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Der Norden Fipronil-Skandal: Eier werden knapp
Nachrichten Der Norden Fipronil-Skandal: Eier werden knapp
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09:52 12.10.2017
Es reicht nicht: Die Eierlieferanten müssen teure Ware aus dem Ausland hinzukaufen. Quelle: dpa
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Osnabrück

Das Geschäft mit Frühstückseiern macht vielen Legehennenhaltern derzeit keinen Spaß, und das, obwohl die Ware knapp und damit teuer ist. Denn um die Lieferverträge mit dem Lebensmitteleinzelhandel erfüllen zu können, müssen die Eierlieferanten teure Ware aus dem Ausland hinzukaufen. Und da die Preise mit den Einzelhandelsriesen wie Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka vertraglich festgelegt sind, müssen sie den Preisunterschied aus eigener Tasche zahlen.

„Die Eierpreise auf Großhandelsebene sind schon deutlich gestiegen“, sagt die Expertin Margit Beck von der Marktinfo Eier und Geflügel in Bonn. Sie hat jüngst Preissteigerungen von um die 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr beobachtet. Aber diese Preise gelten nur für den freien Markt. „Wenn Sie als Lieferant eine Vereinbarung mit dem abnehmenden Handel geschlossen haben, Eier zu festen Preisen zu liefern, dann gelten die auch weiterhin.“ Die Erzeuger, die ein paar Eier übrig haben und am freien Markt verkaufen können, verdienen am Markt Geld. „Diejenigen, die im Moment zukaufen und zu den alten Preisen an den Handel verkaufen müssen, die haben ein Problem“, sagt Beck.

180 Betriebe in Niedersachsen waren gesperrt

Freuen dürfen sich im Moment die Verbraucher, denn wegen der Lieferverträge werde der Einzelhandel bevorzugt beliefert. Die Verbraucherpreise sind im Moment relativ stabil, die Regale gefüllt. Die Preise könnten sich aber ändern, denn jetzt laufen die Verhandlungen über Kontrakte fürs nächste Jahr. „Da haben die Anbieter die Chance, einen etwas höheren Preis zu generieren“, sagt die Marktexpertin. Der Handel dürfte das erfahrungsgemäß an die Verbraucher weitergeben. Die Folge: Nächstes Jahr werden die Eier vermutlich etwas teuerer.

Grund für den Eier-Engpass sind Nachwirkungen des Fipronil-Skandals. In der Folge wurden bis zu 180 Legehennenbetriebe in den Niederlanden gesperrt. Experten rechnen damit, das bis weit in das Jahr 2018 hinein etwa 30 Prozent der Eierproduktion in dem Nachbarland ausfallen werden. Nun sind aber die Niederlande auch der größte Eierimporteur nach Deutschland. Deutsche Betriebe können nur knapp 70 Prozent der Nachfrage im Inland befriedigen. Das macht die Eier im Moment sehr knapp, zumal auch Polen, Belgien und Italien mit den Nachwirkungen der Fipronil-Krise zu kämpfen haben.

Den Wettbewerb um die knappe Ware Ei dürfte im Moment auch die eierverarbeitende Nahrungsmittelindustrie spüren. Die Branche habe gerade große Mengen Eier aus Bodenhaltung aus dem Ausland bekommen, sagt Aline Veauthier, Geschäftsführerin des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft an der Uni Vechta.

Kunden schauen, wie Tiere gehalten werden

Aus ihrer Sicht hat der Fipronil-Skandal bislang für die Verbraucher so gut wie keine Auswirkungen gehabt. Das Kaufverhalten habe sich wieder schnell stabilisiert, nachdem klar war, dass mit den Fipronil-Eiern nach Expertenansicht keine gesundheitlichen Gefahren verbunden waren. Vielleicht seien die Verbraucher inzwischen ein wenig achtsamer und sensibler geworden und achteten mehr darauf, wo die Eier herkommen. Auffallend sei, dass die Direktvermarktung zugenommen habe: „Einige Leute sind direkt zum Hof gefahren, haben geguckt, wie werden die Tiere gehalten und kaufen dort ihre Eier.“

Für die Eierbranche in Deutschland ist die Situation derzeit alles andere als rosig. In Deutschland verliert der Eierhandel mit den bestehenden Kontrakten gerade 30 bis 40 Millionen Euro, meint Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft. „Wir hoffen auf die Solidarität des Lebensmitteleinzelhandels und die Öffnung beziehungsweise Anpassung von Kontrakten“, sagt er.

Das sind alles Probleme, die die Akteure hinter den Kulissen bewältigen müssen. Aber: Die Märkte im Lebensmittelbereich seien im Grunde gut versorgt, sagt Marktexpertin Beck. „Ich erwarte keine leeren Regale, auch nicht bei den verarbeiteten Produkten“, sagt sie.

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