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Hier entwickelt Niedersachsen Heilkräfte

Gesundheit Hier entwickelt Niedersachsen Heilkräfte

Wer einen Ort für die Gesundheit sucht, hat große Auswahl: 36 staatlich anerkannte Kurorte und Heilbäder, sieben Nordseebäder, 15 Luftkurorte sowie 54 Erholungs- und Küstenbadeorte konkurrieren im Land um Gäste.

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Die Hufeland Therme in Bad Pyrmont.

Quelle: Samantha Franson

Bad Pyrmont. Bäuchlings auf der Liege in einem abgedunkelten Behandlungsraum lässt sich eine junge Frau den Rücken kneten. „Ich gönne mir eine Massage“, sagt die 31-jährige. ,,Zu Hause halten mich meine beiden Kleinen ständig auf Trab.“ Ein Stockwerk tiefer, im warmen Solebecken der Hufelandtherme, versucht eine Gruppe rheumageplagter Menschen, mit Wassergymnastik Schmerzen zu lindern. Im Nachbarbecken nutzt eine ältere Dame den Auftrieb der Sole, um sich trotz ihrer Lähmung Bewegung zu verschaffen; auch sie hat einen Physiotherapeuten an ihrer Seite. „Die Übungen helfen mir, wieder laufen zu lernen“, erzählt die 72-Jährige.

Wer einen Ort für die Gesundheit sucht, hat große Auswahl: 36 staatlich anerkannte Kurorte und Heilbäder, sieben Nordseebäder, 15 Luftkurorte sowie 54 Erholungs- und Küstenbadeorte konkurrieren im Land um Gäste.

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Tradition und Moderne, Vorsorge und Therapie, Verwöhntwerden und Sport - in modernen Kurorten lässt sich all das miteinander verbinden. In Bad Pyrmont gilt das besonders: Das geschichtsträchtige Staatsbad mit dem ältesten Kurpark der Welt hat nach eigenen Angaben das breiteste Behandlungsangebot in Deutschland. Dazu zählen auch örtliche Spezialkliniken mit Schwerpunkten wie Rehabilitation, psychische Störungen oder Fasten.

Zunehmend nachgefragt sind Moor und andere Heilmittel aus der Zeit, als die Kur noch ein Massenvergnügen war - bis sie nach der Gesundheitsreform von Horst Seehofer ab Mitte der Neunzigerjahre ein Schattendasein führte.

Mittlerweile verzeichnet der Heilbäderverband eine Wende. Die sei in Bad Pyrmont deutlich zu spüren, berichtet Kurdirektor Maik Fischer, der lieber von „Gesundheitsreisen“ als von Kuren spricht. Spätestens seit Ende der Wirtschaftskrise 2009 gehe es wieder bergauf. „Der Trend geht zu den natürlichen Heilkräften“, sagt er.

In dem klassizistisch geprägten 20 000-Einwohner-Ort, den schon vor 500 Jahren Adelige für eine Kur aufsuchten, wird die Wirkung der traditionellen Heilmittel sogar in einem Institut ärztlich erforscht. Therapieleiter André Schubert hebt hervor, dass viele heilsame Wirkungen mittlerweile bewiesen sind. So lindere das wärmespeichernde Moor Schmerzen bei Rheuma, mineralreiche Sole komme unter anderem Osteoporose-Patienten zugute.

Selbst die antiquiert anmutende Behandlung mit natürlichem Kohlendioxid-Quellgas in einer Holzkiste aus den Sechzigerjahren, aus der nur der Kopf des Gastes herausguckt, sei nachweislich höchst effektiv: „Vor allem bei der Wundheilung wird hier auf kostengünstige Weise erreicht, was mit teuren Wundpflastern oft viel schlechter gelingt.“ Das beim Einatmen in hoher Dosis giftige Gas ist eine Spezialität von Bad Pyrmont. „Das gibt es nur hier“, sagt Schubert.

Zurzeit sind für die CO2-Behandlung im Gesundheitszentrum nur zwei Kabinen eingerichtet. Ihre Zahl soll mit dem Umbau des Gebäudes, den sich das Land 16 Millionen Euro kosten lässt, verdoppelt werden. Vor der Jahrtausendwende hatte die Kurverwaltung in einem historischen Palais gegenüber am Kurpark noch mehr als 20 solcher Boxen aneinandergereiht. Dorthin schicken mittlerweile Betriebskrankenkassen gesundheitsbewusste Versicherte - für fünf Tage Rückenschule.

Überhaupt spielt Bewegung eine große Rolle - nicht nur für die Zeit im Weserbergland. „Ich mache das zu Hause weiter“, sagt Kurt Nelles aus Hannover, der Rückenprobleme hat und gerade vom Nordic Walking zurückgekehrt ist. Das meint auch Madeleine Burkhard, ebenfalls rückengeplagte Krankenschwester aus der Pfalz. „Mir helfen auch die Wassergymnastik und die Wannenbäder mit Eisenwasser“, sagt die 53-Jährige. „So viele Termine würde ich zu Hause nicht schaffen.“ Die Natur der Umgebung und das Kulturangebot unter anderem mit Theater- und Schlossbühne tun ein Übriges, um den Alltag auf Abstand zu halten.

Treffpunkt in Bad Pyrmont ist die Wandelhalle. Dort werden sechs Wassersorten ausgeschenkt - oder können per Selbstbedienung gezapft werden. Brunnenfrau Ilse Kinkeldey berät die Gäste seit 27 Jahren. Wenn in Kürze ihr Ruhestand beginnt, will die 63-Jährige trotzdem regelmäßig hierher kommen, zumindest im Frühjahr und Sommer, ihrer Pollenallergie wegen. Die Brunnenfrau schwört auf „Helene“, leicht rostig schmeckendes Wasser aus dem Helenenbrunnen mit viel Calcium, Magnesium und Eisen. „Jeden Tag sechs Gläser Helene“, sagt sie. „Dann brauch‘ ich kein Kortison.“

Der Weg zur Kur

Bei medizinischer Notwendigkeit werden Kuren weiterhin von Krankenkasse oder Rentenversicherung unterstützt. Bei stationären Aufenthalten zahlt der Patient lediglich eine Tagespauschale von 10 Euro zu. Bei ambulanten Kuren übernimmt die Kasse die Kosten für den Badearzt sowie 80 Prozent der Therapiekosten. Dei Unterkunft wird frei gewählt und mit von Kasse zu Kasse unterschiedlicher Tagespauschale bis zu 13 Euro bezuschusst.
Für einen Kurantrag fordert man zunächst das Formular bei der Kasse an und geht damit zum Hausarzt. Patient und Arzt begründen jeweils den Antrag. Die Kasse entscheidet dann, ob die notwendige Behandlung nicht ebenso gut zuhause stattfinden kann. Wenn der Antrag abgelehnt wird, verschafft ein Widerspruch eine zweite Chance.

Den Ort legt bei stationären Aufenthalten die Krankenkasse fest. Obwohl auf dem Formular nicht vorgesehen, können aber beim Antrag eigene Wünsche vermerkt werden. Der Klinikaufenthalt, der vor allem für Berufstätige gewährt wird, soll innerhalb von sechs Wochen nach der Kassenzustimmung beginnen. Bei der ambulanten Kur dagegen hat der Patient ein halbes Jahr Zeit, die Reise anzutreten. Auch der Ort ist frei wählbar, sofern ein medizinisch passendes Angebot besteht. Vor Ort legt dann der Badearzt in Abstimmung mit dem Gast die Therapie fest.

Die „Moderne Kur“., für Selbstzahler, wie sie beim Heilbäderverband Niedersachsen genannt wird, kann noch individueller geplant werden. Kurorte bieten für „Medical Wellness“ unterschiedliche Reisepauschalen an, für wenige Tage oder auch mehrere Wochen. Enthalten sind beispielsweise Massagen und Moorpackungen, Ernährungsberatung und der Eintritt ins Solebad – mit vorherigem Gespräch beim Badearzt. Eine weitere Möglichkeit sind „Aktivwochen“, die von Krankenkassen in Vertragshäusern angeboten werden. Dort geht es vor allem darum, bestimmte Bewegungs- und Entspannungsmöglichkeiten für den Alltag zu erlernen.  

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Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 15. Oktober 2017
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Studie IQB-Bildungstrends