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Zeugensuche per Internet statt „Roter Rosen“

Ein Jahr nach Brand am Stintmarkt Zeugensuche per Internet statt „Roter Rosen“

Die Bewohner kamen gerade noch davon, doch das historische Gebäude mit dem gemütlichen Restaurant wurde im Dezember 2013 zerstört. Es war Brandstiftung, das ist sicher. Doch sonst ist fast ein Jahr danach noch vieles unklar, eine Spur führt aber in die Gastronomieszene.

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Fast ein Jahr ist der Brand am Lüneburger Stintmarkt jetzt her, die Polizei ermittelt wegen vierzehnfachen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung.

Quelle: dpa/Archiv

Lüneburg. Ein gewaltiger Knall mitten in der Nacht, Flammen, die Studenten über dem italienischen Restaurant können sich in letzter Sekunde retten. Es bleibt ihnen nichts, nach einigen Stunden steht nur noch das Untergeschoss des historischen Gebäudes im Wasserviertel von Lüneburg. Zerstört wird damit eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Hansestadt, der Oberbürgermeister spricht von einem „Super-Gau“. Mit dem Hotel nebenan ist der Stintmarkt eine beliebte Kulisse für die Telenovela „Rote Rosen“, die täglich bundesweit über die Bildschirme flimmert. Fast ein Jahr ist der Brand jetzt her, die Polizei ermittelt wegen vierzehnfachen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung.

„Unsere Ermittler gehen davon aus, dass die Täter in der Absicht handelten, das Restaurant zu zerstören“, sagt Polizeisprecher Kai Richter. „Dabei nahmen sie auch den Tod sämtlicher Bewohner in Kauf.“ Bei dem Feuer entsteht ein Schaden von mehreren Millionen Euro - mehr als 300 Feuerwehrleute sind im Einsatz, die Nachbargebäude können sie retten, weitgehend zumindest. Die Häuser der ganzen Umgebung werden geräumt, die Flammen könnten übergreifen. Die Feuerwehr hat es schwer in den engen Gassen, auch der Fluss wird an diesem 2. Dezember 2013 zum Hindernis. Noch immer klafft eine große Lücke, wo einst das Lösecke-Haus stand. Der Wiederaufbau ist beschlossen, das Land soll helfen. „Der Bauantrag ist genehmigt“, heißt es im Rathaus.

Die Polizei richtet nach dem Brand eine Sonderkommission ein, die „Soko Stint“. Eine Belohnung von 20.000 Euro wird ausgesetzt, ohne Erfolg. Erst im Sommer kommt wieder Bewegung in den Fall. Die Polizei durchsucht eine andere italienische Gaststätte und die Wohnung eines Mitarbeiters. „Der Angestellte ist weiter dringend der Beihilfe verdächtig“, heißt es am Donnerstag bei einem Pressetermin. Doch gebe es keine Hinweise auf eine Tatbeteiligung der Betreiberfamilie. „Der Beschuldigte macht keine Angaben zur Sache“, sagt Tobias Gruhne, stellvertretender Leiter der „Soko Stint“. Ein dringend tatverdächtiger Mann soll damals durch eine Seitentür gekommen sein, er bleibt verschwunden.

„Wir gehen fest davon aus, dass es immer noch Personen gibt, die sich bislang der Polizei nicht offenbart haben, möglicherweise auch aus Angst“, sagt Richter. Nun sucht die Polizei auch über das Internet nach Zeugen, nicht mehr nur in der Altstadt. Plakate und Flyer sollen ab sofort auf die Internetadresse eines Systems hinweisen, das sich in den vergangenen Jahren bei Korruption und Wirtschaftskriminalität bewährt hat - anonym, erreichbar weltweit und rund um die Uhr, ein virtueller Postkasten ermöglicht sogar den Dialog.

„Man kann sich anonym melden und mit uns auch anonym kommunizieren“, verspricht Wolfgang Lindner vom Landeskriminalamt (LKA). Das System heißt Business-Keeper-Monitoring-System, kurz BKMS. Im Bereich Wirtschaft und Korruption habe es seit der Einführung im Oktober 2003 mehr als 3200 Meldungen gegeben, in knapp 1000 Fällen hätten diese zu staatsanwaltschaftliche Ermittlungen geführt. „Das System ist seit dem 1. Juli 2014 auch für andere Delikte freigeschaltet“, sagt Lindner.

Der Brandanschlag ist erst das zweite Kapitalverbrechen, bei dem das Verfahren in Niedersachsen eingesetzt wird - so wichtig ist der Fall den Ermittlern. Das Ziel der Aktion sei weiter die Gastronomieszene der Hansestadt, sagt Gruhne. So sind die Flyer für die Aktion dreisprachig - deutsch, italienisch und türkisch.

Auf die Frage, ob die Mafia in Lüneburg aktiv sei, zögert Tobias Gruhne von der „Soko Stint“ ganz kurz. „Dazu kann ich keine Stellung nehmen“, sagte er nur. „Grundsätzlich ist auch ein Zeugenschutzprogramm möglich“, sagt Steffen Grimme, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizei in Lüneburg.

dpa

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