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Kind ist für Rutsch-Unfall nicht verantwortlich

Gericht Kind ist für Rutsch-Unfall nicht verantwortlich

Wenn Kinder auf einer Schwimmbad-Rutsche toben und sich eines dabei verletzt, ist das nicht unbedingt ein Fall für die Justiz: Das Landgericht Hannover hat die Klage eines 13-Jährigen aus Laatzen gegen ein zwei Jahre jüngeres Mädchen abgewiesen.

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70 Meter lang und kurvig: Die Rutsche im Innerstebad.

Quelle: Foto: Gossmann (Archiv)

Sarstedt/Hannover. Die beiden Kinder waren am Nikolaustag 2013 - damals elf und neun Jahre alt - zusammen auf der großen Rutsche des Sarstedter Innerstebades unterwegs. Dabei sprachen sie sich ab, mitten auf der kurvigen, insgesamt 70 Meter langen Rutsche anzuhalten. Das tun Kinder dort gern, um Wasser aufzustauen und dann mit umso mehr Schwung weiterrutschen zu können.

So lief es auch in diesem Fall, wobei der Junge bäuchlings vorausrutschte und das Mädchen sich an seinen Beinen festhielt - gegen seinen Willen, wie der Junge sagt. Kurz vor dem Ende der Rutsche ließ das Mädchen dann aber los und schubste den Elfjährigen dabei nach vorn. Dieser stürzte daraufhin kopfüber so schnell in das Auffangbecken, dass er mit dem Gesicht auf den Boden knallte, sodass die beiden mittleren oberen Schneidezähne abbrachen. Ein Zahnarzt musste sie später überkronen.

Die Kinder waren befreundet - und ihre Erziehungsberechtigten wollten zunächst gar nicht die Justiz bemühen. Der Großvater des Jungen, zugleich dessen Vormund, und die Mutter des Mädchens einigten sich darauf, dass Letztere einen Teil der Behandlungskosten übernehmen sollte - und zwar genau 518 Euro. Die Mutter des Mädchens meldete den Fall ihrer Versicherung - doch die weigerte sich, einzuspringen.

Erst danach ging der Großvater im Namen seines Enkels vor Gericht. Doch die im März vergangenen Jahres vor dem Hildesheimer Amtsgericht angesetzte Verhandlung endete, bevor sie so richtig begonnen hatte. Der Anwalt des Großvaters, Jörn Hennigs, erklärte nämlich, er fordere nicht nur die ursprünglichen 518 Euro, sondern zusätzlich ein Schmerzensgeld von insgesamt 5000 Euro. 2500 Euro pro Zahn seien eine „übliche Summe“. Für eine Schmerzensgeldforderung in dieser Größenordnung ist aber das Landgericht zuständig. Deshalb trafen sich beide Parteien Donnerstag - mehr als zwei Jahre nach dem Unfall - im Landgericht Hannover wieder.

Die 8. Zivilkammer wies die Klage jedoch ab. Eine Neunjährige könne man nicht für einen solchen Unfall verantwortlich machen, urteilte das Gericht. Unabhängig vom genauen Ablauf des Geschehens treffe das Mädchen keine Schuld. Der Stau, das gemeinsame Rutschen und selbst ein mögliches Schubsen seien „Ausdruck des Spieltriebes sowie eines Forschungs- und Erprobungsdranges“, der bei Kindern normal sei.

Gerade bei einem erst neunjährigen Kind sei es geradezu „unvermeidbar“, dass es sich auch einmal unüberlegt verhalte, wenn es spiele und etwas ausprobiere. Kinder könnten in diesem Alter noch nicht das Verantwortungsbewusstsein aufbringen, die möglichen Folgen ihrer Aktionen komplett zu überblicken. Eine Feststellung, die die Richter ausdrücklich nicht nur mit Blick auf Kinder, sondern auch auf Jugendliche trafen.

Wie Gerichtssprecher Stephan Loheit betont, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Es besteht also die Möglichkeit, dagegen Berufung einzulegen.

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