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Keine Schulnoten für Grundschüler?

Erlass des Kultusministeriums Keine Schulnoten für Grundschüler?

Kein Stress mehr in der Schule: Die rot-grüne Landesregierung hat in ihrer Koalitionsvereinbarung beschlossen, den Grundschulen offen zu lassen, ob sie Schüler mit Zeugnisnoten oder mit Berichtszeugnissen bewerten. Das soll für alle Jahrgänge gelten. Die Opposition kritisiert dies als leistungsfeindlich.

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Kein Leistungsdruck mehr: Grundschulen sollen komplett auf Schulnoten verzichten können.

Quelle: Franziska Kraufmann/dpa

Hannover. Das dürfte bei einigen Eltern für Erleichterung sorgen: Niedersachsens Grundschulen dürfen von diesem Schuljahr an auf Zeugnis-Noten verzichten. Nach einem am 1. Juni in Kraft getretenen Erlass des Kultusministeriums können sie per Konferenzbeschluss entscheiden, ob sie Noten- oder Berichtszeugnisse erstellen. Wie viele Grundschulen jetzt ohne Noten arbeiten wollen, ist nicht bekannt.

Bisher erhielten niedersächsische Grundschüler ab der dritten Klasse Zensuren von eins bis sechs, also von sehr gut bis ungenügend. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sagte der dpa: "Wir schaffen in Niedersachsen damit aber keine Noten ab, sondern wir geben den Grundschulen, die mit besonderem pädagogischen Konzept arbeiten, mehr Gestaltungsspielräume." Die Opposition im Landtag kritisiert den neuen Zeugniserlass scharf. "Rot-Grün schafft den Leistungsgedanken ab", sagte der CDU-Schulexperte Kai Seefried. Die Noten seien für Eltern eine hilfreiche Richtschnur, um zu entscheiden, ob ihr Kind nach der vierten Klasse aufs Gymnasium, die Gesamt-, Real-, Haupt- oder Oberschule gehen sollte. Außerdem sei es ein Unding, einen Erlass mit Wirkung für dieses Schuljahr zehn Tage vor den Zeugniskonferenzen an die Schulen zu schicken, kritisierte Seefried. Rund 850 000 Kinder und Jugendliche an den allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen erhalten am Mittwoch ihre Zeugnisse.

"Leistungsberichte sind aussagekräftiger"

An der IGS Roderbruch gibt es schon seit Gründung der Schule 1973 Lernentwicklungsberichte statt Noten. Diese seien viel aussagekräftiger und differenzierter, sagte Schulleiterin Brigitte Naber. Wie viele andere Grundschulen Noten abschaffen wollen, ist nicht bekannt, denn die Konferenzbeschlüsse müssen den Behörden nicht mitgeteilt werden. Die Landeschefin des Lehrerverbandes VBE, Gitta Franke-Zöllmer, sagte: "Vielleicht kann man in einem Jahr aus internen Rückmeldungen eine Tendenz ablesen. Die Entwicklung von den reinen Noten weg wird auch ein längerer Prozess sein." Studien belegen, dass drei Viertel aller Eltern Noten wollen. "Eltern sind Wähler. Deshalb fassen nur wenige Politiker dieses heiße Eisen an", sagte der Bremer Bildungsforscher Hans Brügelmann.

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Als in Schleswig-Holstein den Grundschulen freigestellt wurde, Noten- oder Berichtszeugnisse zu vergeben, brachte die Landes-FDP gleich eine Volksinitiative "Pro Noten in der Grundschule" auf den Weg. Brügelmann plädiert dennoch für einen Verzicht auf Zensuren in der Grundschule. Sie seien weder objektiv noch verlässlich noch vergleichbar, weil je nach Niveau der Klasse Leistungen höher oder niedriger eingestuft werden. "Außerdem sind sie nicht aussagekräftig", sagte der emeritierte Professor für Erziehungswissenschaft von der Uni Siegen. "Eine Drei in Deutsch kann für einen sprachbegabten, aber faulen Schüler stehen oder aber für einen Seiteneinsteiger aus einem anderen Land, der in kurzer Zeit viel gelernt hat." Was die kognitive Entwicklung angeht, lägen gleichaltrige Grundschüler oft drei Jahre auseinander. "Die einen können vor der ersten Klasse schon lesen, andere kaum einen Buchstaben schreiben", sagte der Forscher. Vergleichende Noten stempelten Spätentwickler als faul, nicht normal oder unintelligent ab.

dpa

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