Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Krawalle legen Hamburger Hauptbahnhof lahm
Nachrichten Der Norden Krawalle legen Hamburger Hauptbahnhof lahm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:34 12.09.2015
Polizisten kontrollieren den Zugang zum Hauptbahnhof in Hamburg. Quelle: dpa
Anzeige
Hamburg

Nach Auseinandersetzungen zwischen linken Demonstranten und der Polizei ist am Samstag der gesamte Fern- und S-Bahnverkehr am Hamburger Hauptbahnhof vorübergehend eingestellt worden. Der Bahnhof wurde nach Angaben der Bundespolizei gesperrt, weil Demonstranten auf die Gleise gelaufen waren, im Bahnhofsbereich Feuerwerkskörper gezündet und einen Zug mit Steinen beworfen hatten. In einem Fall wurden Beamte auch mit Reizgas attackiert, sagte der Sprecher der Bundespolizei.

Eine Gruppe von 34 Neonazis wurde in Gewahrsam genommen. Die Neonazis hatten die Demonstranten laut Bundespolizei zuvor provoziert. Da vor dem Bahnhof Hunderte Linke protestiert hätten, habe die Polizei die Neonazis mit einer S-Bahn herausgefahren und dort in eine Gefangenensammelstelle gebracht.

Die Polizei war den Tag über mit über 2800 Beamten im Einsatz. Zur Gesamtzahl der Festnahmen konnte eine Sprecherin zunächst keine Angaben machen. Die Demonstranten wollten ursprünglich gegen einen Neonazi-Aufmarsch demonstrieren, der aber verboten worden war. Die Rechtsextremisten versuchten, nach Bremen auszuweichen. Gegendemonstranten folgten ihnen per Zug.

Die Bremer Polizei kontrollierte ankommende Gruppen. In der Innenstadt wurden gut 100 rechte Demonstranten in Gewahrsam genommen und durch Beamte aus Bremen herausbegleitet. Auf dem Marktplatz versammelten sich etwa 1000 Gegendemonstranten. Am Bahnhof kam es zu vereinzelten Schlägereien zwischen Anhängern beider Lager. Das linke "Hamburger Bündnis gegen Rechts" sprach von einem Erfolg. "Durch die Sperrung des Hamburger Hauptbahnhofes konnten keine weiteren Nazis anreisen."

Tausende Menschen hätten ein "klares Zeichen gegen Rassismus und Neonazismus" gesetzt. Mit lautem Protest und mit einem Konzert am Hauptbahnhof seien die Nazis, die trotz des Verbotes angereist seien, aus Hamburg verabschiedet worden. Im Anschluss an die Hauptdemonstration mit bis zu 14 000 Teilnehmern waren rund 3000 Menschen zu einer kurzfristig angemeldeten Kundgebung gegen Rechts am Bahnhof gekommen. Zeitgleich demonstrierten auf dem Hamburger Rathausmarkt nach Polizeiangaben rund 7500 Menschen für Vielfalt und Toleranz.

„Wir wollen keine Nazis, wir brauchen keine Hooligans und wir brauchen keine Rassisten", sagte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD). Mit Ausnahme dieser Menschen sei jeder in der Hansestadt willkommen. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) betonte: "Hamburg bekennt Farbe." Mit Blick auf die Integration der zahlreichen Flüchtlinge sagte er: "Hamburg steht (...) vor einer großen Aufgabe." Er habe aber den Eindruck, dass viele Bürger diese Aufgabe mutig und mit ganzem Herzen angingen. Und dass viele Flüchtlinge Deutschland als Hoffnungsland bezeichneten, "kann uns stolz machen".

Viele Demonstranten stimmten in den von Hamburger Radiosendern gemeinsam übertragenen Song "Imagine" von John Lennon ein, der weltweit als eine Hymne des Friedens und der Menschlichkeit gilt. Am späten Nachmittag versammelten sich im Hamburger Schanzenviertel mehrere Hundert linke Demonstranten. Sie schoben Müllcontainer auf die Straße und zündeten Böller.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema
Der Norden "Tag der Patrioten" in Hamburg - Bundespolizei spricht Glasflaschenverbot aus

Der "Tag der Patrioten" in Hamburg ist für heute zwar verboten, doch die Bundespolizei hat für den Zugverkehr im Norden dennoch Vorkehrungen getroffen. Bis 22 Uhr dürfen keine Glasflaschen, Pyrotechnik und Vermummungsgegenstände mitgeführt werden. Das gilt auch für zahlreiche Verbindungen von Hannover.

12.09.2015

Ein Zug von Hamburg nach Bremen mit etwa 250 linksgerichteten Demonstranten ist am Sonnabend in Buchholz (Kreis Harburg) gestoppt worden. Vor dem Hintergrund der in Hamburg verbotenen Demonstration "Tag der Partioten" kontrollierten die Beamten besonders genau- auch die Fahrausweise.

12.09.2015
Der Norden Großeinsätze in anderen Bundesländern - Niedersachsens Polizei hilft oft aus

Weil viele Bundesländer ihre Polizeikräfte abgebaut haben, werden oft Hundertschaften aus Niedersachsen für Großeinsätze in anderen Bundesländern angefordert – weit häufiger, als im Gegenzug Polizisten aus anderen Ländern in Niedersachsen aushelfen.

15.09.2015

Ein Zug von Hamburg nach Bremen mit etwa 250 linksgerichteten Demonstranten ist am Sonnabend in Buchholz (Kreis Harburg) gestoppt worden. Vor dem Hintergrund der in Hamburg verbotenen Demonstration "Tag der Partioten" kontrollierten die Beamten besonders genau- auch die Fahrausweise.

12.09.2015

Bei einem Wohnungsbrand in Braunschweig ist ein 52-jähriger Mann am Sonnabend ums Leben gekommen. Der Mann wurde während der Löscharbeiten Tod aufgefunden. Zur Ursache ist derzeit noch nichts bekannt.

12.09.2015
Der Norden Großeinsätze in anderen Bundesländern - Niedersachsens Polizei hilft oft aus

Weil viele Bundesländer ihre Polizeikräfte abgebaut haben, werden oft Hundertschaften aus Niedersachsen für Großeinsätze in anderen Bundesländern angefordert – weit häufiger, als im Gegenzug Polizisten aus anderen Ländern in Niedersachsen aushelfen.

15.09.2015
Anzeige