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Schützenverein bei Waffengeschäften kaum kontrolliert

Schießsportverein Hameln Schützenverein bei Waffengeschäften kaum kontrolliert

Der Schießsportverein Hameln 2000 konnte offenbar weitgehend unkontrolliert gegen Geld Dokumente für den Waffenkauf austeilen. Nun könnte sich der Schützenverein auflösen. Der Vorstand will das der Mitgliederversammlung vorschlagen.

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Der Hamelner Schützenverein steht nach illegalen Geschäften mit Waffenlizenzen jetzt vor dem Aus.

Quelle: Symbolbild

Hannover. "Uns nimmt doch sowieso kein Schießstand mehr auf", sagt zur Begründung der Vereinsvorsitzende Roman Klodnyckyj der HAZ. Der Imageschaden sei viel zu groß, seitdem in der vergangenen Woche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover gegen "Verantwortliche des Vereins" bekannt wurden. Nach Angaben von Klodnyckyj beschuldigen die Ermittler den kompletten Vorstand, also auch ihn selbst. Der Kassenwart, Vicenzo B., sitzt in Untersuchungshaft.

Gegen vierstellige Summen sollen die Beschuldigten seit 2014 Käufer mit sogenannten Sachkundenachweisen versorgt haben, die für den Erwerb einer Waffenbesitzkarte benötigt werden. Diese erlaubt es den Besitzern, großkalibrige Waffen zu kaufen. Normalerweise muss man dafür eine umfangreiche Prüfung ablegen. Bundesweit ließ die Staatsanwaltschaft Hannover Räume und Wohnungen durchsuchen. Sie ermittelt gegen etwa 100 Beschuldigte wegen Bestechung, illegalem Waffenbesitz und - gegen den Vereinsvorstand - wegen Bestechlichkeit.

Mit der Selbstauflösung könnte der Schießsportverein Hameln 2000 seinem Rauswurf aus dem Dachverband zuvorkommen. Man habe im Vorstand bereits Konsequenzen besprochen, sagte Bernhard Schneider von der Deutschen Schießsport Union (DSU) der HAZ. "Wenn das stimmt, dann wäre das eine Sauerei." Der Verein habe einen "riesigen Schaden für das Ansehen des Verbandes und den Sport angerichtet".

Schneider wundert sich, wie der Schießsportverein Hameln 2000 überhaupt die Sachkundenachweise verkaufen konnte. In Rheinland-Pfalz etwa, wo die DSU ihren Sitz hat, sei so etwa nicht möglich. Dort sei bei den Sachkundeprüfungen immer ein Behördenvertreter anwesend. 

In Hameln war das anders: Dort hatte der Verein im Tatzeitraum von 2014 bis zur Durchsuchung in der vergangenen Woche überhaupt nur zwei Prüfungen angemeldet: Beim Landkreis Schaumburg, wo sich der Schießstand befindent, nur eine im Mai 2015. Bei der Prüfung mit 25 angemeldeten Teilnehmern sei von der Waffenbehörde des Landkreises niemand dabei gewesen, sagte eine Sprecherin. Bei der Stadt Hameln war in diesem Jahr eine Prüfung mit 14 Teilnehmern angemeldet. An der Prüfung in Hameln hat nach Auskunft der Stadt ein Vertreter der Stadt teilgenommen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber gegen an die 100 "Käufer" der Sachkundenachweise. Haben also Vereinsmitglieder die Papiere ganz ohne Prüfung ausgegeben? Dass Vereine überhaupt dazu berechtigt sind, diese Urkunden auszustellen, hält Ulrich Nordmann vom Niedersächsischen Schützenverband (NSSV) für einen "Fehler im System". Die Abnahme der Sachkundeprüfung ist eigentlich eine hoheitliche Aufgabe. Sie ist jedoch vom Gesetz an anerkannte Verbände übertragen worden. Die Verbände wie die DSU oder der Deutsche Schützenbund (DSB) können sie an ihre Untergliederungen weitergeben - bis hin zu den Vereinen.

Der Niedersächsische Schützenverband, der dem DSB angehört, mache das aber nicht mit, sagt Nordmann. "Die Weiterreichung an die Vereine machen wir bewusst nicht mit." Man sehen da eine Interessenkollision. "Diesen Systemfehler wollten wir nicht haben", sagt Nordmann. So etwas wie beim SSV Hameln 2000 könne in seinem Verband daher nicht passieren, glaubt Nordmann.

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