte Flächen, die vom Meer stammen. Auch in Niedersachsen gibt es sehr verschiedene Heimaten - von Ostfriesland bis zum Harz. Ich würde einem Menschen aus Syrien einen Baum zeigen, ihm zeigen, welche Formen er über die Generationen entwickelt hat. Ich würde eine Esche zeigen und darlegen, warum sie etwa so verwachsen ist. Da sind immer wieder mal Äste abschnitten worden, die man an das Vieh verfüttert hat. Es kann aber auch ein Grenzstein sein, eine Kirche, ein bestimmtes Haus, dessen Geschichte ich erzähle.

Sie überreichen auf Ihrem Niedersachsentag eine Mappe mit Beschwernissen, die Sie der Landesregierung vortragen. Was sorgt Sie am meisten?
Eine Hauptsorge ist, dass bestimmte Bildungseinrichtungen auf dem platten Land einfach dichtgemacht werden. Es dreht sich beispielsweise um einzelne Dienststellen des Staatsarchivs in Bückeburg oder auch in Aurich, für die Stellen nicht mehr besetzt werden. Es ist aber wichtig, dass das alte Land Schaumburg-Lippe sein Archiv behält, weil das eine wichtige Bildungseinrichtung ist. Im Übrigen ist in den Verträgen zur Gründung des Landes Niedersachsen festgehalten worden, dass jedes der alten Länder sein Archiv behält. Die Bürger wollen auch nicht nach Hannover fahren, um etwas Besonderes über Aurich oder Bückeburg zu erfahren, sondern in die jeweiligen Städte.

Was bedeutet für den Heimatbund die Tatsache, dass im vergangenen Jahr 100 000 Menschen nach Niedersachsen immigriert sind?
Wir müssen unbedingt sehen, dass Migranten nicht mehr weiter emigrieren müssen, sondern ihnen ein Angebot machen, dass sie hier bleiben können.

Wie kann der Heimatbund da helfen?
Wir denken an ein konkretes Projekt mit dem Land, dass unsere Heimatvereine Spaziergänge anbieten, in denen den Migranten ihre neue Heimat gezeigt und erklärt wird, ganz konkret an bestimmten Orten, Pflanzen oder Landschaften.

Wie wird die Flüchtlingsfrage bei Ihren Mitgliedsorganisationen gesehen, kritisch und reserviert?
Nein. Ich hatte da anfangs auch Bedenken, aber der große Zuzug wird erstaunlich positiv gesehen. Wir betrachten das als Chance und helfen da gerne mit, etwa durch unsere geplanten Spaziergänge, die gewissermaßen ein Pilotprojekt sind.

Interview: Michael B. Berger

Das ist der Niedersachsentag

Nicht nur Landespflege: Der Niedersächsische Heimatbund ist kein Brauchtumsverein, sondern der Dachverband für Vereine und Institutionen, die sich mit Niedersachsen befassen – vom Denkmalpfleger bis zum Naturschutzverband. Auch die vielen Stiftungen in Niedersachsen gehören dazu, die sich um das kulturelle Erbe kümmern. Einmal im Jahr hält der Heimatbund den Niedersachsentag ab, in dessen Verlauf eine rote Mappe an den Ministerpräsidenten überreicht wird. Hier finden sich allerlei Besorgnisse zur Entwicklung des Landes, die ein früherer Heimatbundvorsitzender einst in eine in rotem Saffianleder gebundene Mappe gefasst hatte. Die Antworten der Landesregierung auf die Kritikpunkte finden sich in einer weißen Mappe. Die feierliche Überreichung beider Mappen findet an diesem Sonnabend im Celler Schloss statt.

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Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
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