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Landkreis besorgt über Zahl der Leukämiefälle

Erdölförderung bei Rodewald Landkreis besorgt über Zahl der Leukämiefälle

Der Landkreis Nienburg nimmt Hinweise sehr ernst, wonach die Erdölförderung in der Region Leukämieerkrankungen ausgelöst haben könnte. Das Krebsregister soll nun eine mögliche Häufung durch Benzol aus der Ölförderung klären. 

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Krebs durch Benzol? Bei Rodewald wurde bis 1994 Erdöl gefördert.

Quelle: Wintershall

Rodewald. Der Landkreis Nienburg nimmt Hinweise sehr ernst, wonach die Erdölförderung in der Region Leukämieerkrankungen ausgelöst haben könnte. „Eine weitergehende Untersuchung ist unabdingbar“, sagte Landrat Detlev Kohlmeier am Montag. Der Kreis werde deshalb beim Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen eine Überprüfung für die Samtgemeinde Steimbke beantragen. Es solle geklärt werden, ob rund um den früheren Erdölbetriebsplatz in Rodewald Krebsfälle statistisch auffällig oft vorkommen.

Auslöser war ein NDR-Bericht, der sich auf eine Einschätzung des Landesgesundheitsamtes stützt. Demnach war die Zahl der Leukämiefälle in Rodewald in den vergangenen zehn Jahren ungewöhnlich hoch: Fünf Menschen unter 40 Jahren wurden wegen Blutkrebs behandelt, statistisch erwartbar wäre nur ein Fall gewesen. Als Auslöser wird Benzol aus Erdölgas vermutet, das einem TÜV-Gutachten von 1988 zufolge bis Ende der Achtzigerjahre über Abgasrohre in die Umgebungsluft gelangte.

Die damals von der BEB betriebene Förderung wurde 1994 eingestellt, weil sie sich nicht mehr lohnte. Derzeit plant Wintershall in Zusammenarbeit mit dem BEB-Nachfolger Exxon Mobil aber, das Feld Suderbruch bei Rodewald neu zu beleben. „Ende Oktober soll die erste Probebohrung starten“, sagte ein Wintershall-Sprecher am Montag – gefördert werde übrigens ohne die umstrittene Fracking-Methode. Dass Benzol frei wird, sei heutzutage nicht mehr zu befürchten. Erdölgas als Nebenprodukt der Ölförderung werde direkt an den Bohrstellen als Energielieferant eingesetzt.

Klaus Torp von Exxon Mobil wies darauf hin, dass die Ableitung von Erdölgas in die Luft in den Achtzigerjahren „Stand der Technik“ gewesen sei. Bei betriebsinternen ärztlichen Untersuchungen der Mitarbeiter habe es aber nie Auffälligkeiten gegeben. Die zuständige Berufsgenossenschaft bestätige, dass keine Erkrankungsfälle bei aktiven, ausgeschiedenen oder pensionierten Mitarbeitern von Exxon Mobil gemeldet seien, die in der untersuchten Region tätig sind oder waren, sagte der Sprecher. „Wir nehmen die Sorgen der Menschen vor Ort aber sehr ernst und begrüßen ausdrücklich, dass es weitere Untersuchungen geben soll.“ Bisher handele es sich um Spekulationen.

Auch Volker Bajus von den Grünen sprach sich für eine „schnellstmögliche Klärung“ aus. „Benzol ist bekanntermaßen stark krebserregend und kann Leukämie auslösen,“ sagte der Landtagsabgeordnete. Angesichts der Nähe zu bekannten Altlasten und hoher Benzol­emissionen aus der örtlichen Ölförderung dränge sich ein Zusammenhang auf.

Ende 2014 und erneut in diesem Sommer war durch das Krebsregister eine statistische Häufung von Leukämie- und Lymphdrüsenkrebsfällen im Umfeld von Erdgasförderstellen im Kreis Rotenburg bestätigt worden. Seitdem entnimmt das Landesamt für Bergbau an 200 Erdgasförderplätzen Bodenproben; sie werden auf Schwermetalle und andere Schadstoffe wie Kohlenwasserstoffe und Dioxine untersucht.

Umweltschädliche Kohlenwasserstoffe gelangten auch in Rodewald in die Erde. Der durch Ölrückstände belastete Boden um die Ölbetriebsstätte wird, unabhängig von der Diskussion um Benzol, derzeit bis Ende des Jahres von Exxon Mobil umfangreich ausgetauscht. Bei der ersten Sanierung 1996 waren noch Altlasten verblieben. Nun wird das Gelände vier Meter tief ausgekoffert und mit Sand aufgefüllt, 300 000 Kubikmeter Grundwasser werden zudem gereinigt.     

Von Gabriele Schulte

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