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Kurti steht nun im Landesmuseum

Erschossener Wolf Kurti steht nun im Landesmuseum

Der erlegte "Problemwolf Kurti" wird zum Museumsstück – und der Minister hofft, dass die Menschen ihre Lehren aus seinem Schicksal ziehen. Die Schau solle die Diskussion um das Tier "ent­emotionalisieren", sagt Museumsdirektorin Lembke.

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„Letal entnommen“: Der ausgestopfte Kurti im Landesmuseum. Man könnte auch sagen, er wurde erschossen.

Quelle: Holger Hollemann/dpa

Hannover. Ein gemeinsames Foto, nur Kurti und er, wollte der Minister lieber vermeiden. Dabei sind die beiden einander fast schicksalhaft verbunden, seit sie am 27. April 2016 gemeinsam in die Geschichte des Wildtierwesens eingingen. An jenem Tag wurde „Problemwolf Kurti“ südwestlich von Lüneburg erschossen. Als Deutschlands erster legal erlegter Wolf seit der Rückkehr der lange ausgerotteten Wildtiere.

Der Schuss fiel ausgerechnet auf Geheiß eines grünen Umweltministers – und zur Empörung von Tierschützern. Statt von einer Erschießung spricht Stefan Wenzel heute lieber von einer „letalen Entnahme“, und Kurti nennt er im technisch-kühlen Wolfsexpertenjargon „den MT6“. Als beide sich jetzt beim Pressetermin im Landesmuseum Hannover gegenüberstanden, wahrte Wenzel Distanz und bat Museumsdirektorin Katja Lembke mit aufs Bild.

Ausstellung wirbt für Akzeptanz

Der kunstvoll präparierte Kurti, der postmortal als Museumsstück Karriere macht, ist das Highlight der Ausstellung „Der Wolf – ein Wildtier kehrt zurück“, die am Sonntag im Landesmuseum eröffnet wird. Die Schau solle die „Diskussion ent­emotionalisieren“, sagt Museumsdirektorin Lembke.

Inzwischen sollen nach Auskunft des Umweltministers in Niedersachsen wieder rund 100 Wölfe heimisch sein, in ganz Deutschland sind es 400. Für den Naturschutz sei das ein gutes Zeichen, sagt Wenzel, schließlich gingen die Bestände an Singvögeln und Insekten teils dramatisch zurück. „Zugleich sind mit der Rückkehr des Wolfes große Herausforderungen verbunden“, räumt er ein - wohl wissend, dass Singvögel und Insekten nicht halb so viel Hallo auslösen wie ein Wolf in der Nachbarschaft.

Der im vergangenen Jahr im Heidekreis in Niedersachsen getötete Wolf, der Kurti genannt wurde, wird ab dem 21. Mai als Präparat in der Ausstellung "Der Wolf. Ein Wildtier kehrt zurück" im Landesmuseum Hannover gezeigt.

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Die Wanderausstellung, die auch in Lüneburg und im Emsland zu sehen sein wird, ist eine Charmeoffensive zugunsten der Wildtiere; sie möchte mit Vorurteilen gegenüber den Zuwanderern aus dem Osten aufräumen. „Das Land Niedersachsen will die Akzeptanz für den Wolf stärken, um ein Miteinander von Wolf und Mensch zu ermöglichen“, heißt es auf einer Texttafel am Eingang. Damit ist die Marschrichtung klar: Die Horrorgeschichte um Rotkäppchen wird als Märchen entlarvt.

Videostationen erklären die Lebensweise von Wölfen. Besucher erfahren, dass die Tiere bis zu 70 Kilometer am Tag zurücklegen können, dass sie einen ausgeprägten Familiensinn haben - ein Paar bringt bis zu sechs Welpen im Jahr zur Welt – und dass sie ein großes Revier brauchen: Eine Wolfsfamilie benötigt etwa so viel Platz wie 28.000 Fußballfelder.

An einer Spielstation können Besucher an Touchscreens überprüfen, ob sie Hunde von Wölfen unterscheiden können, was angesichts wolfsgrauer Huskys gar nicht so leicht ist. Und Kinder dürfen in der liebevoll gestalteten Ausstellung in die Höhle der Wölfin Fenja kriechen. Entertainment für die Generation Wolf.

Die Ausstellung verschweigt nicht, dass es auch zu „Übergriffen auf Nutztiere“ kommen kann, wie es auf einer Tafel heißt. Es liegen Flyer zum Herdenschutz aus, und eine Broschüre gibt Tipps für die Begegnung mit Wölfen („Treten Sie möglichst selbstsicher auf!“).

Im dicht besiedelten Niedersachsen, das ist die Quintessenz der Ausstellung, werden Canis lupus und Mensch sich nicht immer aus dem Weg gehen können. Daher sei es auch sinnvoll, den toten Kurti auszustellen, der im Landesmuseum in monatelanger Arbeit präpariert wurde: „So lässt sich zeigen, was wir als Menschen falsch machen können“, sagt Minister Wenzel. „Der MT6 wurde höchstwahrscheinlich angefüttert“ – nur deshalb habe er begonnen, sich Menschen zu nähern.

Der ausgestopfte Wolf ist am Ende der Ausstellung im Dämmerdunkel zu sehen. Sonderlich vertrauenswürdig sieht er nicht aus. Man würde nicht unbedingt einen Gebrauchtwagen von ihm kaufen. Andererseits gibt es Hunde, die bedrohlicher wirken. Wenzel blickt auf das Tier. Dann verteidigt er den Abschuss: „Es war eine Entscheidung, die wir sehr sorgfältig abgewogen haben.“

„Der Wolf“ ist im Landesmuseum Hannover bis zum 15. Oktober zu sehen. Informationen unter (05 11) 980 76 86.

Wolfsfreunde kritisieren die Ausstellung

Tierschützer laufen Sturm gegen die Ausstellung des ausgestopften Wolfes Kurti: „Das grenzt an Leichenfledderei“, sagt Vanessa Reithinger, Wildtierreferentin bei der radikalen Tierschutzoganisation Peta. Generell sei es kritisch zu sehen, wenn tote Tiere in Museen zur Schau gestellt würden.

Auch Vertreter des Tierschutzvereins Hannover hatten die Ausstellung als „unangebracht“ kritisiert, ebenso wie der Wolfsfreund Christian Berge: „Eine solche Ausstellung ist pietätlos“, moniert Berge, der selbst mit mehreren Wolfshunden in der Lüneburger Heide lebt. Es gebe Wildtierparks, in denen sich das Leben der Wölfe besser beobachten lasse als an ausgestopften Tieren im Museum. Ursprünglich hatte er mit anderen Aktivisten eine Protestaktion zur Ausstellungseröffnung angekündigt: „Wir wollten rote Rosen niederlegen, um ein Zeichen zu setzen“, sagt Berge. Dazu wird es jedoch nicht kommen: „Wir haben Welpen bekommen – da kann ich nicht nach Hannover reisen.“

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Niedersachsen in Zahlen
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  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
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  • Letzte Landtagswahl : 15. Oktober 2017
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
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