Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden So lief Hannovers erster Wahltag zum Türkei-Referendum
Nachrichten Der Norden So lief Hannovers erster Wahltag zum Türkei-Referendum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:13 27.03.2017
Am Messegelände können die Deutschtürken noch bis zum 9. April abstimmen. Quelle: Samantha Franson
Anzeige
Hannover

Nein, nein und noch mal nein: Enes Günsal ist früh aufgestanden, aus Garbsen nach Hannover gefahren, um beim Referendum seiner Ablehnung der Verfassungsänderung in der Türkei Nachdruck zu verleihen. „Ich lebe seit Jahrzehnten hier, aber ich trage die Türkei im Herzen. Und ein Erdogan wird sie vernichten.“ Das Wahllokal in Halle 2 auf dem Messegelände öffnet pünktlich. Bis zum 9. April können in Deutschland lebende Türken hier ihre Stimme für oder gegen die Verfassungsänderung abgeben, die Präsident Recep Erdogan mehr Macht verleihen soll.

Das Miteinander wird verändert

Die ersten, die in Raum Brüssel ihre Zettel in die gläsernen Urnen werfen, sind erklärte Gegner von Erdogans Plänen. „Aber ob wir in der Mehrheit sind, ist noch offen“, sagt Günes. In jedem Fall werde das Ergebnis die Türkei verändern – auch das Miteinander der Türken in Deutschland. „Denn leider gibt es keine moderate Mitte.“ In Hannover können rund 17 000 Türken wählen, viele kommen an diesem ersten Wahltag aber aus anderen Städten – Osnabrück, Hameln, Celle, Salzgitter und Halle. Im Wahlraum halten die Mitarbeiter des türkischen Generalkonsulates sowie Beamte von AKP und CHP die Fäden in der Hand. Als ein Wähler seinen „Nein“-Stimmzettel hochhält und ein Victory-Zeichen macht, muss er Raum Brüssel verlassen. „Hier wird geheim gewählt“, betont der Sprecher des türkischen Konsulates – und das täglich von 9 bis 21 Uhr. Organisation und Vorbereitung obliegt dem Konsulat. „Wir benötigen 18 bis 35 Mitarbeiter pro Tag“, erklärt der Sprecher. Auch Ehrenamtliche kommen zum Einsatz.

Zur Galerie
Bis zum 9. April konnten die Deutschtürken, die in Hannover leben, am Messegelände über die Verfassungsänderung in der Türkei abstimmen.

„Hier wird geheim gewählt“

Mustafa Yilmaz hat Nein gesagt. „Ich möchte kein Staatsbürger einer Diktatur sein.“ Und Tunsay P. aus Salzgitter betont, dass er vor allem gegen Erdogan weniger gegen dessen Partei seine Stimme erhebe. Ein dickes „Hayir“ (Nein) kommt von Mehmet D. Der Ingenieur, der abwechselnd in Deutschland und der Türkei lebt, bangt vor allem um die Demokratie. „Außerdem spaltet Erdogan die Gesellschaft, hier und in der Türkei.“ D. fürchtet, dass der Präsident viel Zustimmung von Türken aus Deutschland bekommt. „Die Türken hier erleben die negative Entwicklung nicht jeden Tag, sie kommen als Touristen in die Türkei und beschäftigen sich dann leider kaum mit Politik.“
Der 17-Jährige Cem M. darf noch nicht wählen, hat aber eine klare Meinung. „Eine Volksabstimmung halte ich nur für notwendig, wenn es um die Zukunft eines Landes geht. Ich finde sowohl die Verfassungsänderung zu Gunsten einer Person als auch die Abschwächung der Gewaltenteilung fatal.“ Der Gymnasiast fürchtet zudem, dass die Anhänger Erdogans sich weiter von der deutschen Gesellschaft entfernen und „ihre Parallelgesellschaft verstärken.“

„Viel Staub aufgewirbelt“

Zeynep Erdogdu hat ihren Stempel auf der Ja-Seite gemacht. „Was der Präsident in den letzten 14 Jahren gemacht hat, hat die Türkei weitergebracht.“ Sie habe keine Angst vor einer Diktatur, die Türkei werde nach einer Verfassungsänderung stärker. „Die türkischstämmigen Politiker in Deutschland haben viel Staub aufgewirbelt, das hat beiden Staaten nicht gut getan“, so Erdogdu. Recep Taurikulu begleitet seine Frau ins Wahllokal, er selbst hat einen deutschen Pass. „Aber ich würde mit Ja stimmen“, sagt der Kaufmann aus Hameln. Wirtschaftlich sei es bergauf gegangen mit Erdogan, „der Bevölkerung geht es viel besser.“ Viele Türken, die am Steintor ihren Geschäften nachgehen, sehen das ähnlich. „Aber das Referendum spaltet die Gesellschaft“, sagt ein Gemüsehändler. Und der Bar-Besitzer nebenan ergänzt: „Das Thema ist so emotional, dass ich es längst umschiffe.“ Und zur Wahl gehe er erst gar nicht, „schließlich lebe ich in Deutschland.“     

Staatschef Recep Tayyip Erdogan will ein Präsidialsystem in der Türkei einführen. Das Volk soll am 16. April darüber in einem Referendum abstimmen. Aber worüber stimmen sie überhaupt ab? Die wichtigsten der geplanten Änderungen haben wir hier übersichtlich für Sie zusammengefasst.

Von Susanna Bauch/RND

Anscheinend hatten sich am Sonntagabend wieder mehrere Menschen in Peine zu einer Auseinandersetzung treffen wollen. Die Polizei bekam einen Hinweis und schritt frühzeitig ein.

27.03.2017

Einen Aufruf an Opfer sexualisierter Gewalt hat am Montag das Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung gestartet. Das Institut arbeitet im Auftrag des Bistums Hildesheim zwei Missbrauchsaffären auf. 

Michael B. Berger 27.03.2017
Der Norden Politisch motivierte Brandstiftung - Wieder sechs Polizeiautos in Hamburg ausgebrannt

Erneut brennen in Hamburg Einsatzfahrzeuge der Polizei. Die Ermittler prüfen, ob es sich um eine politisch motivierte Brandstiftung handelt. Erst vor einer guten Woche hatten mutmaßlich Gegner des G20-Gipfels Polizeiwagen angezündet

27.03.2017
Anzeige