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Haftstrafe für junge Ehefrau nach Schüssen auf Willi L.

Hildesheim Haftstrafe für junge Ehefrau nach Schüssen auf Willi L.

In einem Aufsehen erregenden Indizienprozess hat das Landgericht Hildesheim versucht, den Mord am 63-jährigen Willi L. aufzuklären. Am Freitag wurde die junge Ehefrau des Opfers wegen Totschlags verurteilt. Die 21-Jährige beteuert, ein reines Gewissen zu haben.

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Die Angeklagte am Freitag im Gerichtssaal.

Quelle: dpa

Hildesheim. Tizia L. verzieht keine Miene, als der Vorsitzende Richter im Landgericht Hildesheim das Urteil verkündet. Die blasse, junge Frau mit dem blond gefärbten Pferdeschwanz muss wegen Totschlags für elf Jahre ins Gefängnis. Richter Peter Peschka rekonstruiert minuziös das Verbrechen, zu dem die 21-Jährige seit Prozessbeginn beharrlich schweigt. In der Nacht zum 24. Juli 2016 erschoss die junge Frau nach Überzeugung des Gerichtes in einem zur Wohnung umgebauten Übersee-Container im kleinen Algermissen ihren Ehemann.

Aus nächster Nähe feuerte Tizia L. acht Schüsse auf ihren nur mit einer Unterhose bekleideten Mann Willi L. ab. Danach bedeckte sie die Leiche des 63-Jährigen auf dem Sofa mit einer Decke, sammelte die Patronenhülsen ein und holte im grünen Mercedes des Opfers ihren jungen Liebhaber ab. Gemeinsam ging es Richtung Süden. "Was sie veranstaltet hat, war wahrlich keine Urlaubsreise, sondern war eine Flucht", betont der Richter. Tizia L. wirft während der Fahrt über Prag und Wien nach Italien ihr Handy weg und bricht zwei Wochen lang den Kontakt zu Familie und Freunden ab. 

Tatwaffe nie gefunden

Als sie am Telefon schließlich erfährt, dass die teils schon verweste Leiche ihres Mannes gefunden wurde, bleibt sie ruhig. Während ihrer Vernehmung bei der Polizei habe sie dann Täterwissen offenbart, erläutert Richter Peschka. Tizia L. sitzt seit dem 9. August in Untersuchungshaft. Mit dem Urteil folgt das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die im Laufe der Beweisaufnahme von ihrem ursprünglichen Mordvorwurf abrückte. Nach Überzeugung der Kammer tötete die Angeklagte ihren eifersüchtigen Ehemann spontan im Streit, weil Willi L. nicht wollte, dass sie ohne ihn in den Urlaub fuhr. Es gibt keine Zeugen der tödlichen Schüsse, auch die Tatwaffe Kaliber 22 wurde nie gefunden.

Die Verteidiger der 21-Jährigen, die einen Freispruch aus Mangel an Beweisen fordern, wollen das Urteil anfechten.  Noch vor dem Urteil am Freitag versuchten die Anwälte der jungen Frau, andere Verdächtige ins Spiel zu bringen, etwa den Mieter der Halle auf dem Grundstück in Algermissen oder eine Ex-Partnerin von Willi. Auch von kriminellen Machenschaften des Maurers ist die Rede. "Willi L. war mit Sicherheit kein großer Waffenhändler", sagt hingegen der Richter. Die im Container gefundenen Waffen seien die Ausrüstung eines Kleinkriminellen.  

Richter: Sie hat ihn nicht geliebt

Der kleine dunkelhaarige Mann mit dem Schnauzbart spielte den erfolgreichen Geschäftsmann und lebte in Wirklichkeit auf Kosten seiner wechselnden Ehefrauen und Geliebten. Die toughe Tizia, angehende Automechanikerin, lernte ihn als Kunden in der Werkstatt kennen. Sie habe ihn nicht geliebt, sagt der Richter, habe aber die Möglichkeit gesehen, ihren Traum von einer eigenen Autowerkstatt und einem Pferdehof auf Willis Grundstück zu verwirklichen. Als willensstark und zielstrebig hatte schon der psychiatrische Gutachter die Täterin beschrieben. Kein Mäuschen, sondern Klassensprecherin in der Berufsschule, tagsüber im Blaumann, bei Treffen der Tuning-Szene im Minirock auf High-Heels.

Am Ende der anderthalbstündigen Urteilsbegründung verschränkt die junge Frau mit dem trotzigen Ausdruck im Gesicht ihre Arme vor der Brust. In ihrem Schlusswort rund zwei Stunden zuvor hatte sie die Richter fest angeschaut und beteuert: "Ich habe ein reines Gewissen - wie Sie sich entscheiden, wird schon richtig sein." 

dpa

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