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Der Norden Online bestellen, auf dem Markt abholen
Nachrichten Der Norden Online bestellen, auf dem Markt abholen
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00:15 13.12.2015
Von Gabriele Schulte
„Wir wollen das Image des alten Bauern in die Moderne holen“: Imker David Zehle (großes Bild) verkauft seinen Honig bald online. Bisher ist er auf Märkten wie dem von Food Assembly-Initiator Hermann Osmers unterwegs (re.). Fotos: privat
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Thedinghausen

„Bald soll es hier bei uns auf dem Hof losgehen“, sagt der 59-Jährige. Motto: Regelmäßig „dem Bauern die Hand schütteln“.

Das Prinzip funktioniert so: An regionalen Produkten interessierte Kunden bestellen über das Internet eine konkrete Menge bestimmter Lebensmittel. Landwirte kommen damit an regelmäßigen „Versammlungstagen“ zum Treffpunkt, das kann ein Bauernmarkt oder ein Hofladen sein. Vorteil für die Lieferanten: Sie verkaufen garantiert etwas und müssen am Ende nichts wegwerfen.

Der Familienbiobetrieb von Osmers im Ortsteil Eißel, rund 20 Kilometer südöstlich von Bremen, veranstaltet bereits monatlich einen Bauernmarkt und bietet selbst Rindfleisch und Käse an. Die sich nun gründende „Lebensmittelversammlung“ soll das Angebot deutlich erweitern. Denn auch kleinere Lieferanten, für die sich eine Marktbeschickung sonst nicht unbedingt auszahlt, erhalten hier eine Chance. Wenn ihr Absatz durch verbindliche Internetbestellungen vorab garantiert ist, bleiben sie nicht auf der Ware sitzen.

Das Image des Bauern in die Moderne holen

In Thedinghausen werden unter anderem der Schäfer Kay Trinler und der Imker David Zehle aus Kirchweyhe mit im Boot sein. „Das Interesse bei jungen Familien und anderen Kunden, mit denen ich gesprochen habe, ist groß“, meint der 33-jährige Elektrotechniker Trinler, der im Nebenerwerb 70 Bentheimer Schafe hält und zurzeit auf Bio umstellt. Er selbst als Verkäufer freue sich, dabei kein großes Verkaufsrisiko tragen zu müssen. Der 36 Jahre alte Nebenerwerbsimker Zehle ergänzt: „Wir wollen das Image des alten Bauern in die Moderne holen.“

Zehle betreut zurzeit im Nebenerwerb rund 50 Bienenvölker in und um Kirchweyhe. Er würde gern auf mehr als 200 Völker erweitern und will die Vermarktung des Honigs, zurzeit in Bioläden und „an der Haustür“, mithilfe der Food Assembly erweitern. Um mit importierten Billigwaren der Discounter konkurrieren zu können, müssten die hiesigen Produzenten „den Kunden ein Stück näher kommen“ und ihnen auf Nachfrage die Herstellungsweise erklären, sagt der Imker.

Food Assemby: Ein wachsendes Netzwerk

Die Idee der Food Assembly entstand 2010 in Frankreich. Dort gibt es mittlerweile mehr als 700 Gruppen. Andere Länder folgten, darunter Deutschland mit zurzeit 19 Gruppen, die meisten in Großstädten. Die Initiative in Thedinghausen (Kreis Verden) ist die erste in Niedersachsen.

Die Kunden sollen ein größeres Angebot vorfinden, bekommen, was sie bestellt haben, und müssen nicht verschiedene Läden oder Märkte aufsuchen. Auch bei der Landwirtschaftskammer hält man diese moderne Verkaufsweise für eine gute Idee. „Das kann ein optimierter Bauernmarkt werden“, meint Sabine Hoppe, in Oldenburg Beraterin für Direktvermarkter.

Die „Versammlungen“ könnten vom derzeit recht großen Interesse an Lebensmitteln aus der Region profitieren. Manche vergleichen sie mit Genossenschaften. Doch es gibt einen Unterschied: Wer sich als Mitglied einer Assembly einträgt, muss dafür nicht zahlen. Die Assembly in Thedinghausen wirbt derzeit um Kunden, die sich an der Onlinebestellung beteiligen wollen. Rund 40 müssten es Berechnungen zufolge mindestens sein – damit die „Versammlung“ sich für alle lohnt.

gs

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