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Ritterhude-Unternehmer kassiert wieder Fördergeld

Nach Explosion von Chemiefirma Ritterhude-Unternehmer kassiert wieder Fördergeld

Der Inhaber der Firma Organo-Fluid in Ritterhude bekommt Fördergeld für sein anderes Unternehmen - obwohl die Ermittlungen noch laufen. Vor zwei Jahren zerstörte eine Explosion das Gelände. Ein Mitarbeiter starb, mehrere Häuser in der Umgebung wurden massiv beschädigt.  

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Das Gelände der Chemie-Entsorgungsfirma in Ritterhude. 

Quelle: Carmen Jaspersen

Osterholz/Hannover. Von den Trümmern ist nichts mehr zu sehen. Die zerrissenen Wände, die bröckelnden Mauern - alles ist weg. „Hier ist jetzt nur noch eine Grünfläche“, sagt Uwe Vanester über das Grundstück in seiner Nachbarschaft im Ort Ritterhude (Kreis Osterholz). Früher stand an diesem Ort die Chemie-Entsorgerfirma, bevor eine  gewaltige Explosion das Gebäude vor fast genau zwei Jahren zerstörte. Ein Mitarbeiter starb, mehrere Häuser in der Umgebung wurden massiv beschädigt, auch das von Uwe Vanester. 

Eine schwere Explosion erschütterte am Dienstagabend den Ort Ritterhude bei Bremen. Ein Mann wurde verletzt aus den Trümmern gerettet - die umliegenden Häuser sind durch die Explosion teilweise einsturzgefährdet.

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400.000 Euro Fördergelder

Die Schäden sind mittlerweile beseitigt, doch um den Inhaber von Organo-Fluid gibt es neue Irritationen: Eine zweite Firma des Mannes, die ebenfalls im Landkreis Osterholz liegt, hat gerade erst Fördergelder vom Bund erhalten. Anwohner in Ritterhude und auch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) sehen das kritisch. Rund 400.000 Euro hat diese zweite Firma erhalten, die im Gewerbegebiet von Osterholz-Scharmbeck angesiedelt ist. Damit werde ein Projekt zur Entwicklung energieeffizienter Trenntechnik in der Chemieindustrie gefördert, teilte das Bundeswirtschaftsministerium auf Anfrage mit.

Anders als Organo-Fluid hat dieses Unternehmen nichts mit der Entsorgung giftiger Chemieabfälle zu tun, sondern es baut die Anlagen für die Entsorgung. Deshalb sah das Bundeswirtschaftsministerium auch keinen Grund, die Förderung zu versagen: „Soweit laufende Ermittlungen nicht in Zusammenhang mit einem konkreten beantragten Vorhaben stehen, beeinflussen sie die Förderwürdigkeit von Antragstellern grundsätzlich nicht“, teilte eine Sprecherin mit.

Umweltminister Stefan Wenzel ist irritiert

Vanester findet den Förderbescheid des Bundeswirtschaftsministeriums dagegen „unmöglich“. Man müsse sich überlegen, dass gegen den Inhaber noch Ermittlungen liefen. Auch Umweltminister Stefan Wenzel zeigte sich irritiert: „In Berlin zeigt man kein Problembewusstsein. Noch steht die Unfallursache nicht fest und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an. In dieser Situation wird das völlig falsche Signal gegeben. So trägt man nicht zur Vertrauensbildung bei“, sagte der Minister. Auch der CDU-Umweltpolitiker Martin Bäumer wundert sich über die Förderung: Das Bundesministerium habe mit seinem Geld ein bestimmtes innovatives Verfahren fördern wollen. „Aber ich habe nicht den Eindruck, dass dieses Verfahren wirklich neuartig ist.“

Ermittlung wegen Verdacht auf fahrlässige Tötung

Die Staatsanwaltschaft Verden ermittelt nach der Explosion wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, des unerlaubten Betreibens von Anlagen sowie der Bestechung und der Bestechlichkeit. Es steht der Verdacht im Raum, dass auf dem Gelände der Entsorgungsfirma in Ritterhude mehr brennbare Flüssigkeit gelagert und die Verbrennungsanlagen stärker betrieben worden waren als erlaubt. Die Korruptionsvorwürfe richten sich gegen die Geschäftsleitung der Firma und einen Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamts in Cuxhaven.

"Das ist keine Chemiefirma"

Marco Prietz, Sprecher des Landkreises Osterholz, betont, dass die nun geförderte Firma mit der zerstörten Organo-Fluid nichts zu tun hatte. „Das ist keine Chemiefirma.“ Tatsächlich habe die Firma in Osterholz-Scharmbeck bereits vor der Explosion in Ritterhude bestanden. Sie sei spezialisiert auf Reparatur, Wartung und Bau von Entsorgungsanlagen, hantiere aber nicht mit gefährlichen Flüssigkeiten. Auf dem Unternehmensgelände habe es einige Umbauten gegeben, die auch vom Landkreis genehmigt worden seien. Dazu sei der Kreis verpflichtet, wenn die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt seien, so Prietz.

Doch den Anwohnern machen die Aktivitäten auf dem neuen Firmengelände Sorgen: Sie befürchten, dass die Firma schrittweise die Entsorgungsarbeit der alten Organo-Fluid übernehmen soll. Dem widerspricht Prietz entschieden: „Es gibt keinen Antrag der Firma, diese Anlage anders zu nutzen, als das im Moment geschieht.“

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