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Heide meistert Briten-Abzug besser als erwartet

Region im Wandel Heide meistert Briten-Abzug besser als erwartet

Von der britischen Armee aufgegebene baufällige Wohnblocks zeichnen eine düstere Kulisse in Bergen und Bad Fallingbostel. Die Heideorte aber haben den Truppenabzug besser bewältigt als gedacht. Flüchtlinge und die Bundeswehr brachten neues Leben.

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Mit einer Parade hatten sich die Briten verabschiedet.

Quelle: dpa

Bad Fallingbostel. Die Aussichten für die strukturschwache Lüneburger Heide waren düster, als die britischen Streitkräfte vor einem Jahr ihre letzten Kontingente abzogen. Verlust von Kaufkraft, Einwohnern und zivilen Arbeitsplätzen, Leerstand von Häusern und Geschäften sowie verwaiste Militärareale hatten die Garnisonsstädte Bad Fallingbostel und Bergen vor Augen. Doch vieles kam anders, die Untergangsstimmung ist Optimismus gewichen. Die Bundeswehr nutzt inzwischen Teile der Militärkomplexe, die auch zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms dienten. Und für ehemalige Offiziershäuschen finden sich Käufer bis nach Süddeutschland.

«Wir haben sehr viele, die von außerhalb kommen», sagt Bergens Bürgermeister Rainer Prokop (CDU). Die erst vor wenigen Jahren für die Briten errichteten Einfamilienhäuser hätten sich gut verkauft. Aus dem Umland von Hannover, Bremen und Hamburg hätten vor allem die günstigen Immobilienpreise Neubürger nach Bergen und Bad Fallingbostel gelockt, sagt Konversionsmanager Thomas Rekowski. «Wir waren überrascht, dass es in so kurzer Zeit eine Nachfrage gab.»

Städte gehen neuen Weg

Bei den Problemimmobilien - heruntergekommenen Mehrfamilienblocks - gehen beide Städte einen anderen Weg. Weil entsprechende Fördermittel bereits Ende 2015 verfügbar waren, kaufen sie die Gebäude auf, um sie abzureißen. Teils würden Bewohner auch umgesiedelt, um Freiflächen zu schaffen für neue Baugebiete und Parkanlagen, sagt Prokop. «Wir sind mit dem Fortgang zufrieden.» Zwar hat der britische Pub im Ort geschlossen und auch die übrige Gastronomie vermisst die Soldaten - ansonsten sei es für den Einzelhandel aber glimpflich abgegangen. «Es ist nicht spürbar schlimm geworden», sagt Prokop.

Ein Glücksfall ergab sich für das riesige Kasernenareal in Bergen: Ein Panzerbataillon der Bundeswehr, zu dem auch holländische Truppenteile gehören, ist dort inzwischen eingerückt. Bis Ende kommenden Jahres sollen 700 Soldaten und 650 Zivilangestellte in Bergen stationiert sein, weniger zwar als zu Zeiten der britischen Armee, aber eine gute Stütze. In Bad Fallingbostel übernahm die Bundeswehr den Truppenübungsplatz - ein ganz großer Schub aber war die Umwandlung großer Kasernenteile zur landesweit größten Flüchtlingseinrichtung. Aus der Notunterkunft ist inzwischen ein dauerhaftes Ankunftszentrum mit Erstaufnahmestelle geworden.

«Wir profitieren nach wie vor von den Flüchtlingen», freut sich Bürgermeisterin Karin Thorey (parteilos). 200 neue, dauerhafte Arbeitsplätze seien in der Erstaufnahmeeinrichtung entstanden, für die Mitarbeiter auch von weiter her nach Bad Fallingbostel zögen. «Anders als vor einem Jahr gedacht tut sich einiges und wir sind ganz optimistisch.» Einen Leerstand von Geschäften gab es nach dem Britenabzug durchaus, sieben von zehn Anträgen auf Zuschüsse zum Neustart von Läden habe die Stadt schon positiv beantwortet.

Kampagnen haben positiven Effekt

Ebenfalls nicht ohne Effekt blieben die Kampagne «Bleiben in Bergen» und ein «Resettlement Fair» in Bad Fallingbostel, bei dem die Soldatenfamilien über ein Bleiben in Niedersachsen und die Jobsuche informiert wurden. «Etliche sind hier geblieben», meint Bürgermeister Prokop. Zumeist ging es um Armeeangehörige mit deutschen Ehefrauen.

Sehen lassen kann sich auch die Zwischenbilanz der Arbeitsagentur bei der Vermittlung der Zivilbeschäftigten, die ihren Job verloren. Von den 350 Betroffenen im Kreis Celle haben 200 wieder eine Arbeit, von den 250 im Heidekreis sind 160 wieder in Lohn und Brot. «Wir haben nicht damit gerechnet, dass es auf Anhieb so gut klappt», sagte der Sprecher der Arbeitsagentur in Celle, Marc Seemann. Küchenpersonal und Wachleute der Kaserne in Bad Fallingbostel hätten mit der Ankunft der Flüchtlinge gleich übernommen werden können, auch anderen bot die Betreuung der Asylbewerber zumindest vorübergehend einen Job. Qualifizierungsmaßnahmen laufen noch für 150 Arbeitslose.

dpa

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