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Graugänse werden für Landwirte zur Plage

Ungebetene Gäste Graugänse werden für Landwirte zur Plage

Graugänse machen den Landwirten zunehmend zu schaffen. Inzwischen fliegen die Tiere im Winter nicht mehr in den Süden und fressen den Bauern auf der Suche nach Nahrung die Ernte weg. Landwirte aus dem Raum Hildesheim haben sich in einer Petition an den Landtag gewandt.

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Petition an den Landtag: Um das Problem in den Griff zu bekommen, wurden die Zeiten für die Jagd auf Graugänse verlängert. 

Quelle: imago

Hildesheim. „Anfangs waren wir noch begeistert, als wir die ersten Schwärme anfliegen sahen“, sagt Landwirtin Anne Fuhrberg. Doch mittlerweile empfindet die Landfrau aus Barnten die Graugans eher als Last. Denn „die schönen Tiere“ hätten sich im Raum Hildesheim/Hannover in einer Weise vermehrt, die besorgniserregend sei. In einer Petition haben sich die Landwirtin und 37 Mitstreiter an den Landtag gewandt: „Wir sehen da politischen Handlungsbedarf.“

Mitte Mai vergangenen Jahres kam für Fuhrberg der große Schreck. Massen von Graugänsen fielen auf einem ihrer Zuckerrübenschläge ein und putzten ratzfatz alles weg. „Sie haben nicht das Blatt gefressen, sondern jede Rübe einzeln rausgezogen und gefressen. Auf 7,5 Hektar war alles weg - zurück blieb nur der Kot.“

Schreiben gingen heraus, berichtet die Landwirtin, an den Landwirtschaftsminister, den Umweltminister, den zuständigen Landkreis Hildesheim. Was tun gegen die anfangs gern gesehenen, jetzt ungebetenen Gäste, die im Gegensatz zu früheren Zeiten auch nicht mehr gen Süden ziehen, sondern Dauergäste geworden sind, weil sie hier genug Nahrung finden? Der Landkreis Hildesheim zog professionelle Hilfe heran, debattierte mit dem Leiter des Jagdlehrhofes Springe eine intensivere Bejagung der Tiere, die gar nicht so leicht zu bejagen seien, wie der Landwirt und Jäger Friedrich-Wilhelm Wandmacher aus Barnten berichtet. Die Bejagung nämlich sei äußerst zeitintensiv und nur von routinierten Jägern zu bewältigen.

„Wir haben zwar voriges Jahr 100 Gänse in der Gemarkung erlegt, aber gegen die gewaltige Vermehrung der Gänse kommen wir nicht an. Mit der Jagd ist sie nicht zu stoppen“, sagt der Jäger und Landwirt, der sich von Spaziergängern und Nachbarn auch schon mal als „Mörder“ beschimpfen lassen musste, weil er auf Gänse zielte. Denn das zweite Problem in der Diskussion um die Gänseschar sei die Bevölkerung, die überhaupt kein Verständnis für die Notwendigkeit der Gänsejagd habe, sagt Wandmacher.

Immerhin sind die Bauern beim Landkreis Hildesheim auf Verständnis gestoßen, der als zweijährige Ausnahmeregelung eine durchgehende Jagd der Gänse vom 16. Juli bis zum 31. März gestattete. „Wir haben die Jagdzeit verlängert von Ende Januar auf Ende März“, bestätigt der zuständige Dezernent Helfried Basse und spricht von einem „Kompromiss“ zwischen den Interessen des Naturschutzes und der Landwirtschaft. Wenn sich das Problem weiter verschärfe, müsse man sehen, was man noch tun könne, sagt der Dezernent, der mit seinem Vorgehen auch den Segen des Landwirtschaftsministeriums hat.

Nach dem Jagdgesetz könnten Landkreise als Untere Jagdbehörden eine Ausweitung der Jagd veranlassen, bestätigt der Sprecher des Ministeriums auf Anfrage der HAZ. Voraussetzung sei allerdings eine Bestandsaufnahme der Gänsepopulation und der Schäden in der betreffenden Region.

Inzwischen haben sich auch Mitglieder des Petitionsausschusses auf Barntener Äcker begeben. Für eine Ausweitung der Maßnahmen, wie die Bauern sie fordern, plädierten sie nicht.

Keiner wolle Zustände wie in den Niederlanden, wo Gänse sogar vergast werden, sagt Anne Fuhrberg. Aber gründlichere Gedanken zur Begrenzung der Gänsepopulation müsse sich die Politik schon machen. „Im Augenblick wird doch alles auf die Bauern und Jäger abgewälzt.“ Die studierte Landwirtin ist sich sicher, dass das Problem auch anderen übel aufstoßen wird, denn die „Verkotung“ der Landschaft nehme zu. „Auch Jogger, Spaziergänger, Angler und Sportfischer registrieren dies.“ Und dann gebe es noch die Trinkwassergewinnungszonen: „Während die Landwirte hier überhaupt nicht düngen dürfen, sorgen die Graugänse für eine Überdüngung dieser Flächen.“ Am Ende betreibe man, sagt Fuhrberg pointiert, „Massentierhaltung in Wasserschutzgebieten“.

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