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Der Norden Mit Kaffee und Butterkuchen ins politische Jahr
Nachrichten Der Norden Mit Kaffee und Butterkuchen ins politische Jahr
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00:15 10.01.2016
Von Michael B. Berger
„Das Fundament des gemeinsamen europäischen Hauses bröckelt bedenklich“: Im Kloster Loccum kamen Landesbischof Meister (jeweils li.), Abt Hirschler (Mi.) Ministerpräsident Weil (re.). Quelle: Nigel Treblin
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Loccum

Allerdings ist die Stimmung wesentlich besinnlicher als bei CSU-Klausuren im Wildbad Kreuth, nicht nur wegen der geistlich angehauchten Musik, die in Loccum zwischen Kaffee und Butterkuchen sowie christlich-staatstragenden Reden dargeboten wird. Unter den 140 Gästen in der Bibliothek des Klosters fand sich diesmal neben zahlreichen Landespolitikern und -beamten auch Altbundespräsident Christian Wulff.

Den Auftakt setzte, wie immer, der Ministerpräsident. Der Sozialdemokrat Stephan Weil bedankte sich bei den Kirchen, dass sie das Ansinnen der rot-grünen Landesregierung „konstruktiv begleiten“, einen Vertrag mit den Muslimen in Niedersachsen zu schließen, der die Zusammenarbeit in wichtigen Fragen regelt. „Ich bin sicher, es ist in unser aller Sinne, die aufgeklärten, sich positiv und offen unserer gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung zuwendenden Teile des Islam zu stärken“, sagte Weil.

Den Hauptteil seiner Rede widmete Weil der Füchtlingsproblematik, die gewiss nicht in Niedersachsen gelöst werden könne, sondern so etwas wie eine „Weltinnenpolitik“ erfordere. Hier zeigte sich Weil skeptisch angesichts der unterschiedlichen Antworten, die die europäischen Nationalstaaten im Hinblick auf das Flüchtlingsproblem lieferten. „Das Fundament des gemeinsamen europäischen Hauses bröckelt bedenklich“, sagte Weil unter Hinweis auf den ungarischen Ministerpräsidenten Orban. Der hatte seine Weigerung, Flüchtlinge aufzunehmen, mit deren islamischem Glauben begründet und der christlichen Ausrichtung Ungarns.

Viel Beifall erntete Landesbischof Ralf Meister für seine anspruchsvolle Rede, die sich dem Sicherheitsgefühl der Deutschen widmete. Und der Verunsicherung, die für manche die Flüchtlingsbewegungen auslöst. Meister sprach von einem „großen Missverständnis“, dass es „ein Recht auf Sicherheit in allen Bereichen des Lebens gebe“. Aus falschen und überhöhten Ansprüchen nach Sicherheit hätten sich fast absurde Szenarien herausgebildet. „Mit Sorge beobachten wir, dass das Gefühl des Verlustes von Sicherheit und einer allgemeinen Dauerkrise umkippen kann in Ausbrüche von Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz, Rassismus, ja sogar in Gewalt.“ Hoffnungsfroh stimme ihn allerdings das ungebrochene Engagement vieler Freiwilliger in der Flüchtlingshilfe. „Wir erleben vermutlich die größte Bürgerbewegung der Bundesrepublik, die es je gegeben hat.“

Die größten Lacher erntete wieder einmal Loccums Abt Horst Hirschler mit seiner launigen Einladung zur Abendandacht in der Klosterkiche. Ausreden, man müsse wegen der unsicheren Witterungsverhältnisse nach Hause, ließ Hirschler nicht gelten: „Keine Angst, die Straßen sind gesalzen.“

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