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Der Norden Fassungslosigkeit über Vorwürfe gegen Ex-Bischof
Nachrichten Der Norden Fassungslosigkeit über Vorwürfe gegen Ex-Bischof
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18:21 06.11.2015
Heinrich Maria Janssen soll in seiner Zeit als Bischof von Hildesheim einen Jungen sexuell missbraucht haben. Quelle: Archiv
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Hildesheim

Obwohl er bereits seit 27 Jahren tot ist, erinnern sich viele hannoversche Katholiken noch immer an Bischof Heinrich Maria Janssen, den ehemaligen Bischof Hildesheims. Jetzt fällt ein schwerer Schatten auf das Wirken des volkstümlichen Oberhirten, der zwischen 1957 bis 1982 Bischof von Hildesheim war. Das Bistum selbst gab am Freitag bekannt, dass der hohe Geistliche verdächtigt wird, einen Jungen sexuell missbraucht zu haben – und zwar über mehrere Jahre.

Heinrich Maria Janssen ist von 1957 bis 1982 Bischof von Hildesheim gewesen, 1988 starb er.

Der Betroffene selbst habe sich vor einem halben Jahr an das Bistum gewandt. Der Beraterstab, der den amtierenden Bischof Norbert Trelle bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen zur Seite steht, halte die Schilderungen des Mannes für plausibel, erklärte das Bistum. Bei dem Opfer soll es sich laut "Spiegel" um einen ehemaligen Messdiener handeln, der im Alter von zehn Jahren das erste Mal missbraucht worden ist.

Eine Entschädigungszahlung von 10.000 Euro ist nach einem Antrag des Opfers laut Bistum bereits gezahlt worden. Der Forderung nach einer weiteren Zahlung habe das Bistum nicht entsprochen.

Bestürzung bei Bischof Trelle

In einer Pressemitteilung hat sich Trelle bestürzt darüber geäußert, dass durch einen seiner Amtsvorgänger schweres Leid zugefügt worden sein soll. Der Vorgang, der im Frühjahr an das Bistum herangetragen wurde, war mit dem Wunsch des Mannes verbunden, den Missbrauch strikt vertraulich zu behandeln. Diesem Wunsch ist das Bistum aus Gründen des Opferschutzes zunächst gefolgt. Aufgrund einer konkreten Presse-Anfrage zu den erhobenen Vorwürfen sieht sich das Bistum nun jedoch in der Pflicht, die Öffentlichkeit über die Missbrauchs-Anzeige zu informieren.

Heinrich Maria Janssen, war von 1957 bis 1982 Bischof von Hildesheim. Er starb 1988 im Alter von 80 Jahren. Ein Jahr vor seinem Tod war er noch zum Ehrenbürger von Hildesheim ernannt worden. Nach seinem Tod hatte der damalige Papst Johannes Paul II Janssen für dessen Einsatz für die seelsorglichen und sozialen Belange der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge in der Bundesrepublik gelobt.

Fassungslosigkeit bei Gläubigen

Mit ungläubiger Fassungslosigkeit und Empörung reagierten viele Katholiken im Bistum auf die Nachricht: „Das macht mich sprachlos“, sagte Helmuth Nowitzki vom Gemeindevorstand St. Mauritius in Hildesheim. „Er war ein impulsiver Charakter, aber meist freundlich, und er konnte auf Menschen zugehen“, sagt ein Priester, der Heinrich Maria Janssen gut kannte: „Nie hätte ich so etwas vermutet.“

Als Bischof hatte Heinrich Maria Janssen sich meist volksnah gezeigt – und da er mehr als ein Vierteljahrhundert lang an der Spitze des Bistums stand, noch dazu in einer Zeit, in der zahlreiche Kirchen gebaut und von ihm geweiht werden konnten, haben viele Katholiken persönliche Erinnerungen an ihn: „Er war sympathisch, zugewandt, bescheiden – umso mehr hat mich die Nachricht jetzt erschrocken“, sagt die 66-jährige Monika Wienhold-Quecke aus Laatzen, die Bischof Janssen in den siebziger Jahren als Vertriebenenbischof erlebte.

Propst Martin Tenge, oberster Katholik der Region Hannover, zeigte sich tief betroffen: „Für den sexuellen Missbrauch eines Kindes gibt es keine angebrachte Form der Wiedergutmachung“, erklärte er. Das Leid der betroffenen werde heute von der Kirche anerkannt: „Ich hoffe, dass die Opfer diese Anerkennung annehmen können und darin Unterstützung erfahren“, erklärte er gegenüber der HAZ.

sbü/mbb/be

Heinrich Maria Janssen

Vermutlich hat kein Bischof in der Geschichte des Bistums Hildesheim mehr neue Kirchen geweiht als er: Heinrich Maria Janssen, geboren 1907 bei Kleve am Niederrhein, war Bischof in einer Zeit des Aufbaus. Durch den Zustrom von Heimatvertriebenen aus dem Osten hatte sich die Zahl der Katholiken im Bistum Hildesheim, das etwa den Osten Niedersachsens umfasst, auf rund 670.000 Seelen fast verdreifacht. Sie in der Diaspora zu integrieren war eine der Hauptaufgaben Janssens, der von 1957 bis 1982 Oberhirte des Bistums war. Unter anderem ließ er dazu Dutzende Kirchen bauen. In Hannover weihte er beispielsweise St. Franziskus in Vahrenheide, St. Christophorus am Stöckener Markt, Maria Trost in Ahlem und St. Augustinus an der Göttinger Chaussee. In Janssens Amtszeit fielen anderem der Wiederaufbau des Hildesheimer Doms sowie der Abschluss des Konkordats zwischen Kirche und dem Land Niedersachsen. Kirchenpolitisch galt Janssen, der Anfang der Sechzigerjahre auch am Konzil in Rom teilnahm, nicht als Neuerer, jedoch auch nicht als erzkonservativer Oberhirte.

Erst vor drei Jahren, im November 2012, war der 1988 verstorbene Janssen in die neu angelegte Bischofsgruft des Doms umgebettet worden. Es gab eine nächtlichen Zeremonie bei Kerzenschein im kleinen Kreis; Janssens Amtsnachfolger Bischof Norbert Trelle besprengte den Sarg mit Weihwasser, ehe er in die hell erleuchtete Bischofsgruft hinabgelassen wurde. Jetzt verlangt das mutmaßliche Missbrauchsopfer, dass Janssens sterbliche Überreste aus der Bischofsgruft entfernt werden.

be

Das Bistum Hildesheim

Das Bistum Hildesheim ist flächenmäßig eines der größten in Deutschland. Es erstreckt sich über den Teil von Niedersachsen, der östlich der Weser gelegen ist, und schließt Teile von Bremen wie Bremerhaven mit ein. Im Bistum leben mehr als 610.000 Katholiken. Es sind dort 253 Priester tätig.

sbü

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