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Der Norden Ex-Terroristen der RAF erbeuten 380 000 Euro
Nachrichten Der Norden Ex-Terroristen der RAF erbeuten 380 000 Euro
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21:10 27.05.2016
Von Karl Doeleke
Die undatierten Handouts des BKA zeigen Fahndungsfotos (oben) und Alterssimulationen (unten) von Burkhard Garweg (von links), Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette. Quelle: dpa
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Hannover

Der Überfall an Heiligabend 2012 auf den Supermarkt in Stade war bisher nur eine Notiz in der örtlichen Presse gewesen. Auch als im vergangenen Oktober in Northeim ein Marktkauf von vermummten Tätern ausgeraubt wurde, erschien die Polizeimeldung vor allem in der Lokalpresse. Jetzt erst werden die Taten bundesweit zur Kenntnis genommen: Drei untergetauchte ehemalige Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) haben so wohl ihr Leben im Untergrund finanziert. Anscheinend ziehen Burkhard Garweg, Ernst-Volker Staub und Daniela Klette schon seit Jahren raubend durch Niedersachsen und haben bei etlichen Überfällen auf Supermärkte insgesamt 380.000 Euro erbeutet. Davon sind zumindest laut einem Bericht des „Spiegel“ Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) überzeugt. Bisher waren die in den Achtzigerjahren untergetauchten Linksterroristen nur für zwei äußerst brutale, aber gescheiterte Raubüberfälle auf Geldboten im vergangenen Sommer in Stuhr und im Dezember in Wolfsburg verantwortlich gemacht worden. Die Staatsanwaltschaft Verden erwirkte deshalb Haftbefehle wegen versuchten Mordes und versuchten schweren Raubes.

Inzwischen hat das LKA die Ermittlungen gegen die drei aber ausgeweitet. Auch in Celle, laut „Spiegel“ auch im Raum Osnabrück und im schleswig-hosteinischen Elmshorn sollen sie zugeschlagen haben. Auch der gescheiterte Angriff auf einen Geldboten im Hildesheimer Rewe-Markt im Mai ordnet die Polizei den dreien aus der sogenannten dritten Generation der RAF zu. Zudem waren Garweg, Staub und Klette bei ihren Beutezügen offenbar deutlich erfolgreicher als bekannt. Bisher galten die drei als gescheiterte Räuber mit Geldsorgen, die zuletzt vor 15 Jahren eine Million D-Mark bei einem Überfall auf einen Geldtransporter in Düsseldorf erbeutet hatten. Hieß es.

Inzwischen ist die Polizei überzeugt: Allein bei dem Raubüberfall auf den Marktkauf in Northeim im vergangenen Oktober erbeuteten die drei 70 000 Euro. Der Ablauf der Tat erinnert stark an den mutmaßlich letzten Versuch im Mai in Hildesheim, der scheiterte – und tatsächlich sind auffällige Übereinstimmungen einem Kriminalbeamten in Northeim aufgefallen. Immer kundschafteten sie die jeweilige Situation genau aus, kannten die Fluchtwege, zündeten die Fluchtwagen nach der Tat im Wald an. Der Northeimer Polizist kam den Ex-Terroristen auf die Spur, als ihm das auffiel. Nach der gescheiterten Tat in Hildesheim zog das LKA die Ermittlungen dann an sich.

Auch in Northeim waren die beiden vermummten Täter laut Polizei sehr überlegt und diszipliniert vorgegangen. Sie drückten einem Geldboten einen harten Gegenstand in den Rücken, als er die Klingel des Kassenbüros betätigte. Als die Tür von innen geöffnet wurde, drangen die Täter in den Raum, nahmen dem Boten seine Waffe ab und ließen die Mitarbeiterin im Kassenbüro den Inhalt des Tresors in mitgebrachte Sporttaschen packen. Sie entkamen über den Notausgang, das Fluchtfahrzeug, ein alter Golf, fand die Polizei später ausgebrannt auf einem Feld neben der A 7. Ein ähnlicher Plan ging Heiligabend 2012 in Stade auf. Auch hier drangen die Täter ins Kassenbüro ein, ebenfalls ging die Polizei davon aus, dass sich die Täter sehr gut ausgekannt haben müssen. Nach einer wilden Verfolgungsjagd verlor die Polizei die Spur. Den Fluchtwagen fand sie in einem Waldstück in Stade, die Feuerwehr konnte nicht mehr löschen. DNA konnte nicht sichergestellt werden.

Anders nach den gescheiterten Überfällen in Stuhr und Wolfsburg: Sichergestellte DNA stimmt überein und stammt von den drei gesuchten Ex-RAF-Terroristen. Außerdem fanden die Ermittler laut „Zeit online“ Hundehaare und Stroh. Eine Vermutung lautet daher: Die Gesuchten könnten auf einem Hof mit Scheune in Niedersachsen leben. Sie haben auch in Celle, Ronnenberg und Oldenburg einige ihrer Fluchtfahrzeuge gekauft. Zwei der Händler haben Staub auf Fotos erkannt, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft Verden in diesem Jahr aufgenommen und erst vor wenigen Tagen veröffentlich wurden. Diese Autos sind auch deshalb ein Hinweis auf einen Unterschlupf im Norden, weil die gefahrenen Kilometer darauf hindeuten. Im niederländischen Fernsehen lief Anfang der Woche ein Zeugenaufruf. Auch hier könnten die drei leben.     

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