Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
"Eine Brutalität der Tat, die besonders ist"

Mann schleift Frau an Strick hinter Auto her "Eine Brutalität der Tat, die besonders ist"

Ein brutales Verbrechen erschüttert Hameln: Ein 38-Jähriger hat seine Lebensgefährtin mit einem Seil um den Hals hinter seinem Auto durch die Innenstadt geschleift. Die 28-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt. Der mutmaßliche Täter stellte sich der Polizei. 

Königstraße, Hameln 52.099561 9.36829
Google Map of 52.099561,9.36829
Königstraße, Hameln Mehr Infos
Nächster Artikel
Haftstrafe für 88-jährige Holocaust-Leugnerin

Polizisten bei der Spurensicherung in Hameln.

Quelle: Polizei

Hameln. Das etwa fingerdicke Seil legt der Mann um den Hals der Frau, das andere Ende des Stricks knotet er an die Anhängerkupplung seines Autos. Dann gibt er kräftig Gas – und schleift die 28-Jährige am frühen Sonntagabend durch die Straßen der Rattenfängerstadt Hameln. Die Frau wird dabei lebensgefährlich verletzt und später in eine Klinik nach Hannover geflogen. Sie ringt um ihr Leben.

Ein brutales Verbrechen erschüttert Hameln: Eine junge Frau ist mit einem Strick um den Hals an ein Auto gebunden und durch die Straßen der Stadt geschleift worden.

Zur Bildergalerie

Die Polizei in Hameln und die Staatsanwaltschaft in Hannover gehen von einer Beziehungstat aus: Der 38-Jährige und die zehn Jahre jüngere Frau haben ein gemeinsames Kind, leben aber offenbar getrennt voneinander und waren in ständigem Streit. Die 28-Jährige überlebte wohl nur, weil sich das Seil nach etwa 250 Metern in einer Rechtskurve löste. „Man kann hoffen, dass ihr das das Leben retten wird“, sagte gestern der hannoversche Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Der mutmaßliche Täter wurde am Montagnachmittag einem Ermittlungsrichter am Hamelner Amtsgericht vorgeführt, der ihn in Haft nehmen ließ. Die Tat ist selbst in den Augen des erfahrenen Oberstaatsanwalts Klinge „von einer Brutalität, die besonders ist“. Die Staatsanwaltschaft ermittelt darum auch wegen versuchten Mordes. „Es ist eine Tat, wie ich sie jedenfalls in Hannover so noch nicht kennengelernt habe“, sagt Klinge.

Polizei geht von Beziehungstat aus

Passanten hatten die junge Frau am Sonntagabend schwer verletzt und stark blutend auf einem Bürgersteig in der Hamelner Kaiserstraße gefunden, nicht weit von Bahnhof und Innenstadt entfernt. Nach Angaben der Hamelner „Deister- und Weserzeitung“ wollen Zeugen auch Stichverletzungen gesehen haben. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten dies zunächst nicht. „Spekulationen verbieten sich bei so einer schlimmen Tat“, sagte Oberstaatsanwalt Klinge.

Die ehemalige Lebensgefährtin des Mannes wurde zunächst in Hameln operiert und dann mit dem Rettungshubschrauber nach Hannover geflogen. Dort wurde sie erneut operiert und in ein künstliches Koma versetzt. Der 38-Jährige aus dem unweit von Hameln gelegenen Bad Münder tauchte kurz nach der Tat auf einer Polizeiwache in Hameln auf und ließ sich dort widerstandslos festnehmen. Zu Motiv seiner Tat schwieg er aber.

Täter und Opfer gehören zwei Großfamilien an

Nach Angaben des Hamelner Polizeisprechers Jens Petersen sind Täter und Opfer Deutsche kurdischer Abstammung. Auch wenn die genauen Hintergründe der Tat noch im Dunkeln liegen, ist sich die Polizei in einem Punkt relativ sicher: „Wir gehen von einer Beziehungstat aus“, sagt Petersen. Der mutmaßlicher Täter und sein Opfer gehören zwei Großfamilien an. Wohl vor diesem Hintergrund wurde die Frau unter Polizeischutz gestellt. Zu ihrem Schutz gibt die Polizei auch nicht preis, wo genau die 28-Jährige behandelt wird.

Beide sind Deutsche mit kurdisch-türkischer Abstammung. Sie gehören demnach nicht der Gruppe der M-Kurden an, die in der Vergangenheit für schwere Auseinandersetzungen mit der Hamelner Polizei gesorgt hatten, wie die Polizei betonte.

Offenbar befürchten die Behörden Racheakte. Das Polizeirevier, auf dem sich der Täter gestellt hatte und das Gebäude des Zentralen Kriminaldienstes, wo der Mann später vernommen wurde, wurden von Einheiten der Bereitschaftspolizei geschützt. An beiden Orten hatten sich schnell Familienmitglieder versammelt. Die Polizei bewachte auch den Eingang der Klinik in Hameln und verwehrte Familienmitgliedern den Zutritt.

Stadtsprecher: Hameln ist erschüttert

In Hameln reagierten viele Menschen nach Angaben von Stadtsprecher Thomas Wahmes erschüttert auf die Tat. Auch Wahmes selbst zeigt sich entsetzt: „Es ist schwer zu begreifen, dass ein solches Verbrechen hier nur wenige Straßen vom Rathaus entfernt begangen wurde“, sagt er.

Hinweise zur Tat nimmt die Polizei Hameln unter 05151 / 933-222 entgegen. 

Von Frerk Schenker und Karl Doeleke

Nachgefragt bei Helmut Kury, Gründungsdirektor Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen

„So ein Hass baut sich lange auf“

Herr Kury, haben Sie als langjähriger Kriminologe von so einer brutalen Tat schon einmal gehört?

Das ist wahrlich Stoff für einen Tatort-Krimi.

Was sagt so ein Gewaltexzess über den Täter und die Hintergründe der Tat?

Die erste Frage, die man stellen muss, lautet: Ist der Mann schizophren und hat ihm eine Stimme befohlen, die Frau zu töten? Das kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen.

Warum?

Der entscheidende Punkt ist: Es handelt sich offenbar um eine Beziehungstat, und das Opfer und der mutmaßliche Täter stammen anscheinend aus kurdischen Großfamilien. Vielleicht wollte er der anderen Familie ein Zeichen geben. Daher die Öffentlichkeit der Tat.

Und warum diese unglaubliche Brutalität?

So ein Hass baut sich über Wochen und Monate auf, vielleicht auch länger. Er hätte die Frau ja auch in einer Kammer töten können. Stattdessen hat er die Frau durch die Öffentlichkeit geschleift – schlimmer kann man es sich ja nicht vorstellen. Damit setzt er auch ein Zeichen: So lasse ich mit mir nicht umgehen. Vielleicht fühlte er sich gedemütigt, weil sie ihn verlassen hat und reagierte nach dem Motto: „Ich als Mann habe das Sagen, und wenn Du mich verlässt, dann bringe ich dich um.“ Man müsste aber wissen, wie die beiden Familien zueinander stehen, um Genaueres sagen zu können.

Interview: Karl Doeleke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Frau hinter Auto hergeschleift

Diese Tat hat keinen Menschen kalt gelassen: Mehrere Hundert Menschen haben in Hameln mit einer Mahnwache an das brutale Verbrechen an einer 28-Jährigen erinnert. Die Frau war am Sonntag von ihrem früheren Lebensgefährten mit einem Seil um den Hals an ein Auto gebunden und 250 Meter weit über die Straße geschleift worden.

mehr
Mehr aus Der Norden

Finden Sie, dass es momentan zu viele schlechte Nachrichten gibt? Das möchten wir gerne ändern, und zwar mit Ihrer Hilfe. Gemeinsam mit dem NDR, den Kieler Nachrichten, der Ostsee-Zeitung in Rostock und dem Hamburger Abendblatt sammeln wir die guten Nachrichten der Leser und Hörer. Teilnehmer können einen exklusiven Besuch der Elbphilharmonie in Hamburg gewinnen.  mehr

So schön ist Niedersachsen aus der Luft

Von Harz über Heide bis zur Nordsee: Die schönsten Luftaufnahmen von Niedersachsen.

Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Eislandschaften in Niedersachsen

Mit der Kamera festgehalten: Frostiges Niedersachsen bei Minusgraden.