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Der Norden 13-Jährige erzieht Kuh zum Reittier
Nachrichten Der Norden 13-Jährige erzieht Kuh zum Reittier
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15:45 26.04.2017
Hanna Steinker (13) reitet auf ihrer Kuh Luna. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
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Ellenserdammersiel

Steigbügel, Sattel, Halfter und Helm - Hanna Steinker hat alles im Griff, was eine Reiterin so braucht für den morgendlichen Ausritt auf einer Weide in Friesland. Doch etwas ist anders bei dem Mädchen auf ihrem schwarz-bunten Vierbeiner. Ein paar Radfahrer halten erstaunt an und müssen breit grinsen: "Die reitet ja auf einer Kuh!" Die 13-Jährige erlebt öfter solche Reaktionen, für Hanna selbst sind Ausflüge auf Kuh Luna aber längst Routine. 

Anderthalb Jahre schon sind Hanna und Luna beste Freundinnen. Die Schülerin aus Ellenserdammersiel kümmert sich seit der Geburt von Luna um das Tier. Hanna darf es behalten und einreiten, verspricht der Bruder, der nebenan auf dem Milchviehhof arbeitet. "Sonst würde Luna jetzt bald zum Bullen gehen und dann selbst Kälber kriegen. Dann müsste sie gemolken werden und hätte keine Zeit mehr zum Ausreiten", sagt Hanna, während sie das Tier striegelt und aufsattelt, wie sie das von Pferden gewohnt ist.

Menschen, die auf Kühen reiten, sind im Pferdeland Niedersachsen selten und den Städtern eher aus Western-Filmen bekannt. Draußen auf dem Land aber gibt es gelegentlich Ausnahmen - wie in Friesland.

Hannas Papa mag keine Pferde, und so kommt Hanna eines Tages auf die kuhle Idee. Erste Reitversuche auf einer älteren braungescheckten Kuh scheitern jedoch, Hanna landet unsanft auf dem Boden: "Das Tier war wie ein Hase und hat gebockt", erinnert sich Hanna. Mit Luna läuft das ganz anders. Sie ist entspannt und macht alles mit, was ihre Reiterin anstellt. Einer der ersten Ausflüge führt zu einem See, wo Luna sogar Schwimmversuche unternimmt. "Sie geht dabei nicht unter, denn auch Kühe haben einen Schließmuskel", widerlegt Hanna ein häufig verbreitetes Gerücht, wonach Kühe beim Schwimmen mit Wasser volllaufen.

In leichtem Trab geht es über die Wiese, auch kurze Galoppstrecken sind dabei. "Das geht noch entspannter als auf einem Pferd", freut sich Hanna. Sie sitzt besser, und auch das Traben geht schöner. Der Galopp ist dafür wackeliger wegen des hohen Hinterbaus der Kuh. Und manchmal überkommt Luna großer Appetit - dann bleibt sie einfach stehen und knabbert an den frischen Grashalmen. 

Sogar kleine Sprünge über flache Hindernisse schaffen die Cowgirls. Dabei passt Hannas Mutter auf, dass alles sicher abläuft: "Hanna wiegt nur 55 Kilo, und sie ist eine geübte und sichere Reiterin. Die kann auch ohne Sattel reiten", sagt Petra Steinker. Zur Belohnung reicht sie Luna einen Apfel als Leckerli, aber nur in kleinen Stücken, denn Kühe können mit einer Kauplatte im Oberkiefer und Zähnen unten nur schlecht beißen.

Anders als scheue Pferde stört es Luna nicht, wenn ein Auto vorbeifährt: "So eine Reitkuh muss Vertrauen haben, sich führen und bremsen lassen", sagt Hanna. "Wenn man ihr das früh beibringt und sie trainiert, klappt das auch."

"Menschen, die auf Kühen reiten - das ist hier eher selten oder wird zumindest wenig bekannt", sagt Professorin Martina Hoedemaker von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Sie sieht für dieses Hobby nur wenig Einschränkungen: "Die Kuh sollte groß genug sein und alles freiwillig mitmachen. Mir persönlich wäre es zu unbequem."

Damit hat Hanna jedoch keine Probleme, und auch ein paar Freundinnen aus ihrer Klasse haben es schon ausprobiert. Irgendwann, wenn sie größer ist und Geld verdient, möchte Hanna aber umsatteln: "Dann kaufe ich mir ein richtiges Pferd."

Von Hans-Christian Wöste, dpa

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