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Gericht verurteilt Wolfsburger IS-Rückkehrer

Mehrjährige Haftstrafen Gericht verurteilt Wolfsburger IS-Rückkehrer

Der Ausflug in den Heiligen Krieg endet für zwei Wolfsburger IS-Rückkehrer hinter Gittern. Das Oberlandesgericht Celle hat die beiden wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Beide haben der Terrormiliz inzwischen den Rücken gekehrt.

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Die Angeklagten Ayoub B. (vorne) und Ebrahim Hadj B. (dahinter) mit Anwalt Anselm Schanz: Die beiden IS_Rückkehrer wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. 

Quelle: dpa

Celle. Die Angeklagten wirken erleichtert. Das Oberlandesgericht Celle hat die zwei Wolfsburger IS-Rückkehrer wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu Haftstrafen verurteilt – Ayoub B. zu vier Jahren und drei Monaten, Ebrahim H. B. zu drei Jahren. Ayoub B. lächelt, Ebrahim H. B. legt seinen Arm auf die Stuhllehne seines Anwalts. Auch er lächelt. Die jungen Männer aus Wolfsburg scheinen mit einer höheren Strafe gerechnet zu haben.

„Beide haben sich eindeutig und glaubhaft von der Terrorvereinigung IS distanziert“, auch das sagt der Vorsitzende Richter, Henning Meier, in der Urteilsverkündung. Zwei Stunden dauert der Vortrag. Er beginnt damit, die Terrororganisation des IS in ihrer Brutalität, Menschenverachtung und Grausamkeit zu benennen. Ayoub B., 27 Jahre alt, und Ebrahim H. B., 26 Jahre, waren nach Überzeugung des Senats beide Mitglied des sogenannten „Islamischen Staats“. Dass sie Ende Mai 2014 nach Syrien gereist sind, um den Islam zu studieren oder humanitäre Hilfe zu leisten, nimmt das Gericht ihnen nicht ab. Dass die Angeklagten den IS für eine „friedfertige Organisation“ gehalten haben wollen, sei „absolut lebensfremd und unglaubhaft“.

Der bewaffnete Dschihad sei bereits Thema in der Wolfsburger Moschee gewesen, in der sich Ayoub B. und Ebrahim H. B. mit anderen um den IS-Anwerber Yassine O. scharrten. Die beiden Männer ließen sich verführen. Auf Warnungen ihrer Eltern hörten sie nicht. „Das sind Terroristen“, habe Ayoub B.s Vater früh erkannt, sagt der Richter. Ayoub B. aber fühlte sich offenbar geschmeichelt, dass Yassine O. ihn in Wolfsburg zu seinem Vertrauten machte.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland kooperierte Ayoub B. sofort mit der Polizei, er nannte Namen weiterer IS-Mitglieder und Details über Struktur und Rekrutierungsmethoden der Terrororganisation. Das Gericht hat dies strafmildernd gewürdigt. Ebrahim H. B. hingegen habe bei der Aufklärung nicht maßgeblich geholfen. Das Gericht würdigte aber sein Fernsehinterview, in dem er die Wahrheit über die Gräueltaten des IS sagte und davor warnte, nach Syrien zu reisen.

Ayoub B. hatte gestanden, als Krankenwagenfahrer tote und verletzte IS-Kämpfer transportiert zu haben. Ebrahim H. B. hatte zugegeben, sich als Selbstmordattentäter gemeldet zu haben. Er sagte, er habe den Terroristen seine Loyalität vorgegaukelt, um sein Leben zu retten. Auch Ayoub B. gab an, seine Begeisterung für den IS in Internetchats nur vorgetäuscht zu haben. Das Gericht glaubt das nicht: „Der Senat geht nicht davon aus, dass die Angeklagten ständig der Gefahr des Todes oder der Folter ausgesetzt gewesen sind.“ So habe sich Ayoub B. mehrfach absetzen können, um in ein Internetcafé zu gehen. Er hätte auch früher fliehen können, so der Richter.

Ayoub B. hat für den IS Wachdienst geleistet und sich selbst zwei Sprengstoffgürtel besorgt. Beide Angeklagte wurden an Waffen ausgebildet und haben im Internet für den IS geworben. Dies sei ihnen strafverschärfend auszulegen. Ayoub B. habe sich aber einem tatsächlichen Einsatz als Kämpfer für den IS entzogen und habe dies auch nicht gewollt. Deswegen hat ihn das Gericht auch nicht zusätzlich wegen Vorbereitens einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verurteilt, wie in der Anklage gefordert.

Die Bundesanwaltschaft hatte für Ayoub B. eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren beantragt. Für Ebrahim H. B. hatten die Ankläger vier Jahre und drei Monate gefordert. Die Verteidigung hatte die Freilassung der Angeklagten beantragt. Für Ayoub B. hatten seine Anwälte auf Einstellung des Verfahrens, Freispruch oder Bewährungsstrafe plädiert. Eine Bewährungsstrafe hatten auch die Verteidiger von Ebrahim H. B. beantragt. Ankläger und Verteidiger haben angekündigt, zu prüfen, ob sie in Revision gehen werden.

Von Wiebke Ramm/dpa

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