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Der Norden Diese Fassade soll mit Steuergeld vergoldet werden
Nachrichten Der Norden Diese Fassade soll mit Steuergeld vergoldet werden
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14:56 03.11.2016
Diese Fassade soll vergoldet werden. Quelle: dpa
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Hamburg

Vergoldete Hauswand für mehr als 85.000 Euro Steuergeld: Ein geplantes Kunstprojekt im sozial schwachen Hamburger Stadtteil Veddel sorgt für harsche Kritik. "Es ist kaum zu glauben, wofür in unserer hoch verschuldeten Stadt plötzlich Geld da ist", sagte Sabine Glawe vom Bund der Steuerzahler am Donnerstag. Solange nach wie vor viele soziale Einrichtungen aus finanziellen Gründen von der Schließung bedroht seien, sei das Projekt "Hohn gegenüber den hilfsbedürftigen Menschen dieser Stadt". Zuvor hatten mehrere Medien berichtet, dass die Kunstkommission der Kulturbehörde dem Künstler Boran Burchhardt Geld für sein Projekt einer vergoldeten Hauswand bewilligt hatte.

Auf dpa-Anfrage verteidigte Burchhardt sein Vorhaben: "Der Sinn des Projektes ist Kommunikation." Es gehe darum, Wirkung zu erzielen für einen Stadtteil, der sonst oft in einem negativen Kontext auftauche. "Was für mich entscheidend ist, dass Veddel und Gold in einem Zusammenhang genannt werden", erklärte der Künstler. Aus der Kunst-Szene habe er schon viel positive Rückmeldungen bekommen.

Es ist die Aufgabe von Kunst zu provozieren

Nach Ansicht des SPD-Vizefraktionschefs in Hamburg-Mitte, Klaus Lübke, passt die Vergoldung der Hauswand überhaupt nicht zum Stadtteil und ist überflüssig. "Die großbürgerliche Sicht auf die arme Veddel hat der Stadtteil nicht nötig", sagte der Politiker, der auf der Veddel lebt. "Die Leute wohnen gerne hier." Die mehr als 85.000 Euro kommen aus einem Topf für Kunst im öffentlichen Raum. Das sei ein feststehender Etat, erklärte der Sprecher der Kulturbehörde, Enno Isermann. Es sei absolut unüblich, dass seine Behörde die Entscheidung der Kunstkommission anzweifele. "Es ist auch Aufgabe von Kunst zu provozieren und für Diskussionen zu sorgen."

Burchhardt ist derzeit Quartierskünstler auf der Veddel. Er ist selbst Mitglied der Kunstkommission, durfte aber nicht an der Abstimmung teilnehmen. Die Arbeiten an dem Mehrfamilienhaus sollen im März 2017 beginnen und werden nach Schätzung des Künstlers etwa zwei Monate dauern. Verwendet werden solle 23,5 Karat Doppel-Rollengold.

Falches Signal an die Bürger?

"Das ist ein falsches Zeichen", monierte Michael Osterburg, Grünen-Fraktionschef im Bezirk Mitte. So viel Steuergeld für die Vergoldung einer Hausfassade auszugeben, sei den Bürgern nur schwer zu vermitteln.

Die Eigentümerin, die städtisches Wohnungsbaugesellschaft Saga GWG, hatte der Aktion zugestimmt. Die Saga begrüße die Aufmerksamkeit, die durch die Quartierskünstler auf der Veddel erreicht werde, sagte Sprecher Michael Ahrens. "Kunst und Kultur bringen Menschen zusammen, regen zu Diskussionen an und stärken die Identifikation mit dem Quartier."

lno

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