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Gentest-Gesetz fällt durch

Frühdiagnostik von Embryonen Gentest-Gesetz fällt durch

Jahrelang wurde leidenschaftlich über die Zulassung von Gentests an künstlich erzeugten Embryonen diskutiert. Seit 2014 gibt es eine gesetzliche Regelung, doch die Resonanz ist bisher dürftig. Lediglich 46 Anträge auf Frühdiagnostik wurden seitdem gestellt.

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Bei der Praimplantationsdiagnostik werden Embryonen auf mögliche Krankheiten untersucht.

Quelle: Ralf Hirschberger

Hannover . Etwa 300 Anträge von Wunscheltern mit genetischer Vorbelastung wurden pro Jahr erwartet, stattdessen gingen seit Anfang 2014 bundesweit gerade einmal 46 Anträge auf Genehmigung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ein. Nur im Norden hat bisher eine Ethikkommission die Arbeit aufgenommen, um die Fälle zu beurteilen.

Ein Grund für die Zurückhaltung sind offensichtlich die hohen Kosten, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Die Beantragung der Untersuchung kostet 1500 bis 3000 Euro, die Durchführung bis zu 10.000 Euro. Gisbert Voigt, Kinderarzt und Vize-Vorsitzender der PID-Kommission Nord, hält diese Regelung für untragbar, da sie Paare mit höherem sozialen Status bevorzugt. „Im Sinne der Gleichheit muss dies korrigiert werden.“

Kaum ein anderes Gesetz hat einen derart langen Weg bis zur Umsetzung hinter sich. 2011 stimmte der Bundestag für eine begrenzte Zulassung der PID. Bis 2014 dauerte es, bis sich die erste Ethikkommission konstituierte, die im Einzelfall entscheidet, ob die Antragsteller alle Anforderungen erfüllen. Bis heute ist die von Niedersachsen, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gegründete Kommission Nord bei der Hamburger Ärztekammer die einzige, die geschäftstüchtig ist.

Embryonen-Gentests bis 2010 verboten

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist eine vorgeburtliche Untersuchungsmethode. Dabei werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen außerhalb des Mutterleibs auf genetische Fehler untersucht und geschädigte Embryonen möglicherweise vernichtet. Paare, die selbst unter einer vererbbaren Krankheit leiden, können damit klären, ob ihr Kind auch davon betroffen sein könnte. Das erste künstlich gezeugte Kind, das einer solchen Diagnose unterzogen wurde, kam 1990 in den USA zur Welt. In Deutschland galt die PID bis zum Sommer 2010 als verboten, doch der Bundesgerichtshof entschied, dass Gentests an Embryonen unter bestimmten Voraussetzungen nicht dem Gesetz widersprechen. Der Gesetzgeber reagierte: 2011 beschloss der Bundestag, die PID in wenigen schweren Fälle, nach dem Votum einer Ethikkommission und in speziellen Zentren zuzulassen. Am 1. Februar 2014 trat die Rechtsverordnung in Kraft.

Auch die Etablierung von PID-Zentren, die die zeitaufwendige und kostspielige Diagnostik durchführen dürfen, kommt nur langsam voran. Bis Juni waren lediglich an den Uni-Kliniken in Lübeck und Hamburg entsprechende Zentren zugelassen. Ihre Bilanz seit Anfang 2014 ist bescheiden. 34 Paare, die aufgrund ihrer Erbanlagen eine schwere Erkrankung ihres Kindes oder eine Tot- oder Fehlgeburt fürchten müssen, meldeten sich in den Zentren mit einem positiven Bescheid der Ethikkommission, berichtet Professor Georg Griesinger vom Lübecker PID-Zentrum auf Anfrage. 26-mal wurde der Gentest durchgeführt, 13 Wunschmütter bekamen einen Embryo übertragen, elf wurden schwanger. Vier Kinder kamen bis Ende Juni zur Welt.

Nach Angaben der Ethikkommission Nord ist der häufigste Grund für einen PID-Antrag eine Chromosomenmutation, die oft zu einer Fehlgeburt oder einer schweren Schädigung des Kindes führt. Dieser Gendefekt kann mittlerweile auch mit den Mitteln der Pränataldiagnostik während der Schwangerschaft getestet werden. Die meisten Frauen entscheiden sich in diesem Fall für einen Abbruch.

Gisbert Voigt schätzt, dass die PID selten bleiben wird, solange das Gesetz nicht reformiert wird. Er beklagt unklare Definitionen und die Widersprüchlichkeit der Regelungen. Während die Krankenkassen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch die künstliche Befruchtung bezahlen, werde Paaren mit erblicher Vorbelastung Geld für die Reagenzglasbefruchtung und PID verweigert. Auch die Kosten für pränatale Gentests und für einen Schwangerschaftsabbruch werden in der Regel erstattet - ohne Ethikkommission. Voigt, auch Vizepräsident der niedersächsischen Ärztekammer, vermisst eine ethische Grundsatzdebatte - der Fortschritt in der Reproduktionsmedizin sei schließlich rasant.

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