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Der Norden Kaserne trägt jetzt Namen von getötetem Bundeswehr-Soldaten
Nachrichten Der Norden Kaserne trägt jetzt Namen von getötetem Bundeswehr-Soldaten
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00:20 31.03.2018
Die Kaserne in Hannover, Sitz der Feldjäger-Schule der Streitkräfte, heißt künftig Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne Quelle: Peer Hellerling
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Hannover

 Erstmals ist eine Kaserne nach einem im Auslandseinsatz gefallenen Bundeswehrsoldaten benannt worden. Statt Emmich-Cambrai lautet der neue Name der Feldjägerschule an der Kugelfangtrift ab sofort Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne. Die feierliche Umbenennung fand am Mittwoch im Rahmen eines Appells in Anwesenheit der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) statt. „Tobias Lagenstein wird in Afghanistan nicht vergessen, und er wird in seiner Heimat nicht vergessen“, sagte die Ministerin in ihrer Rede. „Er bleibt in der Bundeswehr, im Kreise seiner Kameradinnen und Kameraden.“

Der 31-jährige Hauptfeldwebel kam im Mai 2011 bei einem Sprengstoffanschlag in Afghanistan ums Leben, sein Heimatstandort war die Schule für Feldjäger und Stabsdienst in der Emmich-Cambrai-Kaserne. Es sei „ein starkes Zeichen“, sagte von der Leyen, dass die Unbenennung aus den Reihen der Soldaten an der Kugelfangtrift gekommen sei. Laut Oberst Dirk Waldau, Kommandeur der Feldjägerschule, trage die Kaserne nun einen Namen, „der uns motiviert und stolz macht“. Tobias Lagenstein sei „ein herausragendes Vorbild für die nachwachsenden Feldjägergenerationen“. General Volker Wieker, Generalinspekteur der Bundeswehr, bezeichnete die Umbennung am Mittwoch als „herausragendes Ereignis“.

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Die Emmich-Cambrai-Kaserne heißt jetzt Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne.

Der vorherige Kasernenname leitete sich vom preussischen General Otto von Emmich ab. Er war während des Ersten Weltkriegs Befehlshaber des Armeekorps, das 1914 die belgische Stadt Lüttich eroberte. Cambrai wiederum bezieht sich auf die gleichnamige Stadt in Nordfrankreich, die von deutschen Truppen besetzt wurde. Von der Leyen nutzte die Umbenennung, um im Vorfeld den neuen Traditionserlass der Bundeswehr zu unterzeichnen. Die Truppe habe nach 62 Jahren „eine Geschichte, auf die wir stolz sein können“, sagte sie. Im neuen Erlass werden die Wehrmacht und die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR zudem als „nicht traditionswürdig“ bezeichnet. Allerdings könnten Einzelpersonen sehr wohl Vorbilder sein, sofern deren Leistung „vorbildlich oder sinnstiftend in die Gegenwart wirkt“, heißt es im Erlass.

Ursula von der Leyen mit Oberst Dirk Waldau, Kommandeur der Feldjäger-Schule in Hannover. Quelle: dpa

Ein Hauptgrund für die Novelle war der Skandal um den rechtsradikalen Soldaten Franco A. im vergangenen Jahr, die vorherige Fassung war von 1982. „Es wurde höchste Zeit“, sagte Historiker Martin Görtemaker von der Universtität Potsdam während des Festaktes. Damals herrschte noch der Kalte Krieg, es gab noch die Wehrpflicht und keine Frauen in der Truppe, der Mauerfall und Auslandseinsätze waren ebenfalls nicht denkbar. „Die Bedingungen haben sich signifikant verändert“, so Görtemaker. Nach nunmehr 62 Jahren ihres Bestehens könne sich die Bundeswehr nun durchaus auf sich selbst beziehen. „Die überzeugenden Leistungen lassen eine eigene Tradition zu, ohne die schwere Geschichte zu verdrängen“, sagte Görtemaker.

Vor allem die vielen Reformen seit den 90er Jahren erschwerten eine eigene Bundeswehrtradition. „Sie ist teils bis zur Unkenntlichkeit verändert worden“, sagte Klaus Naumann, Historiker und Mitglied des Beirats für Innere Führung im Verteidigungsministerium. Generalinspekteur Wieker räumte ein, rückblickend „Tradition selbst zerstört“ zu haben. Manche Truppengattungen entstanden darüber hinaus zu Zeiten der Wehrmacht – etwa die Panzergrenadiere im Jahr 1942. Der neue Traditionserlass könne auch diese Schwierigkeiten nicht beseitigen, laut Naumann müsse aber stets ein Zusammenhang hergestellt werden. „Es bleibt ein Spannungsfeld.“

Von Peer Hellerling

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