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Der Norden Grünkohl soll Kulturerbe werden
Nachrichten Der Norden Grünkohl soll Kulturerbe werden
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16:19 18.12.2013
Der Rattenfänger von Hameln, Shanty und Grünkohlessen – haben diese Bräuche das Zeug zum Kulturerbe? Quelle: dpa
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Hannover

Benjamin Hanke, Referent der deutschen Unesco-Kommission, erklärt den Unterschied zum Titel „Weltkulturerbe“: „Diesmal steht der Mensch im Zentrum. Wenn ein Meister sein Wissen nicht an Lehrlinge vermittelt, stirbt eine Tradition. Ein Gebäude wie der Kölner Dom muss zwar restauriert werden, aber er bleibt erst einmal stehen. Das immaterielle Kulturerbe jedoch verschwindet sofort, wenn es nicht mehr praktiziert wird.“ Die Morse-Telegraphie etwa stehe kurz vor dem Aussterben. Solche Kulturformen lebendig zu halten, ist das Ziel des Unesco-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes aus dem Jahr 2003, dem weltweit 150 Staaten angehören. Deutschland trat erst in diesem Sommer bei. Bis April 2014 muss jedes Bundesland aus den Vorschlägen zwei Kandidaten auswählen. Dazu kommen länderübergreifende Beispiele wie die „Walz“-Wanderung der Handwerker, die Tradition der Sorben oder die Idee des Kindergartens nach Friedrich Fröbel. Im Herbst soll das Verzeichnis für Deutschland stehen.

Neben Handwerkskünsten werden auch Erzähltraditionen, Bräuche und Musikformen genannt. Das Spektrum reicht von der Rheinischen Karnevalstradition bis zu mikrobiologischen Therapien. Aus dem Rahmen fällt der Vorschlag, die natürliche Geburt in Zeiten des Kaiserschnitt unter Schutz zu stellen. Herrscht bei einer so großen Bandbreite nicht die Gefahr der Beliebigkeit? Hanke sieht das anders: „Allen Kulturformen gemein ist, dass sie identitätsstiftend für Gruppen dienen und eine emotionale Identifikation erfordern. Das Zähneputzen hätte also trotz einer weiten Verbreitung keine Chance.“ Hankes Lieblingsbeispiel ist der Orgelbau. „Die Fertigung dauert über ein Jahr und erfordert ein großes Wissen über Musik wie auch über Natur, denn es dürfen nur ganz bestimmte Hölzer ausgewählt werden.“

In Sachsen wurden elf und damit besonders viele Vorschläge eingereicht, unter anderem bewarben sich das Leipziger Museum für Druckkunst, der Leipziger Synagogalchor, die Sächsische Staatskapelle und der Landesverband für sächsische Bergparaden. Auch die Tradition der Knabenchöre von den Thomanern bis zum Dresdner Kreuzchor hat eine Chance auf einen Listenplatz. Thüringen bewirbt sich etwa mit der Altenburger Skat-Tradition und der Mundart „Graweredersch“, Brandenburg mit dem Mundblasverfahren der Baruther Glashütte. Mecklenburg-Vorpommern strebt nach Anerkennung für das Malchower Volksfest und die Tradition der geistlichen Konzerte in Ludwigslust, Schleswig-Holstein für die Niederdeutschen Bühnen und das „Biikebrennen“ am 21. Februar.

Bewerbungen aus Niedersachsen

In Niedersachsen gibt es acht Anwärter auf die begehrte Unesco-Auszeichnung immaterielles Kulturerbe. Dazu zählen das Grünkohlessen, die Shantys, der protestantische Choral die Nachtwächter und das Niederdeutsche Theater. Wie ein Sprecher des Kulturministeriums sagte, werden alle Anträge derzeit im Ministerium in Hannover geprüft. „Der Rattenfänger von Hameln - lebendige Tradition und Inspirationsquelle“ hat die Stadt Hameln ihre Bewerbung betitelt. Das norddeutsche Handwerk Blaudruck ist gleich mit zwei Anträgen aus Jever und Einbeck vertreten.

Eine direkte finanzielle Förderung ist mit dem Label nicht verbunden. So bleibt der Wert – vor allem immateriell.

Von Nina May

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