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Der Norden Wenn Verkehrsentlastung nicht gewünscht ist
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00:15 27.11.2016
„Kein Idealfall für uns“: Die geplante Umgehungsstraße ist nicht sonderlich beliebt. Quelle: Gossmann
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Bettmar/Einum

Ein vier Kilometer langer Neubau soll nördlich um die beiden Dörfer im Landkreis Hildesheim herumführen und so die Ortsdurchfahrten entlasten, durch die derzeit noch durchschnittlich gut 11 000 Autos und Lastwagen pro Tag rollen.Der Bundestag will das Papier im Dezember beschließen, der Haken ist nur: Kaum jemand in den Dörfern will die vom Land geplante und forcierte Straße überhaupt.

„Vordringlicher Bedarf“ – von dieser Einstufung träumen manche Kommunen jahrzehntelang, Kommunalpolitiker kämpfen erbittert darum. Nur so besteht eine realistische Aussicht, dass in den folgenden 15 Jahren tatsächlich die Bagger anrollen. Doch in Bettmar oder Einum hat offenbar nie ein Planer nachgefragt. Bettmars Ortsbürgermeister Christoph Aue warnte gleich nach seiner Wiederwahl: Die geplante Umgehung sei „so kein Idealfall für uns“. Er sorge sich besonders um die Möglichkeit, neues Bauland auszuweisen, sowie um landwirtschaftliche Flächen. Bürger gaben ihm noch in der Sitzung recht: Geschäfte an der Ortsdurchfahrt seien bedroht, und ohnehin sei der Nutzen höchst fraglich. Wichtiger sei es doch, dass die Stadt Hildesheim eine Umgehungsstraße bekomme – angesichts der vielen Ampeln an der B 1 in der Stadt.

Auch im Nachbardorf Einum herrscht bestenfalls eine neutrale Grundhaltung. Der Ortsrat müsse sich erst einmal ausführlich informieren, ehe er sich eine Meinung bilden könne, sagt der frisch gewählte Bürgermeister Otto Hoberg. Zudem plane er eine Bürgerinformation, in der mögliche Konsequenzen aufgezeigt werden sollen: „Was bedeutet das für die vier Geschäfte im Ort? Welche Lärmbelastung brächte die Umgehungsstraße? Was würde sie für die Bauland-Entwicklung bedeuten? Wie würde der Ort an die Ortsumgehung angebunden? Was kostet das Ganze? Was bringt es?“ Was die Einumer wollen, möchte Hoberg eventuell mithilfe einer Bürgerbefragung herausfinden.

So argumentieren die Bürger in Bettmar und Einum nicht nur gegen das, was sich andernorts viele wünschen – sondern auch gegen wirtschaftliche Fakten. Denn nach Berechnungen des Landeswürde der volkswirtschaftliche Nutzen der rund 13,5 Millionen Euro teuren Umgehungsstraße die Kosten um das 4,4-Fache übersteigen. 4,4 ist ein Traumwert, den viele andere Kommunen für ihre gewünschten Bauvorhaben bei Weitem nicht erreichen.

„Die wollen nicht so recht? Wir können gern tauschen“, sagt Heike Gesemann, Ortsbürgermeisterin in Burgstemmen. In ihrem Heimatort wünsche sich die große Mehrheit der Bürger schon lange eine Ortsumgehung, um vom Durchgangsverkehr der B 1 entlastet zu werden. Im benachbarten Mahlerten vermutet Amtskollege Markus Schwenkler eine ähnliche Haltung der Einwohner: „Für die meisten Bürger, gerade viele Anlieger, wäre das sicher schön. Das Thema kommt auch immer wieder auf, obwohl wir im Grunde schon seit Jahrzehnten warten.“ Gerade seit Einführung der Lastwagen-Maut auf Deutschlands Autobahnen habe der Lkw-Verkehr im Ort massiv zugenommen.

Und in Eime wirbt
Bürgermeister Volker Senftleben: „Die Mehrheit ist bei uns ganz eindeutig für eine Umgehungsstraße. Aktuell zerschneidet die Bundesstraße 240 unseren Ort regelrecht.“ Alle drei Orte stehen jedoch nur im weiteren Bedarf des Verkehrswegeplanes und damit praktisch ohne Chance auf eine Verwirklichung vor 2030.

Für Bettmar und Einum könnte der Ausweg am Ende einfach sein, wie der örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal sagt: „Wenn die örtlichen Behörden die Planung nicht beantragen, wird das Vorhaben nicht realisiert.“ Ähnlich sieht es CDU-Frau Ute Bertram, die angesichts des errechneten Kosten-Nutzen-Verhältnisses aber dagegen ist, das Projekt aus dem vordringlichen Bedarf zu streichen.
Nur einfach mit den anderen Orten tauschen, die so gerne eine Umgehung hätten, das sieht das deutsche Baurecht nicht vor.

Von Tarek Abu Ajamieh

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