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Der Norden Fundstücke aus dem Römerlager in Hedemünden
Nachrichten Der Norden Fundstücke aus dem Römerlager in Hedemünden
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21:02 01.11.2012
„Das einzig bekannte Römerlager in Niedersachsen“: Archäologe Klaus Grote. Quelle: pid
Hedemünden

Als 2003 auf einem bewaldeten Bergrücken bei Hedemünden im Kreis Göttingen ein Römerlager entdeckt wurde, war dies eine wissenschaftliche Sensation. Erstmals waren in Niedersachsen Überreste einer römischen Militäranlage gefunden worden. Neun Jahre lang haben seitdem Archäologen, Historiker und Naturwissenschaftler mit unterschiedlichsten Methoden die vor mehr als 2000 Jahren angelegte Versorgungsstation für die römischen Legionäre erforscht. Die Ergebnisse der Forschungen sind jetzt in einem fast 500 Seiten starken und aufwendig gestalteten Sammelband nachzulesen, der in Göttingen vorgestellt wurde.

Der Bildband, der vom Niedersächsischen Landesmuseum Hannover herausgegeben wird, zeigt vor allem eines: Die Anlage in Hedemünden ist eine einzigartige Fundgrube für neue Erkenntnisse über die römischen Feldzüge gegen die Germanen. „Es ist bis heute das einzige bekannte Römerlager in Niedersachsen. Zugleich ist es das Lager, das am weitesten ins Feindesgebiet hineinreicht“, sagt der Göttinger Kreisarchäologe Klaus Grote.

Anhand der zahlreichen aufgefundenen Münzen konnten die Wissenschaftler relativ genau eingrenzen, in welcher Zeit die römischen Legionäre Station in Hedemünden gemacht hatten: Das Basislager wurde um etwa 11 bis 9v.Chr. gegründet und fiel damit in die frühe Phase der römischen Vorstöße nach Germanien. Der letzte dieser Feldzüge führte um 9. v.Chr. von Mainz aus über Hedemünden weiter in Richtung Norden bis an die Elbe. Das Lager diente dabei der Versorgung von bis zu 5000 Legionären.

Zahlreiche Funde geben Aufschluss über die Transportwege und die beeindruckende Logistik der Truppen. Unter anderem entdeckten die Archäologen Bruchstücke von spanischen Amphoren. In ihnen hatte sich Olivenöl befunden, das von Spanien aus auf Schiffen über die Rhone, die Mosel und den Rhein und dann weiter über die Nordsee und die Weser bis nach Hedemünden transportiert worden war. Außerdem stießen die Archäologen auf Drehmühlen aus vulkanischem Basaltstein, die zum Mahlen von Getreide verwendet wurden. Spezialisten fanden nicht nur heraus, dass der Basalt aus der Eifel stammte - sie konnten sogar genau den Steinbruch lokalisieren, aus dem das Material stammte.

Daneben machten die Archäologen fast 3000 Metallfunde, darunter jede Menge Sandalennägel. Zu den spektakulärsten Stücken zählen eine eiserne Fessel und mehrere Pionieräxte. Die römischen Hinterlassenschaften wurden im Sommer dem Niedersächsischen Landesmuseum Hannover übergeben, wo sie ab 2015 Teil einer Dauerausstellung werden sollen.

Klaus Grote: „Römerlager Hedemünden. Der augusteische Stützpunkt, seine Außenanlagen, seine Funde und Befunde“. 496 Seiten, Sandstein Verlag Dresden. Subskriptionspreis bis 30. November 59 Euro, dann 79 Euro.

Heidi Niemann

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