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Ein Dorf wehrt sich gegen Erotik-Treff

Kreis Uelzen Ein Dorf wehrt sich gegen Erotik-Treff

70 Menschen leben in Esterholz. Der am Elbe-Seiten-Kanal gelegene Ort ist als das Dorf „an der Schleuse“ bekannt. Jetzt aber fürchten Bewohner, dass Esterholz im Kreis Uelzen andere Beinamen bekommen könnte. Dort soll in zwei Scheunen ein riesiger Erotik-Treff entstehen.

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Mit Plakaten wie diesen wehren sich die Einwohner von Esterholz gegen den Erotik-Treff.

Quelle: privat

Esterholz. „Wir wollen nicht das Dorf mit dem Swingerclub werden“, sagen sie und machen gegen Pläne einer Gruppe von Hamburgern mobil, zwei Scheunen eines früheren Hofes zum Erotik-Treff umzubauen.

Die Betreiber wollen ihre „Kreativwerkstatt“ aus dem Zentrum von Harburg in die niedersächsische Provinz verlegen und dort, wie sie ankündigten, an den Wochenenden „noch größere Partys“ feiern als bislang in der Großstadt. Zu den Veranstaltungen mit Mottos wie „Utopeea“, „Saustall“ und „Fantasie trifft Sünde“ kommen nach Angaben der Organisatoren freitags, sonnabends oder sonntags jeweils rund 100 Teilnehmer. Auf der Suche nach einem größeren Veranstaltungsort mit Außenbereich und Übernachtungsmöglichkeiten wurden die Harburger in Esterholz fündig, wo ein älteres Paar einen Resthof samt Pferdewiese zum Verkauf anbot, insgesamt knapp 7000 Quadratmeter.

„Wir wollen es im Alter ruhiger haben und mit sechs, sieben Leuten generationsübergreifendes Wohnen praktizieren“, sagt der 63 Jahre alte Klaus-Dieter Thuß-Könecke. Im Namen eines Vereins „Eulenhof“ hat der gelernte Fernmeldetechniker allerdings bei der Gemeinde Wrestedt und dem Landkreis Uelzen mehr angefragt: In zwei zusammen 1000 Quadratmeter großen Scheunen soll ein „Vereinsheim“ entstehen. Thuß-Könecke und seine Mitstreiter machen kein Hehl daraus, dass die Veranstaltungen sich nicht auf Tango-Kurse beschränken, sondern auch sexuellen Charakter haben. Die aus dem In- und Ausland anreisenden Gäste sollten wie in Harburg die Möglichkeit bekommen, „ein bisschen zu spielen“ und auch außergewöhnliche Formen von Sex auszuleben, sagte Thuß-Könecke der HAZ. „Ein Swinger-Club ist das aber nicht, wir haben keine Laufkundschaft und keine Öffnungszeiten.“

Die Dorfbewohner haben Angst vor Lärm

Das sehen die Menschen in Esterholz anders, die auch Mittwoch wieder Protest-Transparente im Dorf aufhängten. Der Harburger Betrieb sei im Internet als Swingerclub gelistet, die Veranstaltungen zum Teil sehr anstößiger Art. „Mein 19 Jahre alter Sohn ist aufgeklärt genug“, sagt Hofnachbar Stefan Kraut, der selbst Rüben anbaut. „Aber was sollen Eltern hier kleinen Kinder erzählen?“ Und wer wolle noch in ein Dorf ziehen, das durch einen solchen Club mit geprägt werde? Häuser und Grundstücke würden sicher an Wert verlieren.

Im Vordergrund des Protests steht allerdings die zu erwartende Lärmbelästigung. Nicht nur der Anreiseverkehr der Autos und Wohnmobile, für die eigens Stellplätze eingerichtet werden sollen, werde Krach verursachen. Auch die Partys mit Musik passten nicht ins alte Dorf. Die Entrümpelungsfete, für die Thuß-Könecke in einem Swinger-Forum geworben habe, habe einen Vorgeschmack vermittelt, sagt Nachbarin Anna Maria Baucke (32): „Das ging bis nachts um halb drei.“ Der größte Teil der Dorfbewohner, sagt sie, stehe auf ihrer Seite.

Der Landkreis bestätigt die Bauvoranfrage für das „Vereinsheim“, ebenso die Gemeinde. Der stellvertretende Gemeindedirektor Alexander Kahlert meint, es könne rechtlich schwer werden, dem Vorhaben im Dorf-Mischgebiet die Genehmigung zu versagen: „Wir werden aber gucken, ob sich die geplante Art der Nutzung in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt.“

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