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Der Norden Wenn die Nerven nicht mehr mitspielen
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05:55 03.07.2017
Kathrin Sohst organisierte den Kongress. Sie fand mit Mitte Zwanzig heraus, dass sie hochsensibel ist.  Quelle: Carolin George

Kathrin Sohst war Mitte 20 und hatte gerade ihren ersten Job nach dem Studium begonnen, da wachte sie eines Morgens auf, fing an zu weinen und konnte nicht mehr aufhören. Alles hatte sie bis dahin erfolgreich gemeistert: Abitur, Diplom, Bewerbung. Eigentlich sollte sie voller Energie stecken. Stattdessen lag sie im Bett, und ihre Tränen hörten nicht auf zu laufen.

Nach einem halben Jahr Arbeit war die junge Frau am Ende ihrer Kräfte. Sie wusste nicht, was mit ihr los war. War sie krank? Oder unfähig, einen normalen Arbeitsalltag zu bewältigen? Heute, mehr als zehn Jahre später, weiß sie: Sie ist weder krank noch unfähig. Aber sie nimmt Eindrücke stärker wahr als andere. Die Eindrücke aus dem Großraumbüro, in dem sie arbeitete, waren zu viel für ihre Nerven. Und das ist wörtlich zu nehmen.

Bis zu 20 Prozent aller Menschen gelten als hochsensibel. Noch belegt das Thema nur eine Nische in der Wissenschaft, unter Ärzten und in der Psychotherapie. Doch am Wochenende trafen sich Fachleute und Praktiker in Schneverdingen in der Lüneburger Heide zum bundesweit ersten Kongress über das Thema Hochsensible und diskutierten darüber, was Menschen mit hoher Wahrnehmung das Leben so schwer macht und wie sie ihren Alltag meistern können.

„Was stimmt nicht mit mir?“

Hochsensibilität ist angeboren. Betroffene empfinden Geräusche lauter als andere, nehmen mehr Einzelheiten wahr, spüren die Gefühle von anderen und verarbeiten die Sinneseindrücke tiefer. Hochsensibilität ist keine Krankheit. Sie kann aber zu einem Problem werden - vor allem, wenn die Hyperempfindlichen nichts von ihrer besonderen Eigenschaft wissen.

„Ich war sicher, irgendetwas stimmt nicht mit mir“, sagt Sohst rückblickend. Sie fühlte sich kraftlos und voller Selbstzweifel. Heute ist sie 37 Jahre alt und hat über Jahre Methoden entwickelt, die sie mit ihrer hohen Sensibilität besser klarkommen lassen. Sie legt mehr Pausen ein, geht jeden Tag spazieren, und wenn sie merkt, dass ihr System überlastet ist, dann meditiert sie oder fokussiert sich für ein paar Minuten auf ihre Atmung. Wenn sie sich in der Bahn konzentrieren will oder beim Nachbarn die Handwerker arbeiten, trägt sie einen besonderen Gehörschutz: Er lässt Stimmen durch und filtert Hintergrundgeräusche heraus.

„Zu wissen, warum man so anders ist und warum andere einen mitunter merkwürdig finden, kann unheimlich erleichternd sein“, sagt Sohst. „Und nicht nur das. Denn auch die schönen Dinge des Lebens erlebe ich intensiver. Heute bin ich dankbar für meine hohe Wahrnehmung und möchte sie nicht mehr missen.“

Ihre Erfahrungen will Sohst gerne teilen. Als „Botschafterin für Hochsensibilität“ war sie es, die den deutschlandweit ersten Kongress organisiert. Derzeit schreibt sie ihr zweites Buch: „30 Minuten Hochsensibilität im Beruf“. Und sie nutzt ihre besondere Empathie mittlerweile bei ihrer Arbeit als selbstständige Beraterin. Was ihr vor zehn Jahren noch als Schwäche erschien, ist heute ihr Kapital.

von Carolin George

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