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Der Norden Razzia in Flüchtlingsunterkunft in Celle
Nachrichten Der Norden Razzia in Flüchtlingsunterkunft in Celle
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20:49 16.02.2017
Mit einer Hundertschaft hat die Polizei das ehemalige Kasernengelände in Celle abgeriegelt. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Das Aufgebot war groß, ebenso wie die Bandbreite der verfolgten Delikte: Mit mehr als 100 Beamten hat die Polizei am Donnerstag eine Flüchtlingsunterkunft in Celle durchsucht. Die Polizisten waren auf der Suche nach Drogen, Diebesgut und untergetauchten Personen, außerdem verfolgten sie Fälle von Ladendiebstahl, Sachbeschädigung, Hehlerei und Betrug. Sie wurden auch fündig, Festnahmen gab es aber keine.

Es war nicht der erste Einsatz in der Unterkunft. Erst vor wenigen Wochen war die Polizei zu einem Einsatz in der ehemaligen Kaserne im Norden der Residenzstadt ausgerückt. Zwei Flüchtlingsgruppen hatten sich damals gestritten. Doch als die Beamten eintrafen, verbündeten sich die beiden Gruppen plötzlich gegen die Staatsgewalt. „Es kam zu körperlichen Übergriffen und verbalen Anfeindungen“, sagte Polizeisprecherin Juliane Kahr.

Gab es falsche Pässe?

Um die Lage nicht weiter zu verschärfen, rückten die Polizisten damals wieder ab, ohne alle Personalien und Zeugenaussagen aufzunehmen. Das holten die Ermittler nach. Diesmal verstärkten sich die Celler Polizisten aber mit einer Hundertschaft der Bereitschaftspolizei. Mit im Gepäck hatten die Beamten außerdem Durchsuchungsbeschlüsse, Drogenspürhunde und einige Haftbefehle.

 Acht Stunden Großeinsatz für die Polizei in Celle: Etwa Hundert Beamte haben eine Flüchtlingsunterkunft in einer ehemaligen Kaserne umstellt und durchsucht.

Ziel der Razzia war nicht, eine einzelne Bande zu verfolgen, auch spielten Terrorismusverdacht oder die Suche nach islamistischen Gefährdern keine Rolle. Vielmehr verfolgte die Polizei mit der Durchsuchung viele kleine Delikte gewissermaßen in einem Aufwasch.

Um 8 Uhr sperrten die gut 100 Beamten das Areal ab, auf dem derzeit 202 Flüchtlinge untergebracht sind, darunter 80 Kinder und Jugendliche. Weil die Identitäten von über 100 Personen geklärt werden mussten, war der Einsatz erst gegen 16 Uhr beendet. Nicht alle Papiere, die dabei vorgezeigt wurden, machten auf die Beamten einen einwandfreien Eindruck. „In wenigen Fällen ergab sich der Verdacht auf Urkundenfälschung“, berichtete Polizeisprecherin Kahr. Die Papiere wurden sichergestellt, um sie weiter untersuchen zu können.

Einsatz dauerte acht Stunden

Die fünf vorliegenden Haftbefehle wurden nicht vollstreckt, obwohl die betreffenden Personen in der Unterkunft waren. Weil nach Einschätzung der Behörden keine Fluchtgefahr besteht, bleiben die fünf in der Unterkunft, bis sie abgeschoben werden. Eine Ausgangssperre gegen die fünf Personen wurde nach Angaben der Polizei nicht verhängt; sie können sich frei bewegen und das Gelände verlassen. „Das ist gängige Praxis“, so Kahr.

Unter den Flüchtlingen befanden sich auch zehn Personen, für deren Aufenthaltsort sich verschiedene Staatsanwaltschaften interessieren. „Diese Behörden wurden über den derzeitigen Aufenthaltsort der Gesuchten in Kenntnis gesetzt“, sagte die Polizeisprecherin. Außerdem fanden die Beamten auf dem Gelände geringe Mengen an Rauschgift.

Auf Kritik stieß der Einsatz im Celler Rathaus. „Auf den ersten Blick scheint der Einsatz bei der Anzahl der Bewohner und der Berücksichtigung des hohen Anteils an Kindern und Jugendlichen überdimensioniert“, sagte Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). Der Rathauschef machte sich am Morgen ein Bild von der Lage vor Ort. „Der Aufmarsch war gewaltig“, stellte Mende fest.

Stadt: Keine großen Zwischenfälle bisher

Die Kaserne an der Hohen Wende ist eine städtische Unterkunft für Flüchtlinge. Nach Angaben der Celler Stadtverwaltung gab es seit Eröffnung der Unterkunft im November 2016 insgesamt vier Übergriffe gegen andere Bewohner und den Sicherheitsdienst. „Die Zwischenfälle waren nicht dramatisch“, sagte Stadtsprecher Wolfgang Fischer. Die Konflikte erklärt er mit den engen Räumlichkeiten, verschiedenen Herkunftsländern der Bewohner und teilweise schlechten Bleibeperspektiven. Ein Sicherheitsdienst bewache das Gelände 24  Stunden am Tag mit stündlichen Kontrollgängen, Zugangskontrollen und Videoüberwachung.

In Niedersachsen haben im Jahr 2016 insgesamt 85 582 Menschen einen Antrag auf Asyl gestellt, davon allein 30 000 Syrer. Die meisten davon sind bereits Ende 2015 oder Anfang 2016 eingereist.

Von Christian Link und Heiko Randermann

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