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Der Norden 17 Meter langes Wal-Skelett muss umziehen
Nachrichten Der Norden 17 Meter langes Wal-Skelett muss umziehen
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00:40 28.02.2018
Präparator Carsten Wortmann zerlegt das 17 Meter lange Walskelett. Zunächst muss er die Bandscheiben aus Schaumstoff und Modelliermasse entfernen. Quelle: Niemann
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Göttingen

Wie bekommt man eigentlich ein 17 Meter langes Walskelett von einem Ort an den anderen? Vor dieser Herausforderung stehen derzeit die Mitarbeiter des Zoologischen Museums in Göttingen. Das Walskelett ist die größte Attraktion der zoologischen Sammlungen der Universität Göttingen. Es stammt von einem Pottwal, der im Januar 1998 vor der Halbinsel Nordstrand verendet war. Die Göttinger Wissenschaftler hatten damals eigenhändig vor Ort den größten der insgesamt drei gestrandeten Walbullen zerlegt und rund 40 Tonnen Fleisch und Speck vom Skelett abgetrennt. Anschließend wurden die über 150 Knochen mit großem Aufwand präpariert und in mühsamer Puzzlearbeit wieder zusammengesetzt. Jetzt müssen sie alles wieder auseinandernehmen. Die Universität baut das Gebäude um. Deshalb müssen der Wal und mehr als 100 000 weitere präparierte Tiere ausgelagert werden.

750 Kilogramm Waschpulver

Die Universität will in dem unmittelbar neben dem Göttinger Bahnhof gelegenen Institutsgebäude der Zoologie ein „Forum des Wissens“ einrichten und so einen zentralen Ausstellungsort für seine zahlreichen akademischen Sammlungen schaffen. Parallel dazu sollen auch die Ausstellungs- und Depoträume der zoologischen Sammlung saniert und ausgebaut werden. Das Walskelett ist das imposanteste Objekt der Sammlung. 

Beim Transport von der schleswig-holsteinischen Nordseeküste nach Göttingen hatte es damals eine Panne gegeben: Weil die 4,30 Meter breite Fluke – die Schwanzflosse des Wals – zu weit aus dem Container herausragte, wurde im Elbtunnel die Höhenkontrolle ausgelöst, sodass der Verkehr für eine Weile lahmgelegt war. 

In Göttingen wurden die Knochen dann in Wässerungscontainer umgebettet und monatelang gewaschen, gekocht und entfettet. „Insgesamt haben wir damals 750 Kilogramm Waschpulver verbraucht“, erzählt der Kustos der Sammlung, Dr. Gert Tröster. 

Die meisten Probleme bereitete der Kopf: Da der fünf Meter lange tonnenschwere Schädelknochen nicht durch das Treppenhaus passte, musste eine 15 Quadratmeter große Öffnung in die Außenmauer des Gebäudes gebrochen werden, um den Koloss mit einem Autokran in den zweiten Stock hieven zu können. 

Jetzt stehen die Wissenschaftler vor dem Problem, dass sie das mühsam zusammengesetzte Walskelett dort wieder hinausbekommen müssen. 

Ein Kran für den Schädel

Beim Abbau arbeiten sich Kustos Gert Tröster und Präparator Carsten Wortmann von hinten nach vorne vor. In der vergangenen Woche haben sie damit begonnen, die mehr als 40 aufgefädelten Wirbel von dem Gestell abzulösen. Danach kommen die 13 Rippenpaare dran. Damit beim Zerlegen des Skeletts nicht alles zusammenkracht, mussten sie vorher ein Stützgestell installieren. 

Das größte logistische Problem wird dann wieder der rund 1200 Kilogramm schwere Schädel sein. „Der muss wieder durch die Wand“, sagt Präparator Wortmann. Auch der Unterkiefer lässt sich nicht so einfach in einen Umzugskarton packen. Dazu ist er viel zu lang und vor allem viel zu schwer: „Ich hebe den nicht hoch“, lacht Wortmann. In drei Wochen wollen die Experten den Wal auseinandergebaut haben. Dann muss wieder ein Kran ran.

Von Heidi Niemann

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