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„Herr Schweiger soll mit uns trainieren“

Fitnessraum für Flüchtlinge „Herr Schweiger soll mit uns trainieren“

Nachdem sein Projekt in Osterode scheiterte, förderte der Schauspieler Til Schweiger ein Flüchtlingsheim in Osnabrück. Dort ließ er einen Fitnessraum mit 20 Geräten anlegen. Asylsuchende wie der 28-jährige Iraker Achmed trainieren nun dort mit Langhantel und Armpresse.

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Ablenkung vom Alltag: Im von Til Schweiger bezahlten Fitnessraum im Flüchtlingshaus Osnabrück fließt der Schweiß.

Quelle: Alexander Körner

Osnabrück. Achmed presst die Lippen fest aufeinander. Der 28-jährige Iraker sammelt seine Kräfte und wuchtet die Langhantel hoch. Neben ihm sitzt der 17-jährige Achiad aus Syrien an der Armpresse.Regelmäßig trainieren die beiden in dem Fitnessraum im Flüchtlingshaus Osnabrück. Hier können sich die Asylsuchenden vom Alltag in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes ablenken. 20 Geräte stehen dafür auf dem Gelände am Natruper Holz in einer provisorisch eingerichteten Fahrzeughalle zur Verfügung. Sie wurden von der Til-Schweiger-Foundation angeschafft.

Im Fitnessraum im Flüchtlingshaus Osnabrück wird regelmäßig trainiert. Hier können sich die Asylsuchenden vom Alltag in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes ablenken. 20 Geräte stehen dafür auf dem Gelände am Natruper Holz in einer provisorisch eingerichteten Fahrzeughalle zur Verfügung - gesponsert von der Til-Schweiger-Foundation.

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Der Schauspieler war im Oktober vergangenen Jahres nach Osnabrück gekommen und hatte versprochen, die Erstaufnahmeeinrichtung zu unterstützen. Ursprünglich wollte er eine ehemalige Kaserne in Osterode im Harz zum „Vorzeigeflüchtlingsheim“ machen. Doch weil das Gebäude mit Schadstoffen belastet ist, legte Schweiger dieses Projekt auf Eis. In Osnabrück zeigte sich Schweiger damals berührt von den Schicksalen der Flüchtlinge: „Mich bewegt so etwas, weil ich mir vorstellen kann, was das für mich und meine Familie bedeuten würde“, sagte er. Mit seiner Stiftung plante Schweiger den Bau einer Kita sowie die Einrichtung eines Musikraums und eines Fitnessstudios. Er stellte 100 000 Euro zur Verfügung und holte Prominente ins Boot, darunter Musiker Thomas D., der ebenfalls 100 000 Euro spendete, und Bundestrainer Joachim Löw, der 25 000 Euro gab.

Noch 80 Flüchtlinge in der Einrichtung

Seit dem Schweiger-Besuch ist mehr als ein halbes Jahr vergangen. Und es ist einiges passiert in dieser Zeit. Viele Menschen aus vielen Ländern kamen und gingen, mittlerweile ist der Flüchtlingsstrom abgeebbt. Betrieben wird die Einrichtung von der Diakonie, die sich mit 45 Mitarbeitern um die Betreuung der Flüchtlinge kümmert. Derzeit leben nur noch rund 80 Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung, in der zu Hochzeiten weit über 600 Schutzsuchende Platz fanden. „Wir sind aber ganz glücklich darüber, dass wir schwächer belegt sind, weil das den Umbau erleichtert“, sagt Conrand Bramm, Leiter der Landesaufnahmestelle, die seit dem Bezug 2014 eine Großbaustelle ist.

Denn auf dem mehr als sieben Hektar großen Gelände des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses gibt es derzeit kaum eine Ecke, in der nicht Handwerker ihrer Arbeit nachgehen. Ehemalige Krankenzimmer werden zu Schlafzimmern für Flüchtlinge und Büros der Ausländerbehörde umgebaut. Eine Küche mit Speisesaal soll Bramm zufolge als Nächstes fertig gestellt werden, ebenso wie die Unterrichtsräume. Auch der Raum, in dem das Fitnessstudio eingerichtet werden soll, ist noch nicht fertig. Er soll in einem ehemaligen Therapieraum unterkommen. Das Schwimmbecken darin ist schon zubetoniert, an den Wänden hängen noch Kacheln.

Ein Spielhaus ist geplant

Seit Ende Januar kommt dreimal in der Woche ein Trainer in den Fitnessraum. Ali Bergmann ist einer davon. Er kam vor drei Jahren nach Deutschland, hat in der Ukraine einen Masterabschluss in Sportphysiologie gemacht. Die Arbeit bedeutet ihm viel, denn er weiß, wie es ist, in einem fremden Land zu leben. „Es ist schön zu sehen, dass die Leute gern herkommen“, sagt Bergmann, der vier Sprachen spricht. Es sei wichtig für sie, weil die Flüchtlinge sonst nur wenig Möglichkeiten hätten, sich zu verwirklichen.

Die Til-Schweiger-Foundation geht davon aus, dass in Zukunft noch viel mehr Menschen von ihren Projekten im Flüchtlingshaus profitieren werden. Deshalb verfolgt sie ihr Vorhaben in Osnabrück weiterhin: Auf dem ehemaligen Hubschrauberlandeplatz des Krankenhauses neben einem Spielplatz soll ein gut 300 Quadratmeter großes Spielhaus entstehen, eine Kindertagesstätte für Flüchtlinge. „Der Bedarf für die Kinderbetreuungseinrichtung wird nach wie vor als notwendig angesehen und es gibt seitens des Innenministeriums keinen Anlass, von dem Bauprojekt Abstand zu nehmen“, heißt es von der Stiftung. 500 000 Euro stellen sie und der Verein „Ein Herz für Kinder“ dafür bereit.

Achmed und Achiad haben derweil ihr Training beendet. Sie sind zufrieden - mit sich und dem Raum. Aber die Männer haben noch einen Wunsch: Der Schauspieler war seit Oktober nicht wieder da. Das finden sie schade. „Herr Schweiger soll mal mit uns trainieren“, sagt Achmed.

Von Isabell Rollenhagen

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