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Der Norden „Unsere Senioren werden ausgeplündert"
Nachrichten Der Norden „Unsere Senioren werden ausgeplündert"
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00:15 02.09.2016
Immer häufiger werden Menschen in Niedersachsen Opfer von Enkeltrick-Betrügern. Quelle: dpa
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Hannover

Trickbetrüger am Telefon stellen die Polizei vor ernste Probleme. Wurden 2014 in Niedersachsen noch 439 sogenannte Enkeltrick-Anrufe angezeigt, waren es 2015 bereits 1023. Für die Polizei ist es häufig schwierig, die Täter zu ermitteln.

„Unsere Senioren werden ausgeplündert, und wir haben so gut wie keinen Erfolg“, beklagte der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Ulf Küch, unlängst während einer Landtagsanhörung. Die Trickanrufe verlaufen immer nach dem gleichen Grundmuster: Die Täter rufen bei ihrem Opfer an und melden sich mit „Rate mal, wer hier ist“ oder schlicht „Ich bin’s“. Nennt das Opfer dann den Namen eines Verwandten, geben die Täter vor, diese Person zu sein. In der Folge erzählen die Betrüger ihrem Opfer, dass sie rasch Geld brauchen. Da sie selber durch ihre Notlage nicht vorbeikommen könnten, würden sie einen Freund schicken, der das Geld abholen würde.

Die meisten Menschen fallen am Telefon nicht auf das Theater herein: Von den 1023 Enkeltrick-Anrufen, die im vergangenen Jahr angezeigt wurden, waren nach Angaben des Landeskriminalamts nur 50 erfolgreich. Ein Jahr zuvor waren es nur 15. Doch haben sie Erfolg, erbeuten die Betrüger häufig hohe Summen: So verlor eine 83-Jährige aus Hannover-Misburg im Februar dieses Jahres 83.500 Euro in dem Glauben, damit ihrer Nichte bei einem Immobiliengeschäft helfen zu können.

Hinter den Betrügereien stehen oftmals gut organisierte Banden, die vom Ausland aus anrufen. Sie gehen systematisch Telefonbücher auf der Suche nach älter klingenden Vornamen durch. Wie in einem Callcenter rufen sie im Minutentakt potenzielle Opfer an. Haben sie jemanden erst einmal in ein Gespräch verwickelt, versuchen sie alles von Betteln bis zur Drohung, um diese Person dazu zu bewegen, ihre Ersparnisse zur Verfügung zu stellen.

Besonders perfide: Schockanrufe

Längst gibt es viele Varianten des Enkeltricks. So melden sich etwa angebliche Rechtsanwälte oder Polizisten und erzählen dem Opfer, dass es durch eine Mafia-Bande ausgeraubt werden solle. Auch die Kontodaten seien bereits gehackt. Es gebe nur eine Chance, die Ersparnisse zu retten: Man müsse sie jetzt von der Bank abheben und einem Zivilpolizisten geben, der sie gleich von der Haustür abholen werde.

Besonders perfide sind die sogenannten Schockanrufe: Dabei ruft ein angeblicher Verwandter an und erzählt, er habe gerade einen Unfall verursacht und dabei ein Kind schwer verletzt. Er brauche rasch Geld, um die Krankenhausrechnung oder eine Kaution zu bezahlen. Der Trick wird nach Erfahrungen der Polizei vor allem bei russischen Senioren angewandt.

Bester Schutz: Aufmerksamkeit und Nachfrage

Die Polizei bietet regelmäßig Präventionskurse für Senioren an und hat auch Tipps, wie man sich gegen die Betrugsmasche schützen kann: So sollte man seinen angeblichen Enkel nach Details fragen, die nur er kennen kann. Außerdem sollte man nach dem Telefonat den Enkel zur Kontrolle noch mal anrufen - allerdings nicht per Rückruftaste. Zusätzlich sollte man Geld niemals an Unbekannte herausgeben und Spontan-Kredite an Verwandte immer erst mit anderen Familienmitgliedern besprechen.

Das alles funktioniert aber nur, wenn man aufmerksam bleibt. Doch Ermittler erleben immer wieder, dass Senioren genau wissen, was der Enkeltrick ist - und dann doch drauf reinfallen, weil sie nicht eine Sekunde gezweifelt haben, dass sie tatsächlich mit ihrem Enkel telefonieren.

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