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Ein bisschen mehr Lässigkeit am Elbdeich

Kreis Lüneburg Ein bisschen mehr Lässigkeit am Elbdeich

Seit die kleine Gemeinde Hohnstorf im Kreis Lüneburg an der Elbe eine Boule-Bahn hat, kommen jeden Abend Menschen zum Fluss, ob aus dem Dorf oder von weiter her. Das französische Pétanque-Spiel findet dort immer mehr Freunde – und nicht nur dort, sondern in ganz Niedersachsen.

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„Der ideale Sport“: Andreas Neubert, Klaus Theuerkauf und Siggi Schiemenz (von links).

Quelle: Carolin George

Hohnstorf. Wenn es klack, klack macht am Elbdeich, dann wissen die Nachbarn: Sie sind wieder da, die Leute mit den silbernen Kugeln in den Händen, die sie dann in dieser lässigen Art auf das Spielfeld werfen. Seit die kleine Gemeinde Hohnstorf an der Elbe (Kreis Lüneburg) eine Boule-Bahn hat, kommen jeden Abend Menschen zum Fluss, ob aus dem Dorf oder von weiter her. Das französische Pétanque-Spiel findet dort immer mehr Freunde – und nicht nur dort, sondern in ganz Niedersachsen. Die Anzahl der Vereine hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Immer mehr Aktive

Boule hat in den vergangenen Jahren etliche neue Anhänger gefunden. Die Zahl der Vereine in Niedersachsen hat sich von 2006 bis 2016 mehr als verdoppelt – von 54 auf 126. Die Zahl der Aktiven ist im selben Zeitraum von 1341 auf 3035 gestiegen. Mehr als 1700 Spieler besitzen eine Lizenz für Liga und Landesmeisterschaften, vor zehn Jahren waren es lediglich 914. Bei den Landesmeisterschaften spielten 2016 mehr als 1400 Frauen und Männer mit, 2006 waren es noch 631.
Als Erklärung für den Boule-Trend hat Wilfried Falke, Präsident des Niedersächsischen Pétanque-Verbandes, unter anderem die demografische Entwicklung ausgemacht. „Boule ist eine Sportart, mit der man auch im hohen Alter nicht aufhören muss“, sagt er. „Wer Blut geleckt hat, will irgendwann auch Liga und Wettkämpfe spielen. Darum haben wir in allen Bereichen sehr viel Zulauf.“
Niedersachsens Pétanque-Hochburgen liegen im Raum Bad Nenndorf an der niederländischen Grenze und insbesondere im Raum Hannover: Mehr als 25 Vereine tummeln sich dort, zum jährlichen Boule-Festival reisen zu Pfingsten stets um die 1500 Teilnehmer in die Herrenhäuser Gärten. Am kommenden Wochenende läuft in Schüttorf die deutsche Meisterschaft Triplette, am 9. Juli starten in Hannover die Landesmeisterschaft Mixte. cg

Klaus Theuerkauf trägt Strohhut und weiße Hose zum knallgrünen Polohemd, und wer den Platz an der Elbe zum ersten Mal betritt, den lädt er zu einem Plausch auf einer der zahlreichen Bänke ein. Wer diesen Herren am Elbdeich trifft, lernt einen Mann kennen, der nicht nur selbst begeistert ist von dem, was hier entstanden ist, sondern auch andere davon begeistern kann. Der selbstständige Marketing-Mann weiß, wie sich aus einer Idee ein Trend machen lässt. Und wie es zu finanzieren ist: Er suchte Spender und fand sie.

Ein echter Geheimtipp

„Wir haben dem Platz eine Seele gegeben“, sagt der 74-Jährige, und seine Augen leuchten. „Aus dem Platz wird nach und nach ein echter Park.“ Für Bäume und eine Hecke als Windschutz hat der findige Werber Geldgeber gefunden, die Beine für die Bänke hatte Boule-Kollege Andreas Neubert noch bei sich zu Hause, und wer das Holz bezahlt hat, kann seinen Namen auf Messingschildern auf den Bänken lesen.
Mittlerweile liegt hier an der Elbe ein echter Geheimtipp in Sachen Pétanque: 28 Bahnen mit Blick auf den Deich. Und wenn Theuerkauf in einer ruhigen Minute während einer Spielpause umherblickt, dann sagt er: „Das ist ein Traum. Ein echter Traum.“ Dabei hatte alles eher zufällig angefangen, mit einer fixen Idee fürs Gemeindefest im Jahr 2012. Der Bürgermeister wünschte sich, den Ort aufzuhübschen, und jemand kam auf die Idee, man solle auch Boule spielen können an jenem Tag. Eine Hand voll Spieler warfen schließlich Kugeln auf dem einfachen Sandplatz, mehr nicht. Doch dabei blieb es nicht. Immer mehr Menschen kamen regelmäßig abends an den Deich und trafen sich nach französischer Art zum gemeinsamen Feierabendspiel.

Inzwischen haben die Pétanque-Freunde auch eine Gemeinschaftskasse: 20 Euro freiwilligen Kostenbeitrag zahlen die etwa 40   Mitglieder der Boule-Gemeinschaft „Faire les boules“ jedes Jahr in den gemeinsamen Topf, Theuerkauf hat ein Logo entwickelt und der Gruppe einen sympathischen Franzosen als Maskottchen verpasst. Doch ein Verein ist die Gruppe nicht, und der Platz gehört weiterhin der Samtgemeinde. Einen Zaun gibt es auch nicht, und so ist der Hohnstorfer Boule-Park öffentlich zugänglich. Jeder kann dort spielen, ob Gruppenmitglied oder nicht, ob Dorfbewohner oder Besucher.

Boule-Platz in Hohnstorf: 28 Bahnen mit Blick auf den Deich.

Quelle: Carolin George

Für die meisten von ihnen ist Boule eine ideale Bewegungsform, weil andere Sportarten nicht mehr möglich sind. Siggi Schiemenz zum Beispiel ist lungenkrank, „viel draußen zu sein ist genau das Richtige für mich“, sagt der 55-Jährige. Renate Klitzing, 67, kommt von der anderen Seite der Elbe nach Hohnstorf, um hier Kugeln zu werfen. „Zwar spiele ich auch bei uns in Boitzenburg, aber der Platz hier ist einfach schön. Ich habe Bandscheibenprobleme, und Boule ist nicht zu anstrengend. Der ideale Sport für mich.“ Ihre Mannschaftskollegin hat neue Knie, auch sie schwört auf das Spiel: Es zehrt nicht aus und ist nicht langweilig – wenn man strategisch spielt.

Treue Gemeinschaft

Theuerkaufs Mannschaftskollege Andreas Neubert hat vier Operationen an den Bandscheiben hinter sich, seine Frau leidet an Multipler Sklerose. „Boule spielen können wir trotzdem. Es ist ein Spiel für alle, auch mit Handicap“, sagt der 54-Jährige. „Durch die vielen Arbeitseinsätze sind wir eine tolle Gemeinschaft geworden und tragen sie im Herzen.

Kleine Regelkunde

Ziel beim Pétanque ist, eine Stahlkugel von einem Wurfkreis aus möglichst nah an der hölzernen Zielkugel zu platzieren, dem sogenannten „Schweinchen“. Dabei treten immer zwei Parteien gegeneinander an: zwei Einzelpersonen (Tête-à-Tête, jeder spielt mit drei Kugeln), Zweierteams (Doublette, jeder spielt mit drei Kugeln) oder Dreiermannschaften (Triplette, jeder spielt mit zwei Kugeln).
Eine Mannschaft wirft die Zielkugel zwischen sechs und zehn Meter weit und anschließend eine Stahlkugel so dicht wie möglich an das „Schweinchen“ heran. Dann ist die zweite Mannschaft am Zug. Sie darf so lange werfen, bis sie eine Stahlkugel dichter an der Zielkugel platziert hat als das erste Team. Dann wird wieder gewechselt, und die erste Mannschaft versucht, den Gegner zu übertreffen.
Die Mannschaft, die mit einer Kugel am dichtesten am „Schweinchen“ landet, gewinn die Runde. Sie bekommt so viele Punkte wie Kugeln besser liegen als die des Gegners. Wer als erstes 13 Punkte hat, gewinnt.

Von Carolin George

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Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
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