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Der Norden Aller und Leine: Wie viel Naturschutz muss sein?
Nachrichten Der Norden Aller und Leine: Wie viel Naturschutz muss sein?
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09:47 23.02.2017
Von Gabriele Schulte
„Das ist doch kompletter Unsinn“: Ernst Wilhelm Otto befürchtet Angelverbote an einem der Teiche bei Rethem. Quelle: Schaarschmidt
Rethem

Ernst Wilhelm Otto schüttelt den Kopf. „Das ist doch kompletter Unsinn“, sagt der Angler und zeigt erst in die eine, dann in die andere Richtung des Teichs nahe der Aller bei Rethem (Heidekreis). „Auf der westlichen Seite soll es ein Angelverbot geben, auf der Ostseite sollen wir weiter angeln dürfen.“ Der 67-Jährige schimpft: „Man will Verbote mit Gewalt durchsetzen.“ So wie der Vertreter des Angelvereins Rethem sehen es auch Fischer in den benachbarten Samtgemeinden Schwarmstedt und Ahlden. Überall machen Szenarien weitreichender Angelverbote die Runde.

Wie viel Naturschutz verträgt eine Region? Wie weit müssen Anwohner gegenüber Pflanzen und Tieren zurückstecken? Diese Fragen entzünden sich immer dann, wenn Behörden sich vornehmen, den Lebensraum von Flora und Fauna nachhaltig zu sichern.

Fluss folgt natürlichem Lauf

Im Heidekreis ist das gerade ein großes Thema. Auf Druck der EU will die Verwaltung Naturschutzgebiete an der Aller und den Zuflüssen Leine und Böhme ausweisen und bringt damit nicht nur Angler, Jäger, Pferdehalter und Grundeigentümer gegen sich auf. Einem von Landwirten aus Protest initiierten Verband, der den Vorrang der Natur zu begrenzen sucht, will sogar manche Kommune beitreten.

Hier ist ein Schutzgebiet geplant. Quelle: HAZ-Grafik

In den Nachbarkreisen Celle und Verden wurden an der Aller bereits kleinere Naturschutzgebiete ausgewiesen, ohne dass es zu vergleichbarem Protest kam. Im Heidekreis ist der Widerstand groß, weil es dort, wo der Fluss noch seinem natürlichen Lauf folgt, ein besonders weitläufiges Gebiet mit vielfältigen Arten zu schützen gilt.

Der Kiebitz zum Beispiel liebte die einst abwechslungsreiche Wiesenlandschaft zwischen Sommer- und Winterdeichen. Doch die Bewirtschaftung der Flächen mit Wirtschaftsgrünland und Maisäckern macht dem Vogel nach Meinung von Naturschützern zu schaffen; inzwischen ist sein „Kiwitt“-Ruf nur noch selten zu hören. „Es gibt in der Allermarsch nur noch ein einziges Brutpaar“, sagt Frank-Ulrich Schmidt vom Naturschutzbund Nabu. Auch das früher verbreitete Rebhuhn lasse sich nicht mehr blicken, seit schützende Hecken abgeholzt wurden.

„Wir sind nicht gegen Naturschutz“, beteuern diejenigen, die ein aus ihrer Sicht zu großes Naturschutzgebiet verhindern wollen – wie Landwirt Hermann Dietrich Meyer in Bierde. Er gehört zu den Initiatoren des „Beteiligungs- und Pflegeverbands Aller-Böhme“, der gerade gegründet wird. Beitreten will unter anderem die Gemeinde Frankenfeld bei Rethem, wo Angler Otto wohnt. Zur Mitgliedschaft entschlossen haben sich zudem einige Jagdgenossenschaften, private Jagdeigentümer und Deichunterhaltungsverbände. Bis Ende Februar können weitere dazustoßen. „Es werden täglich mehr“, meint Meyer. Dabei liegt der Jahresbeitrag mit 800 Euro recht hoch; mit dem Geld sollen unter anderem Gegengutachten bezahlt werden. „Wir wollen verhindern, dass der Kreis die Linien auf der Karte zu starr zieht“, sagt der Landwirt. Sonst dürften etwa seine Pferde bald nicht mehr in der Marsch hinter dem Hof weiden.

EU fordert Zonen für Flora und Fauna

Die EU-Richtlinie Flora-Fauna-Habitat (FFH) ist seit 1992 in Kraft. Die Mitgliedsstaaten verpflichteten sich, ökologische Schutzgebiete zu sichern und zu vernetzen. Niedersachsen hat im Heidekreis bei der EU zusätzlich Gebiete als Vogelschutzzonen angemeldet. Als besonders schützenswert festgelegt wurde eine Fläche von mehr als 5200 Hektar. Möglicherweise werden weitere 2000 Hektar dazukommen.
Bis 2018 muss der Kreis seiner Verpflichtung nachkommen, dort, wo es nötig ist, Landschaftsschutz- in Naturschutzgebiete umzuwandeln. Sonst droht ein Vertragsverletzungsverfahren. Um die für September geplante Entscheidung auf breite Grundlagen zu stellen, hat der Kreis Interessierte in Arbeitsgruppen eingeladen, zu Themen wie etwa Tourismus und Fischerei. Erst danach folgt das rechtlich vorgeschriebene öffentliche Beteiligungsverfahren. gs     

Bei ihrer Werbeaktion für den Verband verweisen die Gründer darauf, dass auch Anwohner und Touristen unter Naturschutzgebieten zu leiden hätten: Baden und Wasserski wären im Grundsatz verboten, ebenso Streifzüge abseits der Wege. Oliver Schulze, stellvertretender Landrat des Heidekreises, stellt aber klar: „Vom Wegegebot können Ausnahmen gemacht werden.“ Auf der anderen Seite könne auch in den weniger streng geregelten Landschaftsschutzgebieten verboten werden, Wege zu verlassen.

Der Kreis ist bemüht, mithilfe von Naturschützern das Gebiet sinnvoll einzuteilen. Vielerorts würde ein Naturschutzgebiet die Lage für Blaukehlchen und Co., aber etwa auch für den Fischotter erheblich verbessern, meint Frank-Ulrich Schmidt vom Nabu. Von Angelbeschränkungen würden zum Beispiel Rohrammer und Wasserralle profitieren – auch leise Angler störten oft empfindlich: „Der Teichrohrsänger rührt sein Nest nicht mehr an, wenn Menschen zu nah kommen.“ Den Wiesenbrütern habe vor allem die Landwirtschaft zu schaffen gemacht, hebt Sigrid Ahlert vom Bund für Umwelt und Naturschutz hervor: „Einer weiteren Intensivierung muss unbedingt ein Riegel vorgeschoben werden.“

Über eins besteht bei aller Unsicherheit Einigkeit: Der Kreis habe gut daran getan, Diskussionsgruppen zu bilden. Mehrere Gemeinden wie Gilten haben sich mit diesem Argument gegen eine Mitgliedschaft im Beteiligungsverband entschieden. Bürgermeister Erich Lohse warnt vor Schwarzmalerei: „Das wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“     

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