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Der Norden Gericht lehnt Anklage gegen Ex-Bordellbetreiber Heer ab
Nachrichten Der Norden Gericht lehnt Anklage gegen Ex-Bordellbetreiber Heer ab
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20:03 01.11.2012
Von Heinrich Thies
Wolfgang Heer, hier in seinem Bordell „Casanova Club". Das ehemalige "Hells Angels"-Mitglied befindet sich zur Zeit in der Dominikanischen Republik. Quelle: Christian Burkert
Walsrode

Detlev Gieseke sorgt sich um die Zukunft seiner Stadt: „Jetzt geht das Spiel von vorne los“, sagt der Walsroder Grünen-Ratsherr. Die jüngste Entscheidung des Landgerichts Verden macht dem Lehrer Probleme. Die 7. Große Strafkammer hat es abgelehnt, gegen den Walsroder Bordellbetreiber Wolfgang Heer ein Verfahren wegen „dirigistischer und ausbeuterischer Zuhälterei“ zu eröffnen. Es gebe „keine Anhaltspunkte für ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Prostituierten und den Angeschuldigten“, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts. Die Ermittlungsergebnisse reichten nicht aus, um nachzuweisen, dass Heer und zwei weitere Mitbeschuldigte „planmäßig und eigennützig“ Prostituierte ausgebeutet hätten.

Dass Wolfgang Heer bis vor Kurzem noch zu den führenden Köpfen der mittlerweile aufgelösten Hells Angels gehörte, spielt für das Gericht keine Rolle. Für die Walsroder schon. Auf beharrliches Drängen des grünen Ratsherrn Gieseke fasste der Stadtrat Walsrodes erst im Dezember 2011 den Beschluss, sich von Heer öffentlich zu distanzieren. Die Stadt forderte die mit ihr verbundenen Vereine und Verbände auf, die Zusammenarbeit mit Unternehmen, deren Betreiber den Höllenengeln angehören, „gründlich abzuwägen“ und gegebenenfalls einzustellen.

Der Resolution war eine hitzige Debatte vorausgegangen. Denn viele Jahre lang war der Rockerfürst und Rotlichtunternehmer als Geschäftsmann und großzügiger Förderer von Vereinen und Veranstaltungen in Walsrode allgemein geachtet und respektiert worden. Schließlich zählen zu seinem Imperium nicht nur Bordelle und Lovemobile, sondern auch eine Bowlingbahn, ein Fitnesscenter und eine Sicherheitsfirma, die ihre Bodyguards auch ins hannoversche Steintorviertel entsandte, wo Kiezkönig und Rockerpräsident Frank Hanebuth herrschte, ein enger Freund Heers.

Besonders nachdenklich waren die Walsroder geworden, als die Polizei im August 2011 mit Unterstützung des Landeskriminalamtes in einer Großrazzia sieben Bordelle, Lovemobile, Wohnungen und Geschäftsräume im Umfeld Heers durchsuchte. Die Rede war von Menschenhandel, Geldwäsche, Insolvenzverschleppung und sogar Brandstiftung. Nach mehrmonatigen Ermittlungen blieb schließlich nur der Vorwurf der „dirigistischen und ausbeuterischen Prostitution“.

Laut Anklage soll Heer die in seinen Etablissements tätigen Prostituierten – insgesamt 57 Frauen – wie Sexsklavinnen gehalten haben. Überwacht, bevormundet und eben ausgebeutet. So seien die Damen gezwungen worden, einen sehr hohen Anteil ihrer Erlöse abzuführen und „dirnentypische Kleidung“ zu tragen.

Heer wies die Vorwürfe schon bei der Anklageerhebung weit von sich. „Ich weiß gar nicht, was die wollen. Die Mädels haben doch ein selbstständiges Gewerbe.“ Er selbst stellte sich als Unternehmer dar, der den Prostituierten lediglich Räume und Wohnmobile vermietet habe - ein im Rotlichtmilieu übliches Geschäftsmodell. Das Landgericht folgte jetzt offenbar seiner Argumentation - und bereitete der Staatsanwaltschaft damit eine empfindliche Schlappe. Heer, der gerade Urlaub in der Dominikanischen Republik macht, spricht von einer „schallenden Ohrfeige“. Die Staatsanwaltschaft indessen prüft nach den Worten ihres Sprechers, Beschwerde gegen den Gerichtsentscheid einzulegen, will sich aber im Übrigen derzeit nicht äußern.

Heer dagegen feiert den juristischen Punktsieg auf seine Weise. „Ich habe mir gerade einen Cocktail genehmigt“, sagt der Rotlichtunternehmer gut gelaunt am Telefon. „Das kommt einem Freispruch gleich.“ Der Bordellbetreiber spricht von einer „Vorverurteilung“ und hofft auf einen Sinneswandel in Walsrode. „Jetzt können die sich mal erklären, diese Leute vom Stadtrat.“

Doch die Stadt Walsrode sieht keinen Grund, ihre Position zu korrigieren. „Bei der Stadtratsentscheidung ging es ja nur um die Hells Angels“, sagt Sprecher Klaus Bieker. Und trotz der offiziellen Auflösung existiere die Rockerbande vermutlich fort.

Gieseke fürchtet sogar, dass der juristische Erfolg Heer und seinen Freunden zusätzlich Auftrieb geben könnte. „Wenn Polizei und Justiz das nicht in den Griff kriegen, trumpfen die hier wieder auf.“

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