Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
„Unsere Senioren werden ausgeplündert"

Enkeltrick-Betrug „Unsere Senioren werden ausgeplündert"

Schon mehr als 1000 Fälle von Betrug mit Enkeltricks beschäftigten in diesem Jahr die Ermittler in Niedersachsen. Hinter den Anrufen stehen in der Regel organisierte Banden. Das macht es häufig schwierig, die Täter zu ermitteln. Die Polizei bietet Präventionskurse für Senioren an.

Voriger Artikel
Bauern blockieren Molkerei
Nächster Artikel
Fußgänger wird schwer verletzt

Immer häufiger werden Menschen in Niedersachsen Opfer von Enkeltrick-Betrügern.

Quelle: dpa

Hannover. Trickbetrüger am Telefon stellen die Polizei vor ernste Probleme. Wurden 2014 in Niedersachsen noch 439 sogenannte Enkeltrick-Anrufe angezeigt, waren es 2015 bereits 1023. Für die Polizei ist es häufig schwierig, die Täter zu ermitteln.

„Unsere Senioren werden ausgeplündert, und wir haben so gut wie keinen Erfolg“, beklagte der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Ulf Küch, unlängst während einer Landtagsanhörung. Die Trickanrufe verlaufen immer nach dem gleichen Grundmuster: Die Täter rufen bei ihrem Opfer an und melden sich mit „Rate mal, wer hier ist“ oder schlicht „Ich bin’s“. Nennt das Opfer dann den Namen eines Verwandten, geben die Täter vor, diese Person zu sein. In der Folge erzählen die Betrüger ihrem Opfer, dass sie rasch Geld brauchen. Da sie selber durch ihre Notlage nicht vorbeikommen könnten, würden sie einen Freund schicken, der das Geld abholen würde.

Die meisten Menschen fallen am Telefon nicht auf das Theater herein: Von den 1023 Enkeltrick-Anrufen, die im vergangenen Jahr angezeigt wurden, waren nach Angaben des Landeskriminalamts nur 50 erfolgreich. Ein Jahr zuvor waren es nur 15. Doch haben sie Erfolg, erbeuten die Betrüger häufig hohe Summen: So verlor eine 83-Jährige aus Hannover-Misburg im Februar dieses Jahres 83.500 Euro in dem Glauben, damit ihrer Nichte bei einem Immobiliengeschäft helfen zu können.

Hinter den Betrügereien stehen oftmals gut organisierte Banden, die vom Ausland aus anrufen. Sie gehen systematisch Telefonbücher auf der Suche nach älter klingenden Vornamen durch. Wie in einem Callcenter rufen sie im Minutentakt potenzielle Opfer an. Haben sie jemanden erst einmal in ein Gespräch verwickelt, versuchen sie alles von Betteln bis zur Drohung, um diese Person dazu zu bewegen, ihre Ersparnisse zur Verfügung zu stellen.

Besonders perfide: Schockanrufe

Längst gibt es viele Varianten des Enkeltricks. So melden sich etwa angebliche Rechtsanwälte oder Polizisten und erzählen dem Opfer, dass es durch eine Mafia-Bande ausgeraubt werden solle. Auch die Kontodaten seien bereits gehackt. Es gebe nur eine Chance, die Ersparnisse zu retten: Man müsse sie jetzt von der Bank abheben und einem Zivilpolizisten geben, der sie gleich von der Haustür abholen werde.

Besonders perfide sind die sogenannten Schockanrufe: Dabei ruft ein angeblicher Verwandter an und erzählt, er habe gerade einen Unfall verursacht und dabei ein Kind schwer verletzt. Er brauche rasch Geld, um die Krankenhausrechnung oder eine Kaution zu bezahlen. Der Trick wird nach Erfahrungen der Polizei vor allem bei russischen Senioren angewandt.

Bester Schutz: Aufmerksamkeit und Nachfrage

Die Polizei bietet regelmäßig Präventionskurse für Senioren an und hat auch Tipps, wie man sich gegen die Betrugsmasche schützen kann: So sollte man seinen angeblichen Enkel nach Details fragen, die nur er kennen kann. Außerdem sollte man nach dem Telefonat den Enkel zur Kontrolle noch mal anrufen - allerdings nicht per Rückruftaste. Zusätzlich sollte man Geld niemals an Unbekannte herausgeben und Spontan-Kredite an Verwandte immer erst mit anderen Familienmitgliedern besprechen.

Das alles funktioniert aber nur, wenn man aufmerksam bleibt. Doch Ermittler erleben immer wieder, dass Senioren genau wissen, was der Enkeltrick ist - und dann doch drauf reinfallen, weil sie nicht eine Sekunde gezweifelt haben, dass sie tatsächlich mit ihrem Enkel telefonieren.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Debatte wurde beendet
Die Debatte zu diesem Artikel ist beendet. Auf HAZ.de können Sie die Themen des Tages diskutieren – hier finden Sie die aktuellen und vergangenen Themen im Überblick.
Mehr aus Der Norden

Finden Sie, dass es momentan zu viele schlechte Nachrichten gibt? Das möchten wir gerne ändern, und zwar mit Ihrer Hilfe. Gemeinsam mit dem NDR, den Kieler Nachrichten, der Ostsee-Zeitung in Rostock und dem Hamburger Abendblatt sammeln wir die guten Nachrichten der Leser und Hörer. Teilnehmer können einen exklusiven Besuch der Elbphilharmonie in Hamburg gewinnen.  mehr

So schön ist Niedersachsen aus der Luft

Von Harz über Heide bis zur Nordsee: Die schönsten Luftaufnahmen von Niedersachsen.

Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Weihnachtsfeier in Flüchtlingslager Friedland

Weihnachtliche Stimmung im Grenzdurchgangslager Friedland: Zur Weihnachtsfeier mit den Flüchtlingen am Freitag kam auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius.