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Der Norden Für diese Schule gibt es seit Jahren keinen Leiter
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00:16 24.02.2017
Von Saskia Döhner
Grundschule Amelgatzen. Quelle: Jan Philipp Eberstein 2016
Amelgatzen

Fester Schulleiter verzweifelt gesucht - die Grundschule Amelgatzen in der Samtgemeinde Emmerthal (Kreis Hameln-Pyrmont) findet seit sieben Jahren keinen Führungskraft. Schon 28-mal war die Stelle ausgeschrieben - immer vergeblich. „Seitdem hangeln wir uns von Zwischenlösung zu Zwischenlösung und einer kommissarischen Leitung zur nächsten“, sagt Thomas Mahrenholtz, Vorsitzender des Schulelternrats. Von der Landespolitik fühlt er sich vergessen. „Immer nur bürokratische Vorgaben, an echten pragmatischen Lösungen ist keiner interessiert.“

Die Grundschule in Amelgatzen ist seit sieben Jahren ohne Schulleiter.

Der Elternvertreter weist darauf hin, dass viele Schüler der Grundschule Amelgatzen am Ende der Grundschulzeit auf das Gymnasium wechselten. Nur weil die Schule keinen Leiter finde, sei es keine schlechte Schule. Im Gegenteil. Auch Eltern, die gar nicht im Einzugsgebiet wohnten, würden ihre Kinder nach Amelgatzen schicken.

Keine Dauerlösung

Die Schule scheint also durchaus attraktiv sein. Das zeigen die Schülerzahlen. 80 Kinder in vier Klassen werden hier derzeit unterrichtet - jeweils eine vierte und eine dritte Klasse sowie zwei Klassen mit einer flexiblen Eingangsstufe, in der Erst- und Zweitklässler zusammen lernen. Und schaut man aus dem Fenster des Gebäudes, dann blickt man auf die geradezu idyllische Landschaft des Weserberglands. Hier lässt sich auch mit Schülern viel unternehmen.

Die Arbeit mit den Kindern und die Managementaufgaben - dieser Zusammenklang hat auch Jan Liebold (37) gereizt, als er Rektor wurde. „Ich möchte Schule gestalten, ihr einen eigenen Stempel aufdrücken“, sagt er. Seit vergangenem Herbst leitet er nicht nur die Grundschule Holzhausen in Bad Pyrmont, sondern übergangsweise auch noch die zehn Kilometer entfernte Grundschule in Amelgatzen. An zwei Vormittagen ist er vor Ort, unterrichtet, spricht mit Kindern, Eltern und Lehrern, die übrigen Tage ist er in seiner Stammschule in Holzhausen. Dann übernimmt eine Lehrerin aus Amelgatzen die organisatorischen Aufgaben.

„Für eine gewisse Zeit geht das“: Jan Liebold leitet eigentlich die Grundschule Holzhausen, aber seit Herbst 2016 auch noch die in Amelgatzen. Quelle: Eberstein

„Zwei Standorte zu leiten bedeutet mehr Arbeit, Zeit und Stress“, sagt Liebold. „Für eine gewisse Zeit geht das.“ Soll heißen: Eine Dauerlösung kann das für ihn nicht sein. Zumal die Schulentwicklung dabei auf der Strecke bleibt. „Das kann ich keinem kommissarischem Leiter verübeln, der stets im Kopf hat, dass er nicht allzu lange hier ist“, sagt Elternvertreter Mahrenholtz. „Schade ist es trotzdem.“

Interims-Rektor Liebold will sich jetzt Hilfe von der Landesschulbehörde holen und einen Entwicklungsberater anfordern. Auch wenn es keine andere Grundschule in Niedersachsen gibt, die schon über einen solch langen Zeitraum nach einer Leitung sucht, so ist Amelgatzen längst kein Einzelfall in Niedersachsen. Das bestätigt Bianca Schöneich, Sprecherin der Landesschulbehörde. Vor allem kleine Grundschulen auf dem Land kennen das Problem. Schuld ist meist nicht nur deren Lage. Es gibt laut Liebold auch viele Lehrer, die gar nicht leiten, sondern lieber unterrichten wollen. Auch seien Pädagogen an Grundschulen meist nur in Teilzeit beschäftigt, wie auch die sechs Lehrkräfte in Amelgatzen, und „Teilzeit und Schulleitung passen nicht zusammen“.

Ein Leiter für drei Schulen?

Drei Grundschulen gibt es in der Samtgemeinde Emmerthal derzeit, neben Amelgatzen noch die Grundschule Börry und die Grundschule Kirchohsen. Die in Grohnde war 2009 geschlossen worden - gegen die massiven Proteste von Eltern. „Das Messer von damals spüre ich immer noch im Rücken“, sagt Emmerthals Bürgermeister Andreas Grossmann.

Amelgatzen ist jetzt der kleinste Standort. Ums Überleben muss die Schule aber - anders als noch vor fünf Jahren, als die Schülerzahl bei rund 30 lag - seit dem sprunghaften Zuzug rumänischer Familien nicht mehr kämpfen. Grossmann kann sich gut eine „Verbundlösung“ vorstellen, und er meint damit eine Leitung für drei Schulen. Das habe das Land aber verboten, sagt Mahrenholtz. „War ja klar.“

Dauerbaustelle im Kultusministerium

In Niedersachsen haben derzeit 145 Grundschulen keinen oder nur einen kommissarischen Leiter. Es ist ein Dauerproblem. Der Schulleitungsverband bemängelt die unzureichende Besoldung. An kleineren Standorten gebe es nur eine Zulage von 155 Euro zum Gehalt nach A 12. Auch fehlten oft Konrektoren, Hausmeister oder Sekretärinnen.

Zahlte man den Schulleitern statt A 12 mit Zulage ein Gehalt nach A 13, würde das ein Plus von monatlich 270 bis 300 Euro brutto ausmachen, hatte der FDP-Landtagsabgeordnete Björn Försterling argumentiert. Das würde das Land nur rund 750 000 Euro kosten und die Leitungsfunktion attraktiver machen. Denn von der derzeitigen Zulage bliebe Frauen, die diese Führungspositionen oft innehielten, bei einer Steuerklasse IV gerade mal ein Plus von 50 Euro.

Nach Ansicht des Schulleitungsverbandes sollten Rektoren auch verstärkt von der Unterrichtsverpflichtung (generell 28 Stunden an Grundschulen) entlastet werden, mehr als zehn pro Woche dürften es nicht sein. Laut Landesschulbehörde ist eine Mindestverpflichtung von zwei Wochenstunden vorgeschrieben.
Das Kultusministerium hat für morgen zu einem Runden Tisch eingeladen, um zu diskutieren, wie Leiter von Grundschulen entlastet werden könnten. In der Besoldung könne man sie nicht einfach hochstufen, hieß es bisher. Der Landesrechnungshof hatte bereits 2013 gefordert, dass viele Mini-Grundschulen eigentlich geschlossen werden müssten. An mindestens 232 Standorten sei dies der Fall, so könnten 17,7 Millionen Euro eingespart werden.  

  

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