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Verschollen seit dem 23. Juli

Fall der Familie Schulze Verschollen seit dem 23. Juli

Die Leiche des Vaters wurde am Elbufer gefunden, Mutter und Tochter bleiben verschwunden – der Fall der Familie Schulze aus Drage geht als ungeklärt zu den Akten. Abgeschlossen ist er damit nicht.

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Einsatzkräfte der Polizei suchen von einem Boot aus mit einem Sonargerät bei Holm-Seppensen nahe Buchholz in der Nordheide nach der vermissten Mutter und ihrer Tochter. 

Quelle: Philipp Schulze

Drage. Neben den Eisbegonien flackert ein Friedhofslicht. „Ruhe in Frieden, ich werde dich nie vergessen“, steht mit schwarzem Filzstift auf dem roten Plastik geschrieben. Doch die kleine Laterne steht nicht auf einem Grab. Die Totenflamme flackert im Beet vor einem Einfamilienhaus mit Garten, ruhige Lage, Neubaugebiet. Bis zum 23. Juli war der Klinkerbau das Zuhause einer dreiköpfigen Familie. Jetzt ist der Vater tot, Mutter und Tochter werden seit sechs Wochen vermisst. Und die Polizei hat keine Spur. Der Fall der verschollenen Familie wird ein Mysterium bleiben, das nicht nur Freunde und Bekannte beschäftigt.

Es ist Hochsommer, als die Nachricht das Land erschreckt: Eine ganze Familie ist wie vom Erdboden verschluckt. Die Polizei sucht den Vater Marco Schulze, 41 Jahre alt, Mutter Sylvia, 43, und die zwölfjährige Tochter Miriam aus Drage an der Elbe, 30 Kilometer südöstlich von Hamburg. Ein Spaziergänger findet kurz nach Veröffentlichung der Vermisstenanzeige eine Leiche am Elbufer. Es ist die von Marco Schulze. Alle Indizien zeigen: Es war Suizid. Vermutlich sogar ein sogenannter erweiterter Suizid: Ein Mann tötet erst seine Familie, dann sich selbst.

Vier Wochen lang sucht die Polizei fieberhaft nach Mutter und Tochter, erst mit Booten auf der Elbe, dann im Deichvorland am Ufer. Ohne Erfolg. Am Abend vor dem Verschwinden will eine Zeugin die Familie an einem See gesehen haben. Die Polizei glaubt, dass Marco Schulze Frau und Tochter dort getötet und die Leichen dann versteckt hat. Aber die Beamten finden nichts.

Jan Krüger ist Polizeihauptkommissar und Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion im Landkreis Harburg. Ein Mafia-Mord als Hintergrund, eine Entführung, eine Geschichte mit einem unbekannten Dritten schließt er aus. „Es gibt darauf keine Hinweise.“ Die Suche ist eingestellt, die Sonderkommission aufgelöst, doch abgehakt ist der Fall für die beteiligten Beamten nicht. „Wir haben ausermittelt“, sagt Krüger. „Trotzdem denke ich mehrmals täglich darüber nach. Als Polizist möchte man doch eine Lösung finden.“

Der Fall wird Krüger und seine Kollegen auf lange Zeit nicht loslassen, da ist sich Achim Grube sicher. Der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Dienstes der Zentralen Polizeidirektion Hannover sagt: „Wenn der Fall zu den Akten gelegt ist, ist er für den Ermittler nicht abgeschlossen. Man lebt mit dem Fall weiter.“ Der ehemalige Polizist ist Diplom-Pädagoge und Therapeut. „Man kommt immer wieder ins Grübeln, ob man nicht etwas vergessen, eine Spur übersehen hat. Das lässt einen nicht in Ruhe, über viele Jahre nicht.“

Frank Waterstraat leitet den Kirchlichen Dienst in Polizei und Zoll in Niedersachsen mit Sitz in Hannover. „Das Nicht-abschließen-Können ist ein erheblicher Belastungsfaktor“, sagt der Pastor und freiwillige Feuerwehrmann. „Zusätzlich machen sich die Menschen Vorwürfe.“

In Drage betet die Kirchengemeinde seit dem Verschwinden der Familie jeden Tag für sie. „Die Unsicherheit ist zermürbend“, sagt Superintendent Christian Berndt. „Es gibt ein Vakuum.“

Wenn ein Mensch aus dem Umfeld verloren gehe, gehe auch die Regelhaftigkeit des Lebens verloren, sagt die Psychologin und Psychotherapeutin Bettina Nock. Es fehle dann etwas. „Der Mensch aber braucht eine Einheit im Erleben.“ Dem Leben eine neue Gestalt zu geben sei umso schwieriger, je mehr offene Fragen es gebe. „Die Menschen tendieren dazu, nach Belegen zu suchen. Deshalb gibt es Trauerrituale.“ In Drage kann es sie nicht geben. Vielleicht niemals.

Von Carolin George

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