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Der Norden Hat Ex-RAF-Trio sechs weitere Überfälle begangen?
Nachrichten Der Norden Hat Ex-RAF-Trio sechs weitere Überfälle begangen?
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12:24 07.06.2016
Bei den gezeigten Personen handelt es sich laut Polizei mit hoher Wahrscheinlichkeit um die früheren RAF-Terroristen Burkhard Garweg (links) und Ernst-Volker Staub (rechts). Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2016. Quelle: dpa (Montage)
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Verden/Hannover

So haben die Ermittler der Polizeiinspektionen Northeim/Osterode und Diepholz sowie des Landeskriminalamts Niedersachsen Hinweise entdeckt, dass die Beschuldigten der Geldtransporterüberfälle von Stuhr und Wolfsburg im letzten Jahr, auch für eine Reihe von Überfällen auf Sammelkassen von Supermärkten in den letzten Jahren verantwortlich sein könnten. Das Tatfahrzeug für eines der Verbrechen soll in Hannover gekauft worden sein.

Bei den Kassenbüroüberfällen wurden die Beschäftigten der Supermärkte oder Geldboten entweder beim Betreten oder beim Verlassen der Kassenräume mit Pistolen und teilweise mit Elektroschockern bedroht. Die Opfer wurden sodann gezwungen, den Tätern Zugang zum Tresor zu verschaffen oder Bargeld auszuhändigen.

Folgende Taten werden nun unter diesem neuen Blickwinkel noch mal genauer untersucht:

  • Überfall auf einen Real-Markt in Celle am 30. September 2011, Beute 80.000 bis 100.000 Euro, Tatfahrzeug: grauer VW Passat
  • Überfall auf einen Marktkauf in Stade am 24. Dezember 2012 in Stade, Beute 135.000 Euro,  Tatfahrzeug: silberner VW Golf (gekauft in Hamburg)
  • Überfall auf einen Marktkauf in Elmshorn am 23. August 2014, Beute 46.000 Euro, Tatfahrzeug: silberner VW Golf (gekauft in Bielefeld)
  • Überfall auf einen Kaufland in Osnabrück am 2. Januar 2015, Beute 60.000 Euro, Tatfahrzeug: blauer VW Passat Kombi (gekauft in Bielefeld)
  • Überfall auf einen Marktkauf in Northeim am 19. Oktober 2015, Beute 50.255 Euro und die Schusswaffe eines Geldboten, Tatfahrzeug: schwarzer VW Golf  (gekauft in Hannover)
  • Überfall auf einen Rewe-markt in Hildesheim am 7. Mai 2016, Beute: kein Geld, aber die Schusswaffe eines Geldboten, Tatfahrzeug: dunkelblauer VW Polo (gekauft in Bielefeld)

Ähnliches Vorgehen der Verdächtigen

Viele Begleitumstände der Taten ähneln sich, wie die Polizei und die Staatsanwaltschaft mitteilten. So wurden die Tatfahrzeuge offenbar immer ein bis drei Monate vor dem Überfall für weniger als 3000 Euro mit Bargeld gekauft. Die Verdächtigen gelangen mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin, erscheinen dann allein und wollen bei einer eventuellen Probefahrt nicht selbst fahren sondern setzen sich auf den Beifahrersitz. Die Autos werden dann nach dem Kauf erst später unbeobachtet abgeholt und zwar außerhalb der Geschäftszeiten vom Grundstück des Verkäufers oder von einem frei zugänglichen Parkplatz in der Nähe, auf dem der Verkäufer das Fahrzeug zuvor abstellen musste.

Während der Tat selber gehen dann zwei maskierte Täter auf Angestellte des Supermarkts oder auf Geldboten zu und bedrohen diese mit Pistolen oder Elektroschocker. Das Auftreten der Täter wird als ruhig und höflich beschrieben. Sie betonen zum Teil, dass sie nur Geld erlangen wollen. Die Opfer müssen sich dann auf den Boden legen, während eine Person den Tätern Zugang zum Tresor verschafft. 

Daraufhin wird das Tatfahrzeug dann in der Nähe des Tatorts abgestellt und angezündet, um Beweise zu vernichten, bevor die Täter mit einem weiteren Fahrzeug fliehen.

Polizei warnt vor weiteren Taten

Im Rahmen der Ermittlungen wurden aufgrund der erlangten Erkenntnisse über 4000 Autohändler von der Polizei aufgesucht und auf die Besonderheiten der Fahrzeugbeschaffung aufmerksam gemacht. Durch die Ermittlungen bei den Autohändlern ist es – nach über 25 Jahren – gelungen, ganz neue Fotos aus diesem Jahr zu erhalten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verdächtigen Staub und Garweg zeigen. Durch die Vorlage der Fotos bei den Verkäufern der Fluchtfahrzeuge und anderen Zeugen wurde der Verdacht gegen die Beschuldigten erhärtet.

Trotz zahlreicher Hinweise nach der Veröffentlichung der letzten Täterfotos gibt es noch immer keine heiße Spurt auf die Täter. Dazu ein Fahnder des LKA: „Trotz der sehr guten Aufnahmen und der markanten Details scheinen die Personen wie vom Erdboden verschluckt. Wenn das mein Nachbar wäre, würde ich ihn doch erkennen. Das ist schon sehr verwunderlich.“

20.000 Euro Belohnung ausgesetzt

Die Polizei bittet alle Autohändler und privaten Verkäufer von Kraftfahrzeugen darum, auf die geschilderten Verhaltensmuster zu achten und gegebenenfalls die Polizei zu benachrichtigen. Zugleich wird davor gewarnt, an die Täter heranzutreten, da diese vermutlich bewaffnet und somit gefährlich sind. Für entscheidende Hinweise, die zur Aufklärung der Taten und zu einer rechtskräftigen Verurteilung der Täter führen, hat das Geldtransportunternehmen eine Belohnung bis zu 20.000 Euro ausgesetzt.

Sachdienliche Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle oder das LKA Niedersachsen unter der Telefonnummer 0511 26262-7400 entgegen.

ewo

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