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Göttingen will QR-Codes auf Friedhöfen erlauben

Digitalisierung der Trauer Göttingen will QR-Codes auf Friedhöfen erlauben

Im Zuge der Digitalisierung verschiebt sich auch die Trauerkultur ins Internet. Zahlreiche Kommunen bundesweit wollen darauf vorbereitet sein und ändern deshalb ihre Friedhofssatzungen. Niedersachsen steht aber erst am Anfang.

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 Ein QR-Code an einem Grab.

Quelle: dpa

Göttingen. ie Stadt Göttingen will ihre Friedhofssatzung ändern, um sich dem digitalen Zeitalter anzupassen. Auf Grabsteinen sollen QR-Codes erlaubt werden, so dass sich Friedhofsbesucher per Smartphone über Tote informieren können. Bisher gebe es zwar noch nicht entsprechende Anfragen von Hinterbliebenen, sagte Stadtsprecher Detlef Johannson. „Aber wir wollen die Diskussion früh anstoßen.“ Am 15. April soll der Rat der Stadt Göttingen über die Änderung der Friedhofssatzung entscheiden. Während es bundesweit schon einige Grabmäler mit QR-Codes gibt, steht die Entwicklung in Niedersachsen erst am Anfang.

„In unserer Muster-Satzung stehen noch keine QR-Codes“, sagte Axel Ebeler vom Niedersächsischen Städtetag. Wer die schwarz-weißen Pixelmuster mit einer App auf seinem Smartphone einliest, erhält aus dem Internet ausführliche Informationen über den Toten. Dies bietet sich besonders bei Prominenten an. Am Grab der vor zwei Jahren in Afghanistan erschossenen Anja Nieringhaus im westfälischen Höxter gibt es zum Beispiel einen QR-Code, der auf die Homepage der Kriegsfotografin verweist. Bei Nicht-Prominenten sieht Ebeler dagegen auch Datenschutzprobleme.

Fraglich ist, wie interessant QR-Codes für Angehörige sind. Der Oldenburger Steinmetz Jan Wandscher hat bereits 2012 drei Modelle geschaffen. „Es stößt besonders bei den 30- bis 50-Jährigen auf Interesse“, berichtete er. Verkauft hat der Steinmetz bisher allerdings nur einen QR-Code für einen Erinnerungsrundgang, der an das Schicksal von 1938 aus Oldenburg deportierten Juden erinnert. Bei den Friedhofsbetreibern, auch den Kirchen, sieht Wandscher noch eine große Unsicherheit, wie mit dem Angebot umzugehen ist.

Der Gartenfriedhof in Hannover und der Riensberger Friedhof in Bremen lassen sich dagegen bereits per Smartphone erkunden - auch ohne QR-Codes. Sie sind in eine von der Bundesregierung finanzierte App eingebunden, die Gedenkstätten und Gräber bekannter Persönlichkeiten vorstellt. In Hannover bekommen die Besucher zum Beispiel Einblicke in das bewegte Leben der Astronomin und Konzertsängerin Caroline Lucretia Herschel, die 8 Kometen und 14 Sternennebel entdeckte und 1848 im Alter von 97 Jahren starb.

Von Christina Sticht

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