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Drogenschmuggler setzen auf "Koks"-Bagger

Festnahmen im Hamburger Hafen Drogenschmuggler setzen auf "Koks"-Bagger

Auf dem europäischen Drogenmarkt winkt ihnen ein Milliardengeschäft: Da wollen Kokainschmuggler nicht kleckern, sondern klotzen. Innerhalb eines Monats entdecken Zöllner im Hamburger Hafen gleich drei große "Koks"-Sendungen in Baumaschinen aus Brasilien.

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Plastikbeutel mit insgesamt 26 Kilogramm Kokain liegen versteckt im Motorraum eines Baufahrzeuges aus Brasilien. Der Bagger sei zusammen mit 48 weiteren Baufahrzeugen auf einem Frachter nach Hamburg transportiert worden.

Quelle: Hauptzollamt Hamburg-Hafen/dpa

Hamburg. "Grande Brasile", "Grande Atlantico", "Grande Amburgo": drei Schiffsnamen, die den Schmuggelweg von mehr als 300 Kilogramm Kokain beschreiben. Auf jedem der drei Frachter entdeckte der Zoll im Februar und März größere Mengen des Rauschgifts. Es war jeweils in Baumaschinen aus Brasilien versteckt.

Der erste und größte Schlag gelingt den Behörden am 26. Februar. Der Frachter "Grande Brasile" schippert noch vor der Elbmündung, als er von der Besatzung eines Zollschiffs kontrolliert wird. In einer der geladenen Baumaschinen stellen die Beamten 96 Kilo Kokain sicher. Im Hamburger Hafen wird das Schiff von Kollegen weiter kontrolliert. Dabei kommen noch einmal 20 Kilo in den Maschinen zutage.

Über den Seeweg nach Europa

Drei Wochen später spüren die Zöllner den nächsten "Koks"-Bagger auf: Der Frachter "Grande Atlantico" ist ihnen in einer Risikoanalyse aufgefallen. Nach dem Festmachen in Hamburg finden sie im Motorraum eines Bulldozers 26 Kilo reinstes Kokain, abgepackt in genau den gleichen Plastikbeuteln wie zuvor. Und noch einen weiteren Fund machen die Zöllner wenige Tage darauf in Emden: Auf der "Grande Amburgo" erschnuppern Drogenspürhunde 90 Kilo Kokain in einer Straßenbaumaschine. Ganz neu ist die Bagger-Tour für die Beamten nicht: Schon im Sommer vergangenen Jahres habe es einen ähnlichen Fund von 100 Kilo in Baumaschinen gegeben, sagt der Sprecher des Hamburger Zollfahndungsamtes, Stephan Meyns.

Nach Angaben von Europol kommt in jüngster Zeit Kokain vermehrt über Brasilien. Die europäische Polizeibehörde deutet das als Indiz, dass Bolivien und Peru als Produktionsländer an Bedeutung gewinnen. Anders als Kolumbien haben sie keinen direkten Zugang zum Atlantik. Größere Mengen kommen vor allem auf dem Seeweg nach Europa. "Eine massive Bedrohung auf diesem Gebiet scheint von der Zunahme des Kokainschmuggels in Seecontainern auszugehen", schreibt Europol in einem neuen Bericht. Die EU ist für die Dealer attraktiv. "Mit einer geschätzten Marktgröße von über 5,7 Milliarden Euro (...) ist Kokain das am häufigsten konsumierte Stimulans in Europa", heißt es.

Kokain in Brustimplantaten

Einige Drogenschmuggler scheuen keinen Aufwand, um ihre Ware nach Deutschland zu bringen. Vor dem Hamburger Landgericht stehen zurzeit zwei Männer, denen vorgeworfen wird, Kokain in Grillkohlebriketts geschmuggelt zu haben. Am Frankfurter Flughafen schnappte der Zoll Anfang März eine Kolumbianerin mit einem Kilo Kokain in ihren Brustimplantaten. Der Sprecher des Hauptzollamts Hamburg, Udo Storch, kann sich an einen Pistazienfund erinnern. Jeweils ein Gramm Kokain sei in eine der kleinen Nüsse gefummelt worden.

Meist sind die Kriminellen aber nicht so arbeitsam. Sie verpacken das Rauschgift einfach in einer Sporttasche, die sie hinter die Tür eines bereits abgefertigten Containers legen. Am Zielhafen holt der Empfänger oder ein Bote die Tasche aus der Stahlbox. Der Zoll spricht vom Rip-off-Verfahren. "Das ist die beliebteste Schmuggelmethode", sagt Storch. Das Problem dabei: Wenn ein Schiff plötzlich umgeleitet wird, kann der Schmuggel leicht auffliegen.

Rund 115 Kilogramm Kokain - versteckt in Baumaschinen - hat der Hamburger Zoll im Februar 2016 auf einem Schiff aus Brasilien entdeckt.

Quelle:

Im vergangenen September entluden Mitarbeiter eines Logistikunternehmens in Wörth (Rheinland-Pfalz) einen Seecontainer mit Motorteilen aus Brasilien, der über Antwerpen kam. Dabei entdeckten sie rund 300 Kilo Kokain in neun Sporttaschen. "Vermutlich ist es den Tätern nicht gelungen, das Kokain im Hafen von Antwerpen zu bergen, bevor der Container weiter nach Wörth transportiert wurde", teilte das Landeskriminalamt in Mainz mit.

Kokain-Fund steigt an

Pech können Schmuggler haben, die logistische Fragen allzu leicht nehmen: Schon mehrfach tauchten in den vergangenen Jahren Kokainpäckchen in Bananenkartons auf. Spätestens im Supermarkt fällt die ungesunde Lieferung auf, wie im vergangenen Jahr in Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Mitte Februar wurden Arbeiter beim Umladen der Früchte in Bremerhaven stutzig und schalteten die Fahnder ein. Ergebnis: In den Kartons kamen Sporttaschen mit 125 Kilogramm Drogen zu Vorschein.

2014 stellten die deutschen Zollbehörden laut Jahresstatistik 1233 Kilogramm Kokain sicher. Das war 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahlen für 2015 will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Montag in Berlin bekannt geben. Der Hamburger Zoll präsentiert seine Jahresbilanz am Mittwoch.

lni

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